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Der kerzengerade Kanal rechts im Bild ist die Straßbach in Höhe der Mitsubishi-Zentrale im Industriegebiet Süd. Das Bachbett besteht nicht aus Kies, sondern aus Beton.

Staatssekretär Conz zu Besuch

Straßbach in Friedberg soll vom Beton befreit werden

  • Jürgen Wagner
    VonJürgen Wagner
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Bäche heißen im Amtsdeutsch „Fließgewässer“, doch viele plätschern nur träge vor sich hin. Die Landesregierung will das ändern – auch in Friedberg.

Friedberg – Umweltstaatssekretär Oliver Conz inspizierte vergangene Woche den südlich von Friedberg verlaufenden Straßbach, der momentan alles andere als »wild« ist. Das Hessische Umweltministerium unter Ministerin Priska Hinz (Grüne) hat das Programm »100 Wilde Bäche für Hessen« aufgelegt. Der Name gibt das Ziel vor: Noch handelt es sich in vielen Fällen um betonierte Kanäle ohne natürliche Bachstrukturen. Die werden aber benötigt, wenn ein Bach leben soll.

Am Donnerstagnachmittag informierte sich Umweltstaatssekretär Oliver Conz in Friedberg über das Projekt. Dr. Andreas Stefansky, Leiter des Stadtbauamtes, begrüßte dazu im Indtsuriegebiet Süd Vertretern der Hessischen Landgesellschaft (HLG), aber auch viele Wetterauer Grüne und einer großen Zahl Umweltschützer. Friedberg hatte sich wie 384 andere hessische Kommunen beworben; aus 497 Bächen wurden 100 in das Förderprogramm aufgenommen. Aus der Wetterau mit dabei sind neben dem Straßbach auch Hamstergraben (Rosbach), Krebsbach (Nidderau, Niddatal), Waschbach (Wölfersheim, Echzell, Hungen), Laisbach (Hirzenhain, Nidda, Ortenberg, Ranstadt), Bleichenbach (Gedern, Glauburg, Ortenberg) und Wolfsbach (Kefenrod, Büdingen). Diese Bäche sollen, wo möglich, wieder in einen naturnahen Zustand versetzt werden.

Friedberg: Zwei Varianten für Straßbach denkbar

Die HLG übernimmt die Planung von der Ausschreibung bis zur Bauabnahme, sagte Ingo Pfeiffer, HLG-Projektleiter für Landwirtschaft und Naturschutz. Was dies konkret für den Straßbach bedeutet, zeigte Pfeiffer an einem Wasserbauwerk im Industriegebiet Süd. Hier haben Beton-affine Bauingenieure einer längst vergangenen Epoche »ganze Arbeit« geleistet. Von Natur keine Spur, Fische und Insekten haben keine Chance, das Bachbett zu durchwandern.

Zwei Möglichkeiten bieten sich an: Entweder die ausführende Fachfirma reißt den kompletten Beton raus, muss dann aber mit Spundwänden die darüber liegende Brücke absichern.

Oder es werden Kies sowie Borstenpässe eingebaut, Kunststoffelemente, die wie umgedrehte Besenköpfe aussehen, das Wasser bremsen und wieder für einen durchgehenden Wasserkorridor sorgen. Nur so können die Fische zu ihren Laichplätze gelangen.

Welche Variante gewählt wird, kann erst in der Planungsphase festgelegt werden. Eine weitere Maßnahme ist es, im Oberlauf des Baches an der B 3, wo der Straßbach teils direkt an intensiv bewirtschaftete Äcker stößt, die Uferstreifen zu erwerben und naturnah zu entwickeln.

Kritik aus Friedberg: Bäche stark mit Dünger belastet

Alles schön und gut, aber ist das auch sinnvoll? Diese provokante Frage kam von Vertretern des Angelsportvereins Friedberg. »Von Ende April bis Anfang Oktober führt der Straßbach überhaupt kein Wasser«, sagte ASV-Vorsitzender Wolfgang Heisig. Conz sagte, das Wilde-Bäche-Programm solle dazu beitragen, diese Entwicklung rückgängig zu machen. Und mit Blick auf den Klimawandel erwarte er regenreichere Sommer. Als hätte das jemand dort droben gehört, setzte Platzregen ein. Die Versammelten trafen sich auf dem ASV-Gelände an den Strassheimer Teichen, wo es einen Unterstand gibt und wo weitere Probleme des Wasserschutzes besprochen wurden. Dazu zählten etwa der Eintrag von Dünger in die Bäche und die davon abhängige Wassergüte. Conz sagte, alle diese Bedenken würden in der Planung berücksichtigt.

Hintergrund der Maßnahme »100 Wilde Bäche« ist die EU-Wasserrahmenrichtlinie, die bis 2027 umgesetzt werden soll. Es gehe aber auch und vor allem darum, die Bäche wieder so zu gestalten, dass sie gesund sind und der Naherholung dienten, sagte Staatssekretär Conz.

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