+

ZUM NACHDENKEN

Aus den Fugen

  • schließen

"Die Menschheit hat den Verstand verloren" - Worte, die aus dem Kriegstagebuch von Astrid Lindgren stammen. Sie bewegen mich in den letzten Tagen. Lindgren blickt voller Sorge auf die Welt. Eine Welt, die sich im Zweiten Weltkrieg befindet. Lindgrens Tagebucheinträge haben nichts von der Idylle der Bullerbü-Kinder. Lindgren ist erschüttert: "Wie konnte es so weit kommen? Wie konnte die Welt so den Verstand verlieren?"

Werfe ich in diesen Tagen einen Blick in die Zeitung, muss ich an die Zeilen denken. Sie bewegen mich, wenn ich lese, was in Thüringen passiert. Oder als ich vor einiger Zeit die Bilder des Anschlags an Jom Kippur in Halle gesehen habe. Wenn Menschen Morddrohungen erhalten, weil sie sich für andere einsetzten. Das, was gerade passiert, geht uns alle an.

Die Zeilen des Predigttextes aus dem Buch Ezechiel sprechen mich an. Da heißt es: "Und die Kinder, zu denen ich dich sende, haben harte Köpfe und verstockte Herzen. Zu denen sollst du sagen: "So spricht Gott der Herr!" Sie gehorchen oder lassen es - denn sie sind ein Haus des Widerspruchs -, dennoch sollen sie wissen, dass ein Prophet unter ihnen gewesen ist."

Der Prophet Ezechiel wird von Gott beauftragt. Gott schickt ihn in die Welt, hinein in all die unbequemen Gespräche. Hope Speech statt Hate Speech, das soll sein Auftrag sein. Und vielleicht fällt Ezechiels Rolle heute uns als Christen zu. Deutlich zu machen, für welche Welt wir einstehen. Ezechiels Auftrag kann auch unserer werden - damit die Welt nicht noch einmal den Verstand verliert!

Pfarrerin Julia Marburger, Kirchengemeinde Södel und Melbach

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare