Zusammenbruch und Neubeginn

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In einem Artikel der Friedberger "Neuen Tageszeitung" vom 7. Dezember 1918 heißt es: "Die in geschlossenen Verbänden einziehenden Truppen bewahren eine vorzügliche Haltung. Das Herz krampft sich zusammen bei dem Gedanken, daß diese Soldaten aus einem verlorenen Kriege heimkehren. Ununterbrochen gehen die Truppendurchmärsche…" Vier Wochen nach Kriegsende strömen immer noch Zehntausende abgerissener, verwundeter, desillussionierter Soldaten aus dem verlorenen Krieg in die Heimat zurück. Friedbergs Bürgermeister Carl Damm ruft die Bevölkerung zu einem würdigen Empfang der Soldaten auf: "Ehrt die Kämpfer, Bürger! Schmückt eure Häuser noch einmal mit der schwarzweißroten Fahne!" Es sind diese und zahlreiche andere Zeitzeugnisse aus den anderthalb Jahren zwischen Juli 1917 und dem demokratischen Neuanfang im Januar 1919, die den vierten und letzten Teil der Ausstellung "Kapitulation, Zusammenbruch, Novemberrevolution" im Wetterau-Museum so überaus sehenswert machen.

In einem Artikel der Friedberger "Neuen Tageszeitung" vom 7. Dezember 1918 heißt es: "Die in geschlossenen Verbänden einziehenden Truppen bewahren eine vorzügliche Haltung. Das Herz krampft sich zusammen bei dem Gedanken, daß diese Soldaten aus einem verlorenen Kriege heimkehren. Ununterbrochen gehen die Truppendurchmärsche…" Vier Wochen nach Kriegsende strömen immer noch Zehntausende abgerissener, verwundeter, desillussionierter Soldaten aus dem verlorenen Krieg in die Heimat zurück. Friedbergs Bürgermeister Carl Damm ruft die Bevölkerung zu einem würdigen Empfang der Soldaten auf: "Ehrt die Kämpfer, Bürger! Schmückt eure Häuser noch einmal mit der schwarzweißroten Fahne!" Es sind diese und zahlreiche andere Zeitzeugnisse aus den anderthalb Jahren zwischen Juli 1917 und dem demokratischen Neuanfang im Januar 1919, die den vierten und letzten Teil der Ausstellung "Kapitulation, Zusammenbruch, Novemberrevolution" im Wetterau-Museum so überaus sehenswert machen.

Über 500 Friedberger Gefallene

Lebendiger lässt sich Geschichte kaum präsentieren. Der bewährten Konzeption in den drei Vorgängerausstellungen über die Kriegsjahre 1914 bis 1917 folgend, haben Stadtarchivleiter Lutz Schneider und seine Mitarbeiter lokale Ereignisse in Friedberg und der Wetterau chronologisch mit den wichtigsten überregionalen Geschehnissen verknüpft. Neben Text- und Schautafeln und einer ausführlichen Chronologie wartet die Schau mit vielen Dokumenten aus einer Schlüsselepoche deutscher Geschichte im 20. Jahrhundert auf. Über 500 junge Friedberger fielen dem mörderischen Krieg zum Opfer. Auf Fotografien blicken 40 von ihnen den Ausstellungsbesucher siegesgewiss in frisch gebügelten Uniformen an – sie hatten das Leben noch vor sich. Eine Broschüre des Friedberger Hochbauamts dokumentiert fotografisch die Einschmelzung von Glocken der Stadtkirche, aus Fauerbach und Ockstadt für den Bau von Kanonen im Sommer 1918.

Einblicke in Zeitungen von damals

Der schwierige Neubeginn im Winter 1918/19 bis zu den Januar-Wahlen im neu gegründeten "Volksstaat Hessen" wird besonders anschaulich anhand von Plakaten, auf denen beispielsweise die weibliche Bevölkerung – zur erstmaligen Wahlteilnahme aufgerufen – vor "Hamsterei" gewarnt wird.

In der Chronik der Gemeinsamen Musterschule heißt es: "Der äußerst bösartig auftretenden Grippe wegen mußten die städtischen Schulen vom 14. Oktober bis 3. November 1918 geschlossen bleiben." Die "Spanische Grippe" forderte in den kommenden Jahren europaweit Millionen Menschenleben. Wer in den damals erschienenen drei Friedberger Zeitungen blättern will, kann dies in der Ausstellung virtuell an zwei Computern über das neue Internetportal "Der Erste Weltkrieg im Spiegel hessischer Regionalzeitungen" tun, das einen direkten Zugriff auf die digitalisierten hessischen Zeitungen von 1914 bis 1918 ermöglicht.

Die Ausstellung ist noch bis zum 30. Juni 2019 im Wetterau-Museum in der Haagstraße 16 in Friedberg zu sehen.

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