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Wetterauer Bobby-Car-Fahrer rast mit 130 Kilometern pro Stunde zum Weltrekord

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Von: Oliver Potengowski, Sophia Lother

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Das starke Gefälle der Straße zwischen Herchenhain und Sichenhausen (Gemeinde Grebenhain, Vogelsbergkreis ) bietet optimale Voraussetzungen für den Weltrekordversuch von Marcel Paul aus der Wetterau.
Das starke Gefälle der Straße zwischen Herchenhain und Sichenhausen (Gemeinde Grebenhain, Vogelsbergkreis ) bietet optimale Voraussetzungen für den Weltrekordversuch von Marcel Paul aus der Wetterau. © Oliver Potengowski

Er verletzt sich bei 50 Stundenkilometer und wollte trotzdem Geschwindigkeitsrekorde brechen. Ein Bobby-Car-Fahrer aus der Wetterau erreicht Großes.

Update von Samstag, 28. Mai, 16.35 Uhr: Mit einem aufgemotzten Bobby-Car hat sich der Wetterauer Marcel Paul voraussichtlich einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde gesichert. Nach zwei Probeläufen raste der 29-Jährige am Samstag (28. Mai) mit 130,7 Kilometern die Stunde einen Abhang auf einer Landstraße nahe Schotten im Vogelsbergkreis hinunter und stellte damit einen Geschwindigkeitsrekord auf, wie die Organisatoren der Deutschen Presse-Agentur berichteten.

Auch der Geschwindigkeitsrekord in der zweiten Disziplin mit einem klassischen Bobby-Car mit Plastikreifen glückte: Hier brachte es Paul auf 106 Kilometer pro Stunde. Das Rekord-Institut für Deutschland habe beide Spitzenwerte bereits anerkannt, die nun bei Guinness für die Eintragung eingereicht würden.

Rekordfieber in der Wetterau: Bobby-Car-Fahrer kratzt an 80 Stundenkilometer-Marke

Erstmeldung von Sonntag, 22. Mai: Gedern – Das mit seinem Bobby-Car einmal Geschwindigkeitsrekorde gefahren würden, hätte sich Ernst Albert Bettag wohl nicht träumen lassen, als er das Rutschauto 1972 erfand. Mit dem leicht nostalgischen Design aus großen Augen als Scheinwerfern, geschwungenen Kotflügeln und leuchtend roter Farbe wurde es schnell zu einem unwiderstehlichen Magnet für Kinder – und zum Verkaufsschlager. Unzählige Kleinkinder sammelten mit dem Bobby-Car ihre ersten Mobilitätserfahrungen.

Während Bettag sich mit Design und Achsschenkellenkung an den großen Vorbildern orientierte, verzichtete er auf eine Bremse. Schließlich schienen die Geschwindigkeiten, die man damit erreichen konnte, mehr als überschaubar. Dachte er.

Doch seit rund 30 Jahren gibt es immer mehr Menschen, die das anders sehen. Zwar verzichten sie auch weiterhin auf eine Bremse. Doch die Geschwindigkeiten, die bei den seit den 90er Jahren ausgetragenen Rennen erreicht werden, sind sicher nicht im Sinne des vor 19 Jahren verstorbenen Erfinders.

Bobby-Car-Rennen in der Wetterau: „Wie viel die Reifen aushalten, bevor sie schmelzen“

Der Rekord für originale Bobby-Cars liege bei 80 Stundenkilometern, berichtet Marcel Paul aus Mittel-Seemen. „Im Training habe ich schon 78 bis 79 erreicht“, erzählt er. Bei seinem Rekordversuch am Samstag, 28. Mai, in Sichenhausen möchte er an die Belastungsgrenze des Materials gehen. „Mal sehen, wie viel die Reifen aushalten, bevor sie schmelzen.“

Seit einigen Wochen übt er auf einem 850 Meter langen Feldweg bei seinem Heimatort Mittel-Seemen. Elf Prozent Gefälle sorgen für Geschwindigkeit. „Es geht vor allem darum, eine aerodynamische Lage hinzubekommen und das Bremsen zu üben“, erläutert er die Ziele des Trainings. Und weil Bobby-Cars keine Bremsen haben und auch keine nachgerüstet werden dürfen, muss Marcel Paul mit den Füßen bremsen. Dafür hat er sich unter ein Paar Schuhe Gummi von alten Motorradreifen geklebt.

