Diese elf Pioniere haben 1920 das erste Spiel des SV Ockstadt bestritten. Viktoria Ober-Rosbach hieß damals der Gegner. Wie das Spiel ausgegangen ist, ist nicht bekannt.	FOTOS: PV
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Diese elf Pioniere haben 1920 das erste Spiel des SV Ockstadt bestritten. Viktoria Ober-Rosbach hieß damals der Gegner. Wie das Spiel ausgegangen ist, ist nicht bekannt. FOTOS: PV

Von Fußball-Pionieren zu Hip-Hop-Tänzern

  • vonSebastian Schmidt
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100 Jahre Fußball, 100 Jahre Siege und Niederlagen. 100 Jahre Schweiß und Tränen, 100 Jahre Begeisterung und Gemeinschaft - 100 Jahre SV Germania 1920 Ockstadt. Das wird dieses Jahr groß gefeiert, und der Verein blickt auf seine spannende Geschichte zurück.

F ür die Ockstädter gibt es 2020 etwas Besonderes zu feiern. 100 Jahre wird ihr Sportverein alt, der SV Germania 1920. Dabei hat der Verein eine turbulente Geschichte hinter sich. Mehrmals musste der Spielbetrieb komplett eingestellt werden, und der Verein stand vor dem Aus. Das Jubiläum feiern die Ockstädter mit mehreren Festveranstaltungen. Los geht es am Samstag, 28. März. Ein Konzert am 2. Mai beendet die Festreihe.

Mittlerweile hat der Verein über 1100 Mitglieder. Er bietet den Ockstädtern ein breites Sportangebot. Moderne Trends wie Hip-Hop werden genauso angeboten wie Triathlon oder Turnen.

Seine Wurzeln hat der Verein aber im Fußball. Darauf geht der Verein in einer Festschrift ein, die er zum Jubiläum veröffentlicht hat.

Das Spiel mit dem runden Leder stieß nach dem Ersten Weltkrieg auf immer mehr Begeisterung in der Bevölkerung. Auch einige Ockstädter hatten sich einen Ball beschafft und begannen, in ihrer Freizeit zu kicken. Diese Fußballpioniere gründeten 1920 den SV Germania.

Wer der erste Gegner gewesen ist, weiß man heute noch: Viktoria Ober-Rosbach. Wer gewonnen hat, ist nicht bekannt. »Da wüsste ich auch keinen, den man da noch fragen könnte«, sagt Vorsitzender Mirko Ewald. An das erste Spielfeld kann man sich aber noch erinnern. Das war eine Wiese im Westen Ockstadts, der heute als Grillplatz genutzte alte Sportplatz.

Spielbetrieb wurde eingestellt

Der Spielbetrieb des Vereins wurde in den folgenden Jahrzehnten mehrmals eingestellt. Mal gab es Probleme mit dem abgelegenen Sportplatz, mal mit den Finanzen. Schließlich ruhte die Vereinstätigkeit während des Zweiten Weltkriegs komplett.

Heute spielen 150 Jugendliche beim SV Germania Fußball. »Wir sind die Einzigen in Friedberg, die noch durchgehende D- bis B-Jugend-Mannschaften aufstellen«, sagt Ewald. Der Verein hat sich seit der Neugründung nach dem Zweiten Weltkrieg stetig vergrößert. Nach dem Aufstieg in die A-Liga 1960 wurde ein neues Sportgelände mit Rasenplatz, Hartplatz und Laufbahn angelegt. Hilfe gab es dabei von den Amerikanern: Die 114. 1920 Ordnance Company half bei den Erdräumarbeiten. 1968 wurde das Gelände um ein Sportheim ergänzt.

1988 gab es die erste Erweiterung des Sportprogramms. Dem ging eine Spaßveranstaltung voraus: Kinder aus der Jugendabteilung und deren Mütter spielten ein Fußballspiel gegeneinander. Zum Üben hatten sich die Mütter mehrmals getroffen. Das machte ihnen soviel Spaß, dass sie beschlossen, weiterhin Sport zusammen zu machen - die Turnstunde der Mütter war geboren.

Sie trainierten zuerst im Freien, bis sie die Sporthalle der Augustiner-Schule in Friedberg mitbenutzen durften. 2009 zogen sie schließlich in die neu gebaute Steinkopf-Turnhalle nach Ockstadt. Mittlerweile können Interessierte dort Pilates, Faszien-Training, Qigong und Fitness-Boxen ausprobieren.

Fußballnachwuchs durch Baby-Turnen

Der Verein hat seine Wurzeln zwar im Fußball, aber die Turn- und Gymnastikabteilung stellt heute den Großteil der Mitglieder. Ewald erklärt: »Wir ziehen uns dort auch unseren Fußballnachwuchs heran. So bieten wir bereits für die Jüngsten Baby-Turnen an.«

Das Angebot des Vereins wird auch heute noch stetig erweitert. »Wir hinterfragen unser Programm regelmäßig und versuchen, neue Sportarten anzubieten«, erklärt Ewald. In den letzten Jahren kamen zum Beispiel Hip-Hop und Geräteturnen hinzu. »Das geschieht in einer Grundschul-Kooperation«, sagt der Vorsitzende. Auch ganz neue Abteilungen wie zuletzt Triathlon bieten Sportbegeisterten Abwechslung.

Dem Verein ist es wichtig, nicht nur ein Sportangebot für die Bürger bereitzustellen. Man versucht auch ansonsten den Ockstädter Jugendlichen ein kulturelles und freizeitorientiertes Angebot zu machen. Feste, Reisen und Ausflüge gehören zum Vereinsleben. So bietet man zum Beispiel Reisen in die Partnerstadt Entroncamento in Portugal an.

Ewald: »Das Angebot für die Kinder und Jugendlichen ist wichtig. Die Zukunft kommt nur mit den Kindern.«

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