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Holger Stegmann auf der Bank des BUND unter einem Apfelbaum zwischen Klein-Karben und Rendel mit Aussicht auf das Storchennest in den Niddawiesen und auf den Frankfurter “Bleistift„, den Messeturm.

Gedanken unterm Apfelbaum

  • Antje Grunenberg-Heuer
    VonAntje Grunenberg-Heuer
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“Jetzt haben Sie es verpasst. Gerade ist ein Reh dort entlanggesprungen„, ruft Holger Stegmann der Reporterin zu, mit der er sich an seinem Lieblingsplatz zwischen Klein-Karben und Rendel trifft. Aber macht nichts, es gibt ja noch mehr zu sehen rund um die Bank unterm Apfelbaum, auf der wir Platz nehmen. Und es gibt Geschichten - auch die von Tausenden von Kamelen.

K urz nachdem sie aufgestellt worden war, war die rotbraune Sitzbank auch schon gestohlen, erinnert sich Holger Stegmann. Der örtliche Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), dem er angehört, hatte einst vorgeschlagen, am Streuobstgrundstück, zwischen Klein-Karben und Rendel, das der BUND seit Jahren von der Stadt gepachtet hat, eine Bank aufzustellen, weil die Aussicht von dort so schön sei: Im Süden die Niddawiesen mit dem hohen Storchennest und dem vom NABU für die Adebare angelegten Froschteich und am Horizont der Frankfurter “Bleistift„, der Messeturm, sowie der Fernsehturm. Im Westen sieht man den Taunus mit Feldberg und Altkönig.

Die Stadt hatte die vom BUND gestiftete Bank aufgestellt. “Wir sind nach dem- Bankdiebstahl zur Stadtpolizei gegangen und wollten Anzeige erstatten, aber dort hieß es, wir sollten mal warten, man habe da so eine Vermutung...„ Und siehe da, in wenigen Tagen stand die Bank wieder an ihrem Platz, allerdings ohne das Schild, das darauf hinwies, wer die Bank gestiftet hatte. Und so ist es bis heute geblieben.

Der BUND kümmert sich derzeit um vier Obstbaumgrundstücke, darunter das unterhalb der L 3205 mit der schönen Aussicht. “Dort stehen alte Apfelsorten, ein Speierling, ein Birnbaum, ein Kirschbaum und ein Walnussbaum. Er wurde gepflanzt anlässlich der Geburt eines Rendeler Kindes. Dessen Eltern kamen auf uns zu und fragten, ob wir nicht Platz für einen Baum hätten„, erzählt Stegmann. Er bedauert, dass es diesen Brauch heute in Karben nicht mehr gibt. “Schade auch, dass der Hochzeitshain nicht mehr erweitert wird„, fügt er hinzu. Aber da gebe es wohl das Problem mit der Pflege der Obstbäume.

So kam es zum “Afrika-Museum„

Die Obstbäume, unter denen wir sitzen, sind vom BUND gepflegt, sie werden regelmäßig beschnitten. Für die Mahd der Wiese ist die Stadt zuständig. Bisher - wie es weitergeht wisse man noch nicht, denn die Stadt habe den Pachtvertrag gekündigt.

Das geerntete Obst wird von den BUNDlern verarbeitet zu Apfelwein, unter anderem fürs Kelterfest am Jukuz, oder es wird nach Rendel zu Geckeler oder Lazar gebracht, die Brände und anderes daraus herstellen. “Letztes Jahr haben wir 500 Liter Apfelwein gekeltert„, berichtet Stegmann.

“Ich gehe hier gerne spazieren und sehe nach dem Rechten„, erzählt er weiter. Auf der Bank lasse er sich zum Ausruhen nieder, gucke in die Landschaft, lausche dem Vogelgezwitscher und denke nach. “Die hässlichen Strommasten, blende ich aus„, schmunzelt der 74-Jährige. Er war in seinem Berufsleben auf dem Frankfurter Flughafen als Vermesser tätig. Als ihm das “zu langweilig„ wurde, habe er Touristen durch die Sahara geführt oder auch Studenten, die in Nordafrika den Lehmbau studierten. “Ich war in Algerien, Nigeria und Mali unterwegs, was heute undenkbar wäre.„ Mit dem Auto sind er und seine Frau Ulrike Loos von Genua nach Tunis oder von Marseille nach Algier übergesetzt. Beide haben im Laufe der Jahre eine Leidenschaft für Afrika entwickelt. Und beide sammeln etwas, das sie an Afrika erinnert: Er hat eine Kamelsammlung von mehreren Tausend Exemplaren. “Ein Kamel habe ich mal auf einem Flohmarkt in Karben gekauft von einem ehemaligen Tiller-Girl. Das war eine Tanzgruppe aus Rendel„, sagt Stegmann. Seine Frau sammle afrikanische Kämme, habe schon über 300. “Unser Haus ist eine Art Afrika-Museum„, scherzt der 74-Jährige. Nach seiner Zeit als Reisebegleiter war er einer der Betreiber des Literaturcafés in Friedberg, das heutige “Pastis„. Und danach war er im Naturgroßhandel tätig.

Sprach’s und meinte, er müsse los, denn der “Magic Monday„ warte. Das ist die legendäre Montagsvorstellung der Frankfurter “„Schmiere„ - wegen Corona derzeit online.

Das BUND-Streuobstgrundstück, im Vordergrund der Walnussbaum, der anlässlich eines Neugeborenen gepflanzt wurde.

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