agl_Gans_030921_4c
+
Noch hält sich Gerda im Kurpark auf, doch sie soll ein neues Zuhause bekommen, da sich das Zusammenleben mit den anderen Gänsen am Erna-Ente-Treff schwierig gestaltet.

Gans Gerda wird gemobbt

  • VonLaura Eßer
    schließen

Gans Gerda sucht ein neues Zuhause. Sie ist blind, hilflos und wird gemobbt - von anderen Gänsen im Bad Nauheimer Erna-Ente-Treff. Warum hat sie es so schwer? Warum hält sie sich besonders gerne in der Nähe von Menschen auf? Und wie sollte ihr künftiges Zuhause aussehen?

Ein eigener Garten, Swimmingpool mit behindertengerechtem Einstieg und ein netter, älterer Herr als Gesellschaft - so sieht Gerdas neues Traum-Zuhause aus. Seit vielen Jahren schon lebt die pummelige Gänsedame im Bad Nauheimer Kurpark und erfreut die Besucher des Erna-Ente-Treffs mit ihrer liebenswürdigen Art. Nun soll Gerda in Rente gehen und sucht einen passenden Altersruhesitz.

Den zu finden ist für das Erna-Ente-Team gar nicht so einfach, denn Gerda ist schon 18 Jahre alt und dieses Jahr innerhalb kurzer Zeit erblindet. Das neue Handicap bereitet der gefleckten Pommerngans reichlich Probleme. Zu viel Trubel herrscht im Kurpark, und ohne ihr Augenlicht verliert Gerda immer öfter die Orientierung.

Mitten auf der Brücke in Gefahr

Es sind dabei nicht einmal die Menschen, die sie stören, ganz im Gegenteil: Gerda liebt die Gesellschaft der federlosen Zweibeiner und fühlt sich in ihrer Gegenwart eigentlich ganz wohl. Rufen die ihr wohlvertrauten Erna-Ente-Helfer zur Fütterung, antwortet sie freudig und folgt ihnen zum Futterplatz. Sie gackert dabei glücklich und frisst immer noch brav aus der Hand, am liebsten Salat und Äpfel. Zweimal täglich schauen die Helfer nach ihr und versorgen sie. Ansonsten sitzt sie gerne an oder auf den Wegen, wo sie Stimmen hört und sich sicher fühlt. Auch mitten auf der Brücke zwischen kleinem und großem Teich ist sie öfter anzutreffen. Das Erna-Ente-Team sieht das nicht gern und sorgt sich, gibt es doch immer wieder Leute, die sich nicht an die Kurparkregeln halten und ihre Hunde frei laufen lassen oder mit dem Fahrrad durch den Park rasen. Gerda sieht solche Gefahren nicht mehr kommen und hat mit dickem Bauch und kurzen Beinen keine Möglichkeit, rechtzeitig auszuweichen.

Ein großes Problem ist zudem, dass Gerda ganz alleine ist. Ihre Familie hat sie verlassen, und die anderen Gänse ärgern sie, wann immer sich die Gelegenheit ergibt. Weder ihr treuloser Partner, noch ihre Schwägerin interessieren sich wirklich für sie. So grausam das klingt, so logisch ist es aus Sicht der Natur: Alt und blind ist Gerda ein Risikofaktor, der Raubtiere anlocken könnte, deshalb schließt die Gänsegruppe sie aus. Dass Gänse eigentlich monogam bis ans Lebensende sind, nimmt Ex-Gatte Belu in diesem Fall wohl nicht so genau, immerhin hat er ja noch seine Schwester Ella. Viele andere Gänse aus der Erna-Ente-Gruppe sind junge, starke Ganter, die sich beweisen wollen und in Gerda ein passendes Opfer dafür finden. Immerhin war sie lange die Partnerin des unangefochtenen Herrschers in der Gänse-Hierarchie und bekleidete damit den höchsten Rang, den eine Gänsedame haben kann. Diese Zeiten sind allerdings längst vorbei, und auch wenn Gerda den Kopf nicht hängen lässt, soll für sie nun alles besser werden.

Ein ruhiger alter Gänseherr wäre gut

Eine gut eingezäunte Wiese, damit sie sich in der ungewohnten Umgebung nicht verlaufen kann, mit Badegelegenheit und idealerweise einem warmen, sicheren Stall auf ihre alten Tage braucht Gerda zum Glücklichsein. Besonders wichtig ist der passende Partner, denn Gänse sind nicht gerne alleine. In einer Gruppe kann Gerda sich nicht mehr behaupten, deshalb wäre ein alleinstehender, ruhiger, älterer Gänseherr, gerne ebenfalls mit Handicap, genau das Richtige für sie.

Auch wenn Gerda in ihrer pompösen Erscheinung zunächst nicht den Eindruck erweckt, so ist sie doch ein Sensibelchen und sehr unsicher. Deshalb ist es so wichtig, dass ihr neues Zuhause hundertprozentig zu ihr passt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare