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ZUM NACHDENKEN

Gemeinsam lernen

  • VonRedaktion
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»Na, warst du wieder die Knackies missionieren?« begrüßt mich mein Nachbar flapsig. An diesem Sonntag steht der sogenannte »Tauf- und Missionsbefehl« aus Matthäus 28, 18-20, im Zentrum. Es gibt wenige Worte, die mit so negativen Assoziationen belastet sind wie das Wort Mission. Sofort kommen mir Bilder in den Sinn, wie Konquistadoren in alle Welt aufbrachen, um den »wahren Glauben« unter den »Heiden« mit Feuer und Schwert zu verbreiten.

Mission, das ist auch der selbstlose Einsatz von Menschen, um Not zu lindern und Hilfe weiterzutragen. Fast alle berufen sich dabei auf das Matthäus-Evangelium. »Gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker«, steht es in älteren Übersetzungen. Doch trifft diese Übersetzung den Kern der Aussage, die uns von Jesus überliefert ist?

Ein Blick in den griechischen Urtext hilft. »Mathäteusate« steht dort als zentrales Wort. Ein griechischer Begriff, für den es keine direkte Übersetzung gibt.

Man könnte es am besten mit »verschülern« übersetzen, denn »Mathätis« ist der Schüler, die Schülerin. Wichtig zu wissen ist, dass in der Antike Schüler und Lehrer in Lebensgemeinschaften gemeinsam lernten. Der Dialog und das Weiterentwickeln von Ideen standen im Mittelpunkt.

Mir gefällt das Kunstwort »verschülern«. Lebenslang von und mit anderen zu lernen.

In diesem Sinne bin ich auf Mission. Nicht als ein Belehrender, der alles weiß, sondern als Suchender, Fragender, Forschender, der zusammen mit den mir Begegnenden nach Erklärungen und Lösungen sucht. Dabei habe ich erfahren, dass es gerade in der internationalen kleinen Welt eines Gefängnisses, einem Krisenort, viele Dinge zu lernen gibt. Viele Lebenskonzepte und Lösungen sind mir fremd. Aber gerade dadurch bereichernd und herausfordernd.

Uwe Wießner ,

Ev. Pfarrer bei der JVA Rockenberg und der JVA Limburg

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