Diez Eichler vom Arbeitskreis Stadtgeschichte Nidderau vor dem Hexentürmchen der Burg in Windecken. In den Händen hält er das Werk "Hanau, Stadt und Land" von Ernst J. Zimmermann von 1919, in dem auch Aufzeichnungen zur Geschichte der Burg enthalten sind. FOTO: JWN

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Geschichten ums "Hexentürmchen"

War eines der Wahrzeichen von Windecken, das sogenannte Hexentürmchen, nur wenige Hundert Meter von der Burg entfernt, das Verlies der Grafen zu Hanau? Oder ist das nur eine Mär? Die WZ geht auf Erkundungstour mit Diez Eichler. Er markiert derzeit für den Arbeitskreis Stadtgeschichte Nidderau bedeutende Wahrzeichen im Stadtgebiet für die neuen "Geschichtswege".

Unstrittig ist, dass dem kleinen Turm am Ende des Windecker Burgareals früher eine bestimmte Aufgabe zugedacht war. Doch welche das war, darüber gibt es unterschiedliche Auslegungen.

"Da sich das Hexentürmchen am südwestlichen Zipfel des Mauerrings um die ehemalige Burganlage aus dem 13. Jahrhundert befindet und über zwei Zugänge verfügt, ist davon auszugehen, dass der Turm einst ein Eingang zu der Wonnecker Burg, wie sie eigentlich heißt, war und kein Gefängnis", räumt Diez Eichler mit dem grusligen Märchen vom Gefängnis der Grafen zu Hanau auf. Eichler ist Mitglied des Arbeitskreises Stadtgeschichte und zurzeit damit beschäftigt, für die Stadt Nidderau "Geschichtswege" zu markieren, an denen sich Wahrzeichen oder Baudenkmäler der Stadt befinden. Dies soll nach Ausschilderungen mit QR-Codes zur Erläuterung des jeweiligen Bauwerks dem Tourismus und der Wirtschaftsförderung dienen.

Überlieferungen zufolge sollen im Hexentürmchen Frauen eingekerkert worden seie, die der Hexerei angeklagt waren. Ernst J. Zimmermann zitiert 1919 in seinem umfangreichen Werk "Hanau, Stadt und Land" aus den Kirchenbüchern: "1593 ist Anderssen Margareth im Gefängnis aufm Schloß, darin sie getriebener und gestandener Zauberei wegen drei Wochen gelegen, am Morgen tot aufgefunden worden, ist auf der Rät Befehl nach 2 Tagen durch den Nachrichter hinaus bis zur Wart geführt und von ihm begraben worden." Anderssen soll durch ihre Standhaftigkeit das Leben anderer Frauen gerettet haben.

Hexenprozesse bis ins Jahr 1682

Mag die Überlieferung auch wahr sein, so gibt es zumindest über den Ort des Geschehens inzwischen Zweifel. Denn nach den wiederaufgefundenen Plänen der Burg aus dem Jahr 1677 befand sich das Gefängnis in einem großen quadratischen Turm in der Hauptburg. Das heutige Hexentürmchen aber war Teil der Vorburg und diente der Sicherung des Vorburgtors, wie Eichler anhand der alten Unterlagen glaubt nachweisen zu können. Belegen will er es mit einer Zeichnung von 1830.

Diese zeigt, dass sich anstelle der heutigen rechteckigen Tür ursprünglich ein gotisches Spitzbogenfenster befand. "Es ist also eher unwahrscheinlich, dass das ›Hexentürmchen‹ jemals als solches in Gebrauch war - da es die Überlieferung aber nun mal dazu gemacht hat, kann es heute als eine Art Gedenkstätte für die dem Hexenwahn der frühen Neuzeit zum Opfer gefallenen Frauen dienen", meint Eichler. Der letzte Hexenprozess in Windecken fand übrigens am 16. Mai 1682 statt.

Das Hexentürmchen wurde 2011/12 von der Stadt auf Anregung des Vereins der Heimatfreude restauriert, anlässlich der 725-Jahr--Feier zur Verleihung der Stadtrechte an Windecken. Der Verein kümmert sich auch heute noch um die Pflege des Türmchens. Ihm ist es auch zu verdanken, dass 2013 das Theaterstück "Hexenprozess" wiederaufgeführt wurde, das Anfang der 50er Jahre entstanden ist und erstmals 1954 zur 666-Jahr-Feier der Verleihung der Stadtrechte aufgeführt wurde.

Die Burg Wonnecke wurde ursprünglich wohl um 1620 erbaut, denn 1622 wurde mit Gutzold von Ilbenstadt der erste Burgmann in Windecken genannt. Es wird vermutet, dass sich an dieser Stelle bereits eine burgartige Anlage befand. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Burg zerstört und diente dann lange Zeit nur noch als Steinbruch. Erst im 18. Jahrhundert erhielt sie - bis zum 20. Jahrhundert - eine neue Nutzung als Sitz des Amtsgerichts. Die Burg steht heute unter Denkmalschutz und befindet sich in Privatbesitz. jwn

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