Videoüberwachungen wie die im Bahnhof Groß-Karben haben sich bezahlt gemacht, sagt die Wetterauer Polizei.
+
Videoüberwachungen wie die im Bahnhof Groß-Karben haben sich bezahlt gemacht, sagt die Wetterauer Polizei.

Zahl der Strafttaten auf historischem Tiefststand

Wetteraukreis (hed). Ein Fall aus dem Jahr 2013 steht (noch) nicht in der Kriminalstatistik. Der Mord an der Altenstädterin Vebronia Tabbo ist bislang ungeklärt und daher nicht in den Zahlen zu finden, die die Wetterauer Polizei am Freitag präsentierte.

"Wir sind aber sehr guter Hoffnung, den Fall bald aufklären zu können", ließ der neue Kripo-Chef Rainer Beer aufhorchen. Während der Präsentation der Statistik machte Polizeidirektor Jürgen Kapp aber auch deutlich, dass die Abstellung der zehn Mann starken Sonderkommission, die mit dem Fall beauftragt war, zulasten der Ermittlungsarbeit in anderen Bereichen ging. "Wir haben keine versteckten Ressourcen." Umso mehr freute er sich, dass 2013 ein aus statistischer Sicht erfreuliches Jahr für die Wetterauer Polizei war.

Erstmals ging die Zahl der Straftaten unter die 13 000er-Marke. Damit es im nächsten Jahr noch weniger werden, bedient sich die Polizei immer mehr elektronischer Hilfsmittel. Eine Videoüberwachung gibt es seit geraumer Zeit im Bad Nauheimer Sprudelhof und im Bahnhofstunnel, in der Trinkkuranlage und im Eisstadion ist gleiches angedacht. Zuletzt wurden am Park-and-Ride-Platz vor dem Groß-Karbener Bahnhof sowie am Bad Vilbeler Nordbahnhof Kameras installiert. "Hier werden jetzt weniger Graffiti gesprüht und die Leute trauen sich wieder, ihre Fahrräder abzustellen", lautete eine erste Bilanz Kapps.

Wie die Kameras werde sich auch die personelle Verstärkung der Butzbacher Polizeistation in der Kriminalstatistik 2014 widerspiegeln, prognostizierte er.

Die Aufklärungsquote sei mit 56,8 Prozent wieder sehr hoch gewesen, sagte der Polizeidirektor. "Ein Beleg für eine effiziente Polizeiarbeit", lobte Kapp seine knapp 300 Mitarbeiter. In Sachen Präventionsarbeit kündigte er an, die Aktion "Gelbe Karte" in diesem Jahr auszuweiten. Diese erhalten auffällig gewordene Zeitgenossen zwischen 14 und 30 Jahren von der Führerscheinbehörde, die zuvor von der Polizei informiert wurde. Wiederholungstätern droht der Führerscheinentzug. "Wir machen derzeit stark davon Gebrauch", sagte Kapp. Bedauerlich sei, dass die Gemeinde Altenstadt ihren Freiwilligen Polizeidienst eingestellt habe. "Die anderen Kommunen haben uns aber versichert, ihn beibehalten zu wollen. Freie Stellen werden wir in Kürze wieder besetzen."

Deutlich weniger Einbrüche

Relativ neu dabei ist auch Kriminaloberrat Rainer Beer, der im August seinen Dienst angetreten hat. Der frühere LKA-Beamte stellte sich gestern den Pressevertretern vor. Er hat sich eigenen Angaben zufolge in die noch offenen Kriminalfälle eingelesen. Spezielle neue Ansätze habe er aber nicht im Gepäck. "Meine Aufgabe ist es vor allem, die Rahmenbedingungen für die Ermittlungen zu setzen. Aber es kann gut sein, dass ich auch mal die eine oder andere kluge Idee habe", meinte er mit einem Lächeln.

Freuen konnte er sich darüber, dass die Zahl der Raubdelikte mit 89 deutlich niedriger war als in den Vorjahren. Die Aufklärungsquote hierbei sank dagegen im Vergleich zu 2012 um 4,6 Prozentpunkte auf 59,6 Prozent. Deutlich schwieriger ist es für die Polizei, Wohnungseinbrecher zu erwischen. Nur etwa jeder neunte Einbruch wird aufgeklärt. Dafür aber stimmt die Gesamtzahl mit 451 die Polizei milde. Nach 656 Einbrüchen im Jahr 2012 habe sich das "Tiefdruckgebiet" (Beer) nun verschoben. Sprich: Profi-Einbrecher, denen die Polizei kaum auf die Schliche kommen kann, hatten sich im Vorjahr eher die Nachbarkreise für ihre Beutezüge ausgesucht.

"Dass wir im Januar und Februar kaum Fälle hatten, hat uns schon erstaunt", bekannte Beer. Bei über 40 Prozent der angezeigten Einbrüche blieb