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Am Rande der B 3 in Höhe des Friedberger Gewerbegebiets West steht eine der beiden schwarzen Anzeigetafeln, die nur selten etwas anzeigen. Aber sie sind in Betrieb, versichert Hessen Mobil. Die Tafel gehören zu r "Netzbeeinflussungsanlage". (Foto: Nici Merz)

Verkehrstafeln

Wie zwei geheimnisvolle Tafeln den Verkehr in der Wetterau regulieren

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Was sollen die zwei schwarzen Tafeln an der B 3? Das dürfte sich schon so mancher Autofahrer gefragt haben. Sie zeigen zwar meistens nichts an, funktionieren laut Hessen Mobil aber trotzdem.

Ein Kollege spricht mich auf die Tafeln an. "Haben die schon mal etwas angezeigt?" Gute Frage. Ich fahre öfter an den Tafeln vorbei, kenne sie nur schwarz: Sie sehen aus wie riesige, ausgeschaltete Flachbildfernseher. Dass Sie jemals vor einem Stau auf der Autobahn gewarnt hätten, ist mir nicht bekannt. Also frage ich Bekannte, Friedberger und Bad Nauheimer, Pendler, die dort täglich unterwegs sind. "Die sind immer schwarz", lautet unisono die Antwort. "Ich wüsste nicht, dass die einmal in Betrieb waren", sagt ein Geschäftsmann. "Ich fahre dort oft vorbei. Das wäre mir aufgefallen."

Die beiden Anzeigetafeln stehen jeweils wenige hundert Meter vor der B 3-Abfahrt in Richtung Rosbach und der Autobahn A 5. Wie ein Blick ins Zeitungsarchiv zeigt, wurden sie im Sommer 2012 aufgestellt. Drei Jahre zuvor war die Umgehungsstraße Friedberg eröffnet worden. Nun sollte "mit ausgeklügelter Technik gegen Staus" vorgegangen werden, wie die WZ damals schrieb.

Die Tafeln sind Teil des hessischen Verkehrsbeeinflussungssystems, genauer gesagt: der "Netzbeeinflussungsanlage im Korridor Rhein-Main-Nord". Auch wenn sie nichts anzeigen, sind die Anlagen dennoch in Betrieb. Das besorgen graue Steuerungskästen, die einige hundert Meter vor den Tafeln am Straßenrand stehen. Davor wurden Kontaktschleifen in die Fahrbahn eingebaut, die die Zahl der Fahrzeuge und die Zeiten, in denen sie auf der B 3 unterwegs sind, registrieren. Diese Daten gehen an die Verkehrszentrale Hessen in Frankfurt-Rödelheim, wo Spezialisten daran arbeiten, die Verkehrsströme zu optimieren. Denn: Auch auf der A 5 und an zahlreichen anderen Bundes- und Landesstraßen stehen solche Anzeigetafeln.

Entlastung der Autobahnen

Ist eine der Tafeln in Betrieb, zeigt sie an, wenn es Staus gibt und schlägt den Autofahrern Ausweichrouten vor. Schon bei der Testphase im Sommer 2012 hieß es, die Leistungsfähigkeit der Autobahn sei durch die Netzbeeinflussungsanlage um bis zu 10 Prozent erhöht worden.

Aber warum bekommt man davon auf der B 3 bei Friedberg nichts mit? Auskunft erteilt Hessen Mobil. Wie bei allen neuen Wundern der Technik gibt es auch hier eine Abkürzung: "dWiSta" werden die Tafeln genannt, dynamische Wegweiser mit integrierten Stauinformationen. Die beiden Wegweiser an der B 3 würden "zusammen mit weiteren Standorten auf der A 5 und A 661 nach wie vor erfolgreich zur Verkehrslenkung eingesetzt", teilt die Behörde mit.

Bei Überlastung keine Umleitung

Die geringe Schalthäufigkeit der Wegweiser ergebe sich "aufgrund der versorgten Steuerungsstrategien". Die Anlagen an der B 3 seien im Kontext mit den gleichen Anlagen auf den Autobahnen zu betrachten. "So ist ein Ziel der Steuerung, bei Stausituationen auf der hochbelasteten A 5 das Ausweichen der Verkehrsteilnehmer in das weniger leistungsfähige Basisnetz vorzuschlagen." Eine Umleitung über die B 455 und B 3 erfolge aber nur dann, wenn auf der Umleitungsroute keine Überlastungen vorliegen. Deutlich häufiger seien auf den betroffenen Bundesstraßen keine Restkapazitäten vorhanden, so dass die Umleitung nicht empfohlen werden könne oder nach kurzem Einsatz zurückgenommen wird. In diesem Fall würden die Verkehrsteilnehmer über die elektronischen Wegweiser auf der A 5 und der A 661 informiert, dass die Umleitung überlastet ist; die beiden Wegweiser an der B 3 würden in diesen Fällen nicht benötigt.

Die "dWiSta" an der B 3 kommen laut Hessen Mobil dann zum Einsatz, wenn aufgrund einer gravierenden Verkehrsstörung auf der A 5, beispielsweise eine länger andauernde Vollsperrung, der Verkehr umgeleitet werden muss. Nur dann erscheinen auf den elektronischen Tafeln Hinweise, welche Route die Autofahrer stattdessen nehmen sollen. Beobachtungen dieses seltenen Phänomens wurden der WZ bislang jedoch nicht gemeldet, was ja auch etwas Beruhigendes hat. Sind die Tafeln schwarz, fließt der Verkehr.

Info

Verkehrsbeeinflussung

Hessen Mobil setzt auf eine intelligente Verkehrssteuerung, um den Verkehr auf hessischen Autobahnen und anderen wichtigen Straßen optimal zu managen. Staus werden sollen reduziert und die Verkehrssicherheit erhöht werden. In der Verkehrszentrale Hessen laufen die Daten von insgesamt rund 190 "substitutiven Wechselwegweisern" (mechanisch verstellbare Hinweisschilder), mehr als 50 "dWiSta" (dynamische Wechselwegweiser mit integrierter Stauinformation) sowie zwei "dIRA" (dynamische Informationstafeln zur Reisezeitanzeige) ein. In Hessen und gerade im Rhein-Main-Gebiet ist das Verkehrsaufkommen auf Autobahnen besonders groß. Durch die "Netzbeeinflussung" kann der Verkehr nach Angaben von Hessen Mobil bestmöglich verteilt werden. (jw)

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