Als es bei ihm mit dem Bobby-Car-Fahren ernst wurde, war er dem typischen Alter für Rutschautos schon lange entwachsen. 2005 als Zwölfjähriger kam er bei einer Meisterschaft in Nordrhein-Westfalen erstmals mit dem Kinderfahrzeug als Sportgerät für erwachsene Männer in Berührung. „Ich war so fasziniert von den Fahrzeugen“, erinnert sich Paul. „Ich habe unzählige Fotos gemacht.“

Bobby-Car-Rennen ist gefährlich: Hobby-Tüftler aus der Wetterau sorgt sich

Zu Hause in Mittel-Seemen begann er mit Lothar Kusch seinen ersten Prototyp aufzubauen. „Das ist ein Tüftler, man kommt zu ihm mit einer Idee und er setzt das um“, lobt Paul die Zusammenarbeit.

Bis zu 40 Kilogramm darf ein solcher Prototyp wiegen. Wenn man sich das aktuelle Fahrzeug ansieht, mit dem Marcel Paul seinen Weltrekord aufstellen möchte, dann fällt auf, dass außer der Grundkarosserie kein Teil des originalen Bobby-Cars mehr vorhanden ist.

Um die angepeilte Geschwindigkeit von 120 bis 130 Stundenkilometern zwischen Herchenhain und Sichenhausen sicher beherrschen zu können, hat Marcel Paul mit Kusch ein Metallchassis mit speziellen Rädern konstruiert. Dabei wird er wahrscheinlich auf Luftreifen auf selbst gedrehten Alufelgen verzichten. Der Gedanke, dass ihm bei vollem Tempo ein Reifen platzen könnte, bereitet dem angehenden Rekordfahrer ernsthafte Sorgen.

Rennen in der Wetterau: Mit 50 Stundenkilometern schlägt Fahrer in die Bande ein

Auf Anhieb sei er Dritter der hessischen Meisterschaft geworden, berichtet Marcel Paul von den Anfängen seiner Bobby-Car-Rennkarriere. Die Verbesserungen an dem Prototyp führten im Folgejahr jedoch nicht zu einem besseren Ergebnis. Stattdessen hatte er seine bisher einzige Unfallverletzung. Mit 50 Stundenkilometern schlug er in die Bande ein und zog sich einen Bänderriss am Fuß zu.

Nur kurz überlegte er, mit dem Bobby-Car-Fahren aufzuhören. „Was einen nicht umbringt, macht einen härter“, scherzt er in Motorradkombi mit dem Helm in der Hand. So gewann er 2007 den Weltmeistertitel in der Jugendklasse. Seitdem folgte jedes Jahr ein weiterer Titel. Als er im Schwarzwald erstmals mit dem Bobby-Car schneller als 100 Stundenkilometer fuhr, war er dem Geschwindigkeitsrausch erlegen. In Gedern fuhr er 2012 mit 115 Sachen den alten Berg hinunter. Die Geschwindigkeit hätte für einen Rekord ausgereicht, jedoch war er durch das Messgerät nicht ausreichend dokumentiert worden.

Genehmigung für Rekordfahrt muss her: Streckensperrung für Rennfahrer aus der Wetterau

Umso akribischer ist diesmal die Vorbereitung des Rekordversuchs. Nachdem Marcel Paul mit der steilen Abfahrt nach Sichenhausen eine ideale Strecke gefunden hatte, galt es, eine Genehmigung für die Rekordfahrt zu bekommen. Er sprach mit dem Ortsbeirat, der Stadt Schotten und schließlich dem Vogelsbergkreis. „Die haben es geschafft, das in einer Woche durchzupeitschen“, lobt Marcel Paul das Rekordtempo der Behörden. Für die Fahrten wird die Strecke jeweils mit einer Ampelanlage kurzzeitig gesperrt. „Eine komplette Sperrung würde mich 4000 Euro kosten“, erklärt Paul. Zudem dankt er der Firma Lupp, die ihn beim Aufbau der Streckensperrung unterstützt.

Dass er, wenn das Wetter es zulässt, am nächsten Samstag (28. Mai) einen Rekord aufstellt, ist für Marcel Paul sicher: „Es wird auf jeden Fall ein Rekord, weil es bisher noch keinen offiziellen Rekord gibt.“ Um welche Uhrzeit er seinen Versuch unternehmen wird, steht noch nicht genau fest. Denn die hängt auch vom Wetter ab. Infos wird es kurzfristig im Netz. Dort wird sich Paul auch melden, falls das Unterfangen abgeblasen werden muss. (Oliver Potengowski und Sophia Lother)

Erst kürzlich hatte ein Junge aus England das Eintracht-Stadion in Frankfurt aus Lego nachgebaut.

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