Lernen leicht gemacht: Friedberg landet bei einem Ranking der deutschen Bildungshochburgen auf dem 2. Platz. Die Kreisstadt hat nicht nur für Grundschüler etwas zu bieten.	FOTO: DPA
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Lernen leicht gemacht: Friedberg landet bei einem Ranking der deutschen Bildungshochburgen auf dem 2. Platz. Die Kreisstadt hat nicht nur für Grundschüler etwas zu bieten. FOTO: DPA

Bildungshochburg

Friedberg als »Stadt der Bildung«: Erfreut, aber nicht begeistert

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
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Friedberg zählt deutschlandweit zu den Bildungshochburgen. In einer Studie landet die Kreisstadt unter 585 Mittelstädten zwischen 20 000 und 75 000 Einwohner auf Platz 2. Doch es gibt ein Aber.

Bayreuth, Passau, Hameln, Bingen oder Pirmasens - im Ranking der deutschen Bildungshochburgen liegen diese Städte alle hinter Friedberg. Die Wetterauer Kreisstadt hat es auf den 2. Platz geschafft; nur Landau in der Pfalz hat besser abgeschnitten.

Die Zeitschrift »Kommunal« und die Standortberatungsfirma Contor GmbH wollten wissen, »in welchen Mittelstädten der Erziehung, dem Unterricht und der Ausbildung von Menschen ein besonders breiter Raum gegeben wird«.

Anhand von Daten des Statistischen Bundesamtes wurde untersucht, wie hoch der Bevölkerungsanteil der Menschen bis 25 Jahre ist, wie weit die nächste Hochschule entfernt ist, wie hoch der Anteil an Schulabbrechern und Abiturienten ist und wie viele Beschäftigte es in den Bereichen Erziehung und Unterricht gibt. Das waren die Indikatoren der Untersuchung. Friedberg erreicht hier sehr gute Werte. Die erstplatzierte Stadt Landau hat einen Abiturientenanteil von 49 Prozent, in Friedberg sind es 40 Prozent. 26,26 Prozent der Friedberger sind unter 25 Jahren. In Bad Homburg (Rang 9) sind es 24,24 Prozent.

»Das Ergebnis bestätigt unsere Sichtweise«, sagt Prof. Peter Schubert vom Bildungsforum Friedberg. Die Arbeitsgruppe des Stadtmarketingvereins hat vor drei Jahren einen Flyer herausgegeben, auf dem über 70 Einrichtungen, Institutionen und Vereine mit Bildungsangeboten aufgelistet sind. Schubert: »Friedberg hat in Sa chen Bildung ein riesiges Angebot.« Dass die Wetterauer Kreisstadt »so erstaunlich weit vorne« gelandet sei, habe er aber nicht erwartet. Etwas anderes hätte der emeritierte Kunstprofessor durchaus erwartet: Nämlich dass Friedberg mit dem Titel »Stadt der Bildung« die Werbetrommel rührt und auf sein Potenzial aufmerksam macht.

Beschluss wurde nie umgesetzt

Im Juli 2010 beschlossen die Stadtverordneten, »dass der Begriff »Kreisstadt Friedberg« bei allen sichtbaren Auftritten - zum Beispiel in Briefköpfen - durch die Unterzeile »Stadt der Bildung« ergänzt werden soll. Der Magistrat sollte beim Land beantragen, den Schriftzug auf den Ortsschildern anbringen zu dürfen.

Schubert: »Die Bezeichnung taucht aber nirgendwo offiziell auf.« Nicht einmal im Briefkopf, wofür keine Genehmigung des Landes nötig ist. »Friedberg muss sich in einem besseren Licht zeigen«, sagt Schubert. Die aktuelle Untersuchung sei ein guter Anlass, dies neu zu überdenken.

Im Rathaus reagiert man eher verhalten auf die Studie. »Natürlich hat jede Analyse auch ihre Schwachstellen und bietet eine Grundlage zur Diskussion der Platzierten«, heißt es in einer Pressemitteilung. Bürgermeister Dirk Antkowiak freue sich »allgemein über das Ergebnis und sieht als Grundlage dafür vor allem die gute Infrastruktur« an Kitas, Schulen, anderen Bildungseinrichtungen und der THM. Die Analyse sei eine »Bestätigung des bisher Erreichten« und ein »Ansporn für die Zukunft«.

Begeisterung klingt anders, und tatsächlich hat die Stadtverwaltung die Pressemitteilung erst auf WZ-Anfrage herausgegeben. Kulturamtsleiterin Christine Böhmerl sagte, man habe sich durchaus über das Ergebnis gefreut. Aber die Indikatoren kamen ihr »etwas dünn« vor. Sie suchte den Kontakt zu anderen Städten, und siehe da: Die erstplatzierte Stadt Landau nutzt das Ergebnis als Werbung in eigener Sache, die dritt- und viertplatzierten Städte nicht. »Nur ein Indikator mehr, und die Verteilung sieht schon ganz anders aus«, sagte Böhmerl.

Warum die Initiative »Stadt der Bildung« in Friedberg nie wirklich umgesetzt wurde, konnte die Kulturamtsleiterin nicht sagen. »Das war vor meiner Zeit. Wir prüfen das.«

Das Ranking der Bildungshochburgen ist abrufbar unter www.contor.org/studien/kommual/bildungshochburgen, der Flyer der Friedberger Bildungsangebote unter www.stadtmarketing-friedberg.de.

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