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ZUM NACHDENKEN

Fußballgott

  • VonRedaktion
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Seit zwei Wochen kommt man kaum daran vorbei. In Europa rollt der Ball, und ganz Europa hängt so vereint wie sonst nie vorm Fernseher. Auch diesmal wird der Fußballgott von allen Seiten beschworen: Doch wer ist eigentlich dieser Fußballgott?

Als sich etwa im Jahr 2001 der FC Schalke schon als Deutscher Meister wähnte, da schoss Bayern in der Nachspielzeit den Ausgleich gegen den Hamburger SV. Bei den Schalkern flossen Tränen der Verzweiflung. Und Fragen wurden an den Fußballgott gestellt: Wieso hat er uns Schalker nicht gewinnen lassen? Rudi Assauer, damals Manager bei Schalke, sagte nach dieser bitteren Niederlage: »Ab heute glaube ich nicht mehr an den Fußball-Gott.«

Das heißt: Wenn dieser Fußballgott, der einzig und allein dafür da ist, dass meine Mannschaft gewinnt, dies nicht mehr hinkriegt - dann kann es diesen Fußballgott gar nicht geben.

Da ist der Gott in der Bibel ein anderes Kaliber: Auch wir hadern mit Gott, wenn Unglück und Leid über uns hereinbricht, und fragen uns: Warum hast du das zugelassen? Ich kann ihm das auch vorwerfen und ihn anklagen. Das geschieht z. B. in den Psalmen ganz häufig. Gott ist auch der Adressat, meine Trauer, meine Enttäuschungen loszuwerden. Aber er ist nicht so einfach mit meinen Enttäuschungen wegzuschieben. Wir können ihn nicht einfach austauschen wie ein Vereinstrikot. Müssen wir auch nicht: Wir vertrauen darauf, dass er nicht nur im Sieg mit uns ist, sondern auch in den Niederlagen des Lebens; wenn es uns schlecht geht. Wie oft hätte das Volk Israel sonst schon seinen Gott austauschen müssen?

»Ich will euch trösten wie einen seine Mutter tröstet«, heißt es beim Propheten Jesaja. Gott verlässt uns nicht bei der Niederlage, sondern er geht mit und führt uns hindurch.

Christian Krüger, Pfarrteam Karben

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