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Junge Leute aus dem Jugendzentrum »Junity« haben zusammen mit Jugendpfleger Lukas Hölzinger (r.) auf der »Kleinen Freiheit« eine Dreiecksstellwand aufgebaut. Sie wollen wissen, was sich in Friedberg ändern muss.

Friedberg: Online-Aktion zur Kommunalwahl

Ziel: Junge Leute für Lokalpolitik und Wahlen begeistern

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
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Kommunalwahlkampf? Läuft da was? Das fragten sich junge Leute aus Friedberg. Am Samstag haben sie Stellwände aufgebaut, um Meinungen zu sammeln. Die meisten Aktionen aber laufen digital.

Die Reaktion im Netz sind eindeutig: »Super Aktion«, »Tolle Idee«, »Bin gespannt auf die Ergebnisse«. Eine Gruppe junger Menschen aus der Wetterau, die sich im Friedberger Jugendhaus »Junity« treffen oder von dort auch Unterstützung erhalten, will andere junge Leute dazu animieren, an der Kommunalwahl teilzunehmen. Nicht nur, indem man am 14. März (oder besser vorher, durch Briefwahl) seine Stimme abgibt. Nein, es sollen auch Ideen und Kritik gesammelt werden. Wie stellen sich junge Leute Friedberg vor? Darum geht’s bei der Aktion.

Am Samstag bauten Jugendliche mit Unterstützung von Jugendpfleger Lukas Hölzinger einen großen Dreieckständer auf der »Kleinen Freiheit« auf. »Junge Meinungen werden in der Politik kaum vertreten. Deshalb wollen wir zur Kommunalwahl eure Meinungen stärken und öffentlich machen«, steht auf den drei Plakatwänden. »Unabhängig von schon bekannten Bewegungen wollen wir themenübergreifend und lokal zu Diskussionen anregen.«

»Was muss sich in Friedberg verändern?« Das steht auf der rosafarbenen Wand. Die ersten Einträge lauteten: »Geschäfte für junge Leute«, »behindertengerechter Bahnhof«, »Wir brauchen wieder ein Kino«. Auch »mehr Aufenthaltsorte für Jugendliche«, »Plätze zum Chillen« und »ein Basketballplatz« werden gewünscht. Um zu zeigen, dass nicht alles schlecht ist, steht über der gelben Wand »Was läuft in Friedberg?« Hier fanden sich am Samstag nicht ganz so viele Einträge, aber immerhin: Friedberg ist eine »Stadt der kurzen Wege«, und die »Verkehrsführung« scheint auch nicht so schlecht zu sein.

Damit sich auch ältere Bürger an der Aktion beteiligen können, gibt es eine dritte, hellblaue Wand mit der Aufschrift »Du bist alt und hast trotzdem eine Meinung?« Hier werden »intelligentere Fahrpläne« im ÖPNV gefordert: »Wieso man mit dem Bus von Berstadt nach Friedberg zwei Stunden braucht, verstehe ich nicht«, sagte ein schon ergrauter Berufsjugendlicher. Und noch ein dringendes Bedürfnis wird hier angesprochen: »Ich fordere Redezeitbegrenzung im Stadtparlament.«

Gerade in Zeiten des Lockdowns biete es sich an, das Internet für den Wahlkampf zu nutzen, sagen die Beteiligten. Unter Jugendlichen sei Facebook beinahe schon veraltet, sagt einer. Deshalb nutze man Instagram. Auf eine E-Mail zu antworten, sei vielen Jugendlichen zu viel Aufwand. Instagram ist schneller, es gibt kaum Hürden, um eine Antwort oder ein kurzes Statement loszuwerden.

Die Jugend, da sind sich alle Beteiligten einig, ist seit einigen Jahren wieder stärker an Politik interessiert. Und nicht erst seit ›Fridays for Future‹, aber diese Aktion habe einen Sog entfacht. Außerdem sorge die AfD für eine Politisierung der Jugend.« Junge Leute wollten keine Konzepte von gestern. »Die Kommunalwahl ist wichtig, das wollen wir anderen jungen Leuten klarmachen«, sagte Dominic Bantle, einer der Beteiligten. »Da geht es nicht nur darum, die Stimme abzugeben.« Junge Leute stellten auch Forderungen, die gelte es zu beachten.

Politiker stehen Rede und Antwort

Wie Lukas Hölzinger sagt, sei die Aktion Teil der politischen Bildung, die sich das Junity auf seine Fahnen geschrieben hat. Die Gruppe habe sich weitere Aktionen für den Kommunalwahlkampf ausgedacht. »Die aktuelle Aktion dient dazu, Ideen und Wünsche zu sammeln. Damit wollen wir dann die Kommunalpolitiker konfrontieren.« Aber nicht die Fraktionsvorsitzenden, die womöglich eine Standardantwort geben; die jüngsten Kandidatinnen und Kandidaten der jeweiligen Parteien sollen befragt werden. Für die Fraktionsvorsitzenden hat sich die Gruppe aber auch etwas überlegt. Auch sie sollen Rede und Antwort stehen, in welcher Weise, wird noch nicht verraten.

Bei der Aktion am Samstag waren die Beteiligten zunächst unter sich, aber das war auch so gewollt. »Wir wollen keinen Massenauflauf veranstalten«, sagte Hölzinger. Der Wahlkampf, den die jungen Leute begleiten und vorantreiben, spielt sich eh auf Internetplattformen ab. Und wenn jeder zu Hause vor dem Laptop sitzt, dann ist die Ansteckungsgefahr in Zeiten von Corona auch geringer.

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