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Der Gederner See ist ein beliebtes Urlaubsziel in der Region. Auf den Campingplatz dürfen zurzeit aber nur Besitzer eines Dauerstellplatzes. Auch in Hotels sind touristische Übernachtungen momentan nicht möglich. »Endlos halten wir das nicht durch«, sagt Thomas Dröscher von der Villa Grunewald in Bad Nauheim. ARCHIVFOTO

Beherbungsunternehmer verärgert

Urlaub auf Mallorca ja, am Gederner See nein

  • vonJürgen W. Niehoff
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Ist es in Ordnung, dass Deutsche über Ostern in den Urlaub nach Mallorca fliegen, während das Hotel in Bad Nauheim und der Campingplatz in Gedern Risikogebiet sind? Die Unternehmer sind sauer.

Mit Blick auf den Buchungsboom für Mallorca in den Osterferien hat die Bundesregierung die Tests von Passagieren vor dem Heimflug inzwischen zwar wieder verpflichtend gemacht.

Innerhalb Deutschlands gilt das Verbot von Campingplatzbesuchen aber weiterhin, genauso wie das Buchen eines Hotelzimmers für Privatpersonen. Auch halten Bund und Länder an ihrer Empfehlung fest, möglichst nicht zu reisen und die Osterfeiertage zu Hause zu verbringen. Das führt im Gastgewerbe zu einer fast schon katastrophalen Stimmung - auch in der Wetterau.

Bis zu 80 Prozent Umsatzeinbußen

»Wie sollen wir überleben, wenn wir keine Gäste mehr aufnehmen dürfen?«, fragt beispielsweise Thomas Dröscher vom Bad Nauheimer Renommierhotel Villa Grunewald. Bis zu 80 Prozent Umsatzeinbruch habe sein Haus in den vergangenen Monaten verzeichnet. »Die Festangestellten haben wir schon auf Kurzarbeit umgestellt und auf die 450-Euro-Aushilfen ganz verzichtet. Aber endlos halten wir das auch nicht durch«, sagt Dröscher. Für die Monate November und Dezember habe er zwar staatliche Unterstützung erhalten, aber in diesem Jahr sei trotz Antrag noch kein Cent geflossen.

»Das Schlimme an der gegenwärtigen Situation ist die Ungewissheit, wie lange der Lockdown noch anhält und wann wir endlich mit Gästen wieder rechnen können«, sagt Dröscher.

Durchhalten immer schwieriger

Dass das Hotel Villa Grunewald kein Einzelfall ist, darauf weist auch der Präsident des Hotel- und Gaststättengewerbes Guido Zöllick hin: »Viele unsere Mitglieder halten keine Wochen oder sogar noch Monate in dieser Schockstarre länger durch.« Er fordert deshalb vom Bund und den Ländern eine klare und verlässliche Perspektive.

Unter dem momentanen Lockdown leidet aber nicht nur das Gastgewerbe, auch die Campingplätze müssen ihre Tore geschlossen halten. »Ja, aufgrund der Corona-Kontakt-und Betriebsbeschränkungsverordnung des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen bleiben unsere beiden Campingplätze für touristische Übernachtungen bis auf Weiteres geschlossen«, teilt das städtische Touristenbüro in Büdingen auf telefonische Anfrage kurz und knapp mit.

Bis in den Herbst ausgebucht

Auch auf dem ansonsten ganzjährig geöffneten Campingplatz in Gedern, einem beliebten Urlaubsziel in der Region, ist die Stimmung alles andere als rosig. »Im vergangenen Jahr hatten wir trotz oder gerade wegen der Corona-Pandemie ein irres Geschäft.

Es hat richtig geboomt. Bis in den Herbst waren wir komplett ausgebucht«, berichtet der Betriebsleiter des Campingplatzes, Manuel Knaus. Trotz Hygienekonzept und Abstandsregeln sei aber auch sein Platz seit fast fünf Monaten geschlossen. Lediglich die Besitzer eines Dauerstellplatzes erhalten noch Zutritt.

»Wir müssen raus aus der Schockstarre. Nur Jammern bringt uns nicht weiter«, versucht Cornelia Dörr, Geschäftsführerin der kreiseigenen Tourismus-Region Wetterau, Zuversicht zu verbreiten.

Sie führt Beispiele an, wie der Krise getrotzt werden kann. So plant die Stadt Friedberg, wie schon 2020, auch in diesem Jahr, und zwar ab dem 12. Juli, die Aktion »Urlaub in Friedberg«. Dabei wird die Kaiserstraße mit Palmen und Sandburgen dekoriert werden und auch kleine Musikangebote soll es geben.

Abendessen im Wohnmobil

Für den Bereich Hotellerie und Gastronomie weist Dörr auf eine Initiative in Glauburg hin, bei der seit zehn Wochen jeden Freitag eine Show über die Internet-Mediendienste dargeboten wird. Vorgestellt werden regionale Erzeuger, Musiker und Gastronomen.

Eine weitere Idee ist das sogenannte Wohnmobil-Dinner, Dabei wird das Essen von einem Restaurant zubereitet, auf einem Tisch vor dem Wohnmobil serviert und kontaktfrei von den Gästen hineingeholt. Auch passende Getränke werden angeboten - eine alternative Einnahmequelle für Gastronomen, die an einigen Orten bereits gut läuft.

Ideenwettbewerb

Der Verein »Wirtschaft.Regionalentwicklung.Wetterau« hat zur Belebung der Region, darunter auch der Gastronomie, einen Wettbewerb unter dem Titel »100 sprühende Ideen für lebendige Zentren« ausgerufen.

Dieser soll zu einem Neustart mit Schwung in der Region nach der Corona-Pandemie führen. Gefragt sind konkrete Ideen aus den Bereichen Handel, Kultur und Gastronomie, Projekte jeder Form und Größe: vom Verkaufsautomaten der heimischen Metzgerei bis hin zum regionalen Online-Kaufhaus oder digital präsentem Dorfladen und Streaming-Kultur. Bewerbungen können bis zum 16. April per E-Mail eingereicht werden: anmeldung@wfg-wetterau.de.

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