dab_lgs_200521_4c
+
Das Konzept der Landesgartenschau in Oberhessen sieht vor, die durch Täler, Flüsse und Bäche geprägte Landschaft zu zeigen. Ein gutes Beispiel hierfür ist das über LEADER geförderte NABU-Zentrum »Salzwiesen« in Selters.

Gartenschau 2027 in Oberhessen

  • VonRedaktion
    schließen

Durch eine neue Richtlinie können in Hessen erstmals auch interkommunale Landesgartenschauen stattfinden. Der Verein Oberhessen hat diese Möglichkeit direkt genutzt: Nach 2010 in Bad Nauheim wird es 2027 wieder eine Gartenschau in der Wetterau geben. Dass diesmal mehrere Kommunen beteiligt sind, ist nicht das einzige Novum.

Die Landesgartenschau in Hessen ist erstmals an mehrere Kommunen vergeben worden: 2027 wird die Großveranstaltung in Oberhessen stattfinden. Das hat die Landesregierung beschlossen.

Für die Ausrichtung haben sich mehrere Kommunen im östlichen Wetteraukreis unter dem Dach des Vereins Oberhessen zusammengetan: Büdingen, Echzell, Gedern, Glauburg, Hirzenhain, Kefenrod, Limeshain, Nidda, Ortenberg und Ranstadt, hinzu kommt Schotten im Vogelsbergkreis. Gemeinsam wollen sie Aktivitäten und Projekte zum Klimaschutz, zur Verkehrswende und für mehr Artenvielfalt und Naturschutz umsetzen.

Kulturlandschaft statt Blühflächen

»Der Verein Oberhessen hat die Landesregierung mit seiner Bewerbung überzeugt, und daher fördern wir die Landesgartenschau des interkommunalen Zusammenschlusses mit bis zu 3,5 Millionen Euro«, sagten Ministerpräsident Volker Bouffier und Umweltministerin Priska Hinz nach der Entscheidung des Kabinetts.

Als Grundlage hatten die Bewerber eine Machbarkeitsstudie vorgelegt. Damit hatten sich die heimischen Kommunen gegen Frankenberg, Schwalmstadt und Dillenburg durchgesetzt. Das Besondere am Siegerkonzept: Statt Blühflächen mit parkähnlichem Charakter neu zu schaffen, soll das gezeigt werden, was bereits da ist - nämlich die vielfältige Kulturlandschaft Oberhessens, die durch Täler, Flüsse und Bäche geprägt ist.

»Diese Landesgartenschau ist in ihrer Form einmalig und besonders. Sie wird den Besuchern die Möglichkeit geben, die vielfältigen Schätze der heimischen Natur zu entdecken«, sagte Bouffier. Zugleich werde die Region eine Aufwertung erfahren und nachhaltig davon profitieren. »Denn die Landesgartenschau ist mehr als eine zeitlich begrenzte Veranstaltung.« Die Auswirkungen der Investitionen seien auch lange danach spürbar.

Das betonte auch Klaus Karger von der Wirtschaftsförderung Wetterau GmbH. Zusammen mit dem Verein Oberhessen hat die Wirtschaftsförderung den strategischen Ansatz der Ausstellung erarbeitet - als zentralen Baustein der ländlichen Raumentwicklung. Er sagte: »Eine Gartenschau, die auf langfristige Entwicklungen, nachhaltige Strategien und gestalterische Qualitäten setzt, ist nicht nur ökologisch wertvoll, sondern auch ökonomisch äußerst sinnvoll.«

»Das regionale Format der Gartenschau ist eine große Chance, Vorhaben in unseren Städten und Dörfern, unter Einbindung der Bürgerinnen und Bürger, zu realisieren«, sagte Kargers Kollege Bernd-Uwe Domes. Dafür sei der Verein Oberhessen mit seinen langjährig gewachsenen Strukturen ein ideales Gebilde.

Dessen Vorsitzende Henrike Strauch betonte: »Gemeinsam konnten wir in den vergangenen Monaten der Bewerbungsphase tolle Ideen für eine nachhaltige Weiterentwicklung unserer Region erarbeiten.« Dank der Fördermittel könnten in den elf Kommunen nun Orte für Erholung und Naturerlebnis geschaffen bzw. aufgewertet werden.

Die Fördersumme des Landes bilde nur den Grundstock, ergänzte ihr Vorstandskollege Herbert Weber. Weitere Mittel könnten etwa für die Bereiche Mobilität oder Infrastruktur generiert werden. Bei einer optimalen Ausnutzung der verschiedenen Fördertöpfe, die sich den Kommunen nun eröffneten, seien Summen im zweistelligen Millionenbereich zu erzielen. Damit könnten sich ohnehin langfristig geplante Projekte realisieren lassen. Das mache die Landesgartenschau zu einer historisch einmaligen Chance.

Die Reaktionen auf die Nachricht, die Landesgartenschau 2027 nach Oberhessen zu bringen, sind durchweg positiv.

Die Region sei wie geschaffen dafür, sagte etwa Landrat Jan Weckler (CDU): landschaftlich außerordentlich attraktiv und mit einer touristisch guten Ausgangsbasis. Auch die CDU-Kreistagsfraktion betonte: »Unsere Heimat bietet so viele Möglichkeiten und eine Lebensqualität, um die uns einige Regionen beneiden.«

Ministerin Lucia Puttrich (CDU) hob die Arbeit des Vereins Oberhessen hervor: Er engagiere sich schon viele Jahre stark und setze sich für interkommunale Zusammenarbeit ein. »Die Gartenschau wird nicht nur zahlreiche Gäste in unsere schöne Region locken, sondern auch weitere Entwicklungen anstoßen. Sie wird unsere Heimat stärken und für mehr Lebensqualität sorgen.«

Die Schau biete die Möglichkeit, Oberhessen als eine liebens- und lebenswerte Region zu zeigen, »die es nicht verdient hat, mit Logistikzentren zubetoniert zu werden«, meinte die Landtagsabgeordnete Kathrin Anders (Grüne). »Das Besondere an dem Konzept ist, dass es nicht nur eine ›Blümchenschau‹ einer Kommune wird. Hier demonstriert eine ganze Region Geschlossenheit und den Willen, klimatische, wirtschaftliche und demografische Herausforderungen gemeinsam anzugehen.«

»Das Engagement der vielen Unterstützer hat sich gelohnt«, findet auch FDP-Landtagsabgeordneter Jörg-Uwe Hahn. »Die Region erhält die Chance auf einen immensen Entwicklungsschub.« Neben der touristischen Weiterentwicklung könnten die Förderung der Wirtschaft und det Ausbau der Infrastruktur vorangetrieben werden. Er mahnte, die Ausgabenseite nicht zu missachten, »damit die Kosten das geplante Budget nicht überschreiten«.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare