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»Für Angehörige wird nichts besser«

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Von: Oliver Potengowski

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Bei dem Unfall bei Gedern sterben im Mai 2021 zwei Menschen. Wer trägt die Schuld? ARCHIVFOTO: SAX © Oliver Potengowski

Ein tragischer Unfall auf der B275 im Mai 2021 hatte zwei Menschen das Leben gekostet. Einer 22-Jährigen ist vorgeworfen worden, die Kollision verursacht zu haben. Nun fiel das Urteil des Amtsgerichts Büdingen gegen sie vergleichsweise mild aus.

Am 26. Mai vergangenen Jahres war es zwischen Gedern und dem Hirzenhainer Ortsteil Merkenfritz zu einem Frontalzusammenstoß zweier Autos gekommen. Für einen 21-jährigen Mann und seine 58-jährige Mutter, die in einem Fiat 500 unterwegs waren, kam jede Hilfe zu spät. Eine junge Frau, die den entgegenkommenden Audi gesteuert hatte, musste sich jetzt vor dem Amtsgericht Büdingen verantworten.

In der Verhandlung sagte sie, keinerlei Erinnerungen daran zu haben, wie es zu dem Frontalzusammenstoß kommen konnte. Mit stockender Stimme begann sie dagegen, eine umfangreiche Liste ihrer eigenen schweren Verletzungen zu verlesen.

Dass sich der Unfall sehr gut rekonstruieren ließ, war einem Sachverständigen und zwei Zeuginnen zu verdanken. Die beiden Lernbegleiterinnen, die wegen einer Umschulung regelmäßig auf der Strecke unterwegs waren, wurden von der Angeklagten an jenem Abend des 26. Mai unmittelbar vor dem tödlichen Unfall mit hoher Geschwindigkeit überholt. Weil bei Gedern kurz zuvor ein Gewitterregen niedergegangen war, war die 42-jährige Zeugin nach ihren Angaben mit einer Geschwindigkeit von 70 bis 85 Stundenkilometern vorsichtiger unterwegs. »Ich habe noch im Rückspiegel das Auto kurz gesehen, schon war das Auto neben uns«, erinnerte sie sich in der Verhandlung an den Überholvorgang der 22-jährigen Angeklagten mit ihrem Audi V6. Weder eine Linkskurve noch eine durchgezogene Linie hätten die Fahrerin vom Überholen abgehalten. »Meine Güte, ist das Auto aber schnell«, habe sie sich damals gewundert.

Erlaubt war Tempo 100. Dass die 22-Jährige schneller fuhr, erschien nach der Zeugenaussage plausibel. Der Sachverständige erklärte, dass sie nach dem Überholen vermutlich wegen zu hoher Geschwindigkeit sowie alter und abgefahrener Reifen die Kontrolle über ihren 150 PS starken Audi verloren habe. Das Auto sei ausgebrochen und auf der Gegenfahrbahn mit dem Fiat frontal zusammengestoßen. Bei der Kollision sei der Audi der Frau noch zwischen 90 und 110 Stundenkilometer schnell gewesen.

»Hätte man die Geschwindigkeit an die Verhältnisse angepasst, dann wäre dieser Unfall vermeidbar gewesen«, war sich die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer sicher. Sie sprach von einem »sehr waghalsigen Fahrstil«.

Es geht nicht um eine Aufrechnung

Bei dem Urteil gehe es nicht darum, Leid gegeneinander aufzurechnen. Doch auch die Angeklagte habe sehr erhebliche Unfallfolgen erlitten. Sie beantragte, ein Fahrverbot von fünf Monaten zu verhängen, das allerdings bereits verbüßt sei, weil der Führerschein der Audi-Fahrerin nach dem Unfall beschlagnahmt worden war. Die fahrlässige Tötung von zwei Menschen solle mit 150 Tagessätzen von jeweils 15 Euro geahndet werden.

Der Anwalt des Nebenklägers, des Sohnes der bei dem Unfall getöteten 58-Jährigen, wünschte sich eine deutlichere Sanktionierung des »grob rücksichtslosen Fahrverhaltens«. Er räumte ein, dass es bei dem Urteil nicht um eine Aufrechnung gehen dürfe. Doch der Gesundheitszustand der Angeklagten verbessere sich weiter. Für die Angehörigen der Getöteten werde sich dagegen »gar nichts mehr verbessern«. Zwar forderte er keine Erhöhung der Strafe. Doch er regte an, statt eines Fahrverbots der Angeklagten den Führerschein zu entziehen. Durch entsprechende Auflagen für eine Neuerteilung könne ihr »deutlich gemacht werden, was ein angemessenes Fahrverhalten ist«.

Der Verteidiger der Angeklagten befand, seine Mandantin »hatte keinerlei Anhaltspunkte, dass beim Durchfahren dieser Kurve bei feuchter Fahrbahn und der Profilierung der Reifen mit Schleudern zu rechnen war«. Schließlich sei sie auch von der Werkstatt nicht auf den Zustand der Reifen hingewiesen worden. »Ich bin der Meinung, dass hier ein tragischer Unfall passiert wurde (sic!), der für die Mandantin nicht vorhersehbar war.«

Der Verteidiger wies darauf hin, wenn von einer Schuld auszugehen sei, liege diese »im alleruntersten Bereich«. Auch müsse die Höhe der Tagessätze für seine Mandantin, die nach einer abgebrochenen Lehre von Arbeitslosengeld lebt, auf zehn Euro reduziert werden.

Diesem Antrag schloss sich Richterin Barbara Lachmann in ihrem Urteil an. Obwohl die Angeklagte sehr schnell und mit nicht angepasster Geschwindigkeit gefahren sei, müsse man von einer Strafe am unteren Rand des vorgegebenen Rahmens ausgehen.

Aus 90 Tagessätzen errechnete sich eine Geldstrafe von 900 Euro. Das Fahrverbot verkürzte Lachmann schließlich auf ebenfalls bereits verbüßte drei Monate.

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