Zwischen Angst und Trost

  • VonGerhard Kollmer
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Friedberg (gk). Er war ein enger Freund Goethes: Der 1758 in Berlin geborene und ebendort 1832 verstorbene Carl Friedrich Zelter ist vor allem durch diese jahrzehntelange Freundschaft und als Vertoner zahlreicher Gedichte des Meisters in die Musikgeschichte eingegangen. Als einer der bedeutendsten Musikpädagogen seiner Zeit gründete er unter anderem die Berliner Sing-Akademie, die erste Berliner Liedertafel und im Jahr 1820 das Königliche Institut für Kirchenmusik.

Darüber hinaus verfasste er zahlreiche musikpädagogische Denkschriften.

Viele Werke sind verschollen

Die dritte Passionsandacht am Donnerstagabend in der Burgkirche wurde eingerahmt vom Adagio aus Zelters Konzert für Viola und dem Andante aus Karl Stamitz’ Violakonzert D-Dur. Stamitz, 1745 in Mannheim geboren und 1801 in Jena verstorben, begann seine Laufbahn als 2. Violinist in der berühmten Mannheimer Hofkapelle. Außerdem galt er als einer der besten Bratschisten seiner Zeit. Der weit gereiste Instrumentalist und Komponist wirkte an den Höfen Ludwigs XVI. in Versailles und Wilhelms von Oranien in Den Haag. Zahlreiche Werke aus seiner Feder sind verschollen, da fast der gesamte Nachlass Stamitz’ versteigert wurde, um seine Schulden zu begleichen.

Joachim Etzel als einfühlsamer Interpret der beiden Sätze vermittelte einen intensiven Eindruck des feinen, sonoren Klangs der Viola. Für den musikalischen Laien bot die Andacht eine der seltenen Gelegenheiten zum unmittelbaren Erlebnis dieses im Schatten der Violine stehenden Instruments.

Dem »Ektoplasma« betitelten Werk Karsten Krafts an der linken Wand galten die Ausführungen von Silvia Guth. Auf ihm zu sehen ist eine transparente, von innen heraus weißlich leuchtende kopflose menschliche Gestalt. Bezugnehmend auf die parapsychologische Deutung des »Ektoplasma«-Begriffs, interpretierte Guth das den Betrachter stark verstörende Bild Krafts als die Darstellung einer Materialisation beziehungsweise Verkörperung von etwas Immateriellem, Geistigen. »In der Welt habt ihr Angst. Aber seid getrost; ich habe die Welt überwunden.« Auch die sogenannten »Abschiedsreden« Jesu in Joh 13, 31 ff. sind verstörend für seine Jünger. Sie haben Angst, den Meister zu verlieren. Jesus spendet Trost, spricht von seiner Wiederkunft als Welterlöser.

Pfarrerin Claudia Ginkels theologische Betrachtungen kreisten um das Verhältnis von Angst und Trost. Irdische Angst wird nicht das letzte Wort behalten. Jesu Trostrede an die Jünger ist zugleich Treueversprechen, die Zusage, sie nicht im Stich zu lassen.

Der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer - Mitglied des Widerstandskreises um den Hitler-Attentäter Claus Graf Stauffenberg - schreibt wenige Tage vor seiner Ermordung das bekannte Trostlied »Von guten Mächten wunderbar geborgen«. Hier hat jemand ganz offenbar die Angst vor dem Tod, vor der Hinrichtung durch die braunen Henker überwunden. Bonhoeffers Worte zeugen vom Glauben an das Treue- beziehungsweise Heilsversprechen Jesu, wie er es auch den Jüngern gegeben hat.

Die Unbedingtheit dieser Gewissheit der Geborgenheit in Christus hat ihrerseits etwas Verstörendes. Aus welcher Quelle sie sich wohl speist?

Ilse Etzel, Christina Klöppel und Sabine Wagner von der Kantorei trugen unter der Leitung von Ulrich Seeger unter anderem mit dem Vortrag des Liedes »Im Dunkel unserer Ängste« (EG+ 9) ihren Teil zur Abrundung bei.

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Rubriklistenbild: © Gerhard Kollmer

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