+

ZUM NACHDENKEN

Geringschätzung

  • vonRedaktion
    schließen

Am 26. Juli 1945, vor 75 Jahren, waren sich Amerikaner, Chinesen und Briten einig: Sie forderten in der sogenannten Potsdamer Erklärung die Kapitulation Japans und die Einführung von Demokratie und Menschenrechten in dem Land. Ansonsten drohe die sofortige und vollständige Vernichtung. Während der Krieg mit dem Deutschen Reich beendet war, blieb die Forderung gegenüber Japan ohne Reaktion - was folgte war der Abwurf zweier Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki am 6. und 8. August vor 75 Jahren.

Wir sind uns vermutlich einig darin, dass sich solche Ereignisse nicht wiederholen dürfen. Und doch gibt es weltpolitische Ereignisse, die alle Bemühungen um Frieden und Gerechtigkeit zunichtemachen können. Briten, Amerikaner und Chinesen sind sich aktuell gar nicht einig. Es braucht daher eine wiederkehrende Kultur der Erinnerung an die Geschichte und die gemeinsamen Werte der Menschheit. Menschenrechte und Demokratie gibt es nicht einfach so. Wir müssen immer wieder für sie eintreten und kämpfen - mit friedlichen Mitteln. In Japan und Deutschland sind Gedenktage heute wichtige Bausteine für das jeweilige Selbstverständnis: »Es gibt kein Ende des Erinnerns. Es gibt keine Erlösung von unserer Geschichte. Denn ohne Erinnerung verlieren wir unsere Zukunft.« Das hat Bundespräsident Walter Steinmeier in seiner Rede zum 8. Mai 2020 gesagt.

Für religiöse Menschen, für Christen etwa, sind die einfachen und klaren Botschaften der heiligen Schriften gute Ratgeber: »Wer sich des Armen erbarmt, der ehrt Gott«, heißt es im Buch der Sprüche (14,31). Und im Matthäus-Evangelium wird dieser jüdische Text bestätigt: »Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Geschwistern, das habt ihr mir getan« (Mt 25,40). Wer die Bibel liest und den Geringsten schätzen lernt und sie nicht missbräuchlich vor einer Kirche in die Höhe hält - wie kürzlich der US-Präsident -, hilft dabei, etwas Gutes zu tun und die Zukunft zu gewinnen. Nur so können auch die globalen Herausforderungen durch Corona gemeinsam bewältigt werden.

Peter Noss

Pfarrer für Ökumene und Dialog im Ev. Dekanat Wetterau

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare