dab_baby2_110122
+
Zwei Namen, die im Vorjahr nicht mal in den Top Fünf auftauchten, waren 2021 die beliebtesten in der Wetterau, nämlich Mila und Liam. Übersetzt bedeuten sie »Die Angenehme« und »der Standhafte« - beides nützliche Eigenschaften für den Start ins Leben.

Vornamen 2021

Zwei neue Spitzenreiter bei Wetterauer Vornamen

  • Dagmar Bertram
    VonDagmar Bertram
    schließen

Vier Buchstaben, zwei Namen: Mila und Liam waren 2021 die beliebtesten Vornamen in der Wetterau. Und verweisen damit die Spitzenreiter von 2020 auf hintere Plätze. Dort finden sich auch Romeo und Julia, aber weder Bonnie noch Clyde.

Drei Jahre in Folge war Leon die Nummer eins: Keinen anderen Vornamen haben Eltern in den Jahren 2018 bis 2020 häufiger für ihre neugeborenen Jungs in der Wetterau ausgewählt als diesen. Bei den Mädchen hatten Lea (2020), Ella und Ida (2019) sowie Emily (2018) die Nase vorn.

2021 die Wende: Zwei Namen, die im Vorjahr nicht mal in den Top Fünf auftauchten, waren nun die beliebtesten, nämlich Mila und Liam. Übersetzt bedeuten sie »Die Angenehme« und »der Standhafte«, beides nützliche Eigenschaften für den Start ins Leben.

Wie viele Stunden die Eltern wohl auf Namenssuche waren? Wie viele der ungezählten Bücher und Internetseiten mit Vorschlägen, Erklärungen und Abwägungen sie durchforstet haben? Auf alle 500 Mädchen und 537 Jungen hochgerechnet, die im Vorjahr im Bad Nauheimer Hochwaldkrankenhaus geboren wurden, dürften es Tage, wenn nicht sogar Wochen gewesen sein.

Anders als der Bundesschnitt

Wenn die Wahl getroffen und das Baby auf der Welt ist, beginnt die Arbeit von Ursula Herrmann, Standesbeamtin in Bad Nauheim. Hier wird ein Großteil der Geburten in der Wetterau beurkundet: Das »Hochwald« ist kreisweit die einzige Klinik mit Geburtsstation, und Babys müssen beim Standesamt ihres Geburtsortes angemeldet werden.

Hermanns Statistik zeigt: Zumindest bei den Jungennamen haben die Wetterauer einen anderen Geschmack als der Bundesschnitt. Dort liegt Matteo auf Platz eins, der hier nur zweimal als Erstname vergeben wurde und je einmal als Zweit- und Drittname. Kein Vergleich zu Liam, wie elf Kinder gerufen werden. Plus zweimal Wilhelm - auf diesen althochdeutschen Namen geht Liam nämlich zurück.

Knapp dahinter rangieren Ben, Paul und Theo (je zehn), Leon (neun), Anton (acht) und Emil sowie Louis (je sieben). Luis - ohne o - wurde übrigens nur einmal vergeben, dafür gibt es einen Luís mit Apostroph. Apropos: Der außergewöhnlichste Name in der Statistik dürfte »LoÏc« sein, was von Ludwig abstammt und »Kleiner Kämpfer« bedeutet.

Bella-Sophie und Melody-May

Klangvolle Namen wie Lorelei gibt’s auch bei den Mädchen, dabei fallen vor allem die wenigen Doppelnamen auf wie Bella-Sophie, Melody-May und Hailey-Grace. Vielleicht liegt es daran, dass ohnehin knapp 400 Kinder mehr als einen Vornamen tragen? Dabei führen bei den Mädchen Sophie (14) und Marie (12) die Liste der beliebtesten zweiten Vornamen an, gefolgt von Katharina (6). Bei den Jungen liegen hier Luca (5), Alexander und Peter (4) sowie Carlo, Gabriel und Jonathan (3) vorn. 27 Kinder tragen drei Vornamen: Sie reichen von Anjuli bis Ricarda und von Alexander bis Wout. Vier Namen haben nur zwei Mädchen bekommen: Sie lauten Belinda und Lydia.

In den bundesweiten Top Fünf tauchen sie nicht auf - ebenso wenig wie der Wetterauer Spitzenreiter bei den Mädchen: Mila. Elf Kinder wurden so benannt, gefolgt vom Bundessieger Emilia, der bei uns zehnmal als Erstname angegeben wurde. Ebenfalls weit vorne sind Johanna (8), Lina, Luisa und Nora (je 7) sowie Ida, Mia und Nele (je 6).

Im Vergleich zu früher sei die Liste nun deutlich länger, sagt Herrmann, die seit 2009 Standesbeamtin ist. »Sie zeigt eine reiche Auswahl an Vornamen.« Bloß: Welche sind erlaubt, welche nicht? Bis vor knapp zehn Jahren gab es im Bad Nauheimer Rathaus ein Vornamenbuch. »Darin hat man alles gefunden, was man beurkunden durfte. Damals haben wir uns teilweise noch um Accents gestritten«, erinnert sich Herrmann lachend.

Wille der Eltern an oberster Stelle

Das änderte sich 2015, als viele Geflüchtete kamen. Denn je nach Land variiert die Schreibweise der Namen, hinzu kommen Namen, die hier bislang unbekannt sind. Da der Wille der Eltern heute an oberster Stelle steht, kann Herrmann nur noch Einfluss nehmen, wenn sie das Kindeswohl gefährdet sieht. Hilfreich ist die Recherche im Internet: »Wenn ich dabei sehe, dass ein Name schon einmal vergeben wurde, kann ich schlecht sagen, ich beurkunde ihn nicht«, erläutert sie.

Vor Corona konnten Uneinigkeiten oft im persönlichen Gespräch geklärt werden, erzählt Hermann. Tausende Familien saßen schon in ihrem Büro. Im Gespräch erfuhr sie dann zum Beispiel, dass zunächst befremdlich klingende Namen aus dem Skandinavischen oder Französischen stammen. »Damit erweiterte sich auch mein eigener Horizont«, sagt Herrmann. Pandemiebedingt beschränke sich der Kontakt zu den Eltern zurzeit auf E-Mails und den Postweg - was sie sehr bedauert.

Netflix und Co.

Früher war es üblich, den Namen des Großvaters als Zweitnamen zu wählen. Bei russischen Familien sei dies heute noch mit dem Namen des Vaters üblich, berichtet Standesbeamtin Ursula Herrmann. »Ich finde das schön, die Familie so miteinzubeziehen.« Inzwischen lasse sich an der Statistik ein großer Einfluss von Filmen und Serien ablesen. So tauchen in der Liste zwei Ragnar auf - ein Charakter aus der Netflix-Serie »Vikings«, ebenso ein Remus, dessen Eltern vermutlich Harry-Potter-Fans sind, eine Arya wie in »Game of Thrones« und sechs Kinder, die den Namen Mats tragen. Man wünscht den Jungen, dass ihnen Eigentore wie das von Mats Hummels bei der EM 2021 erspart bleibt.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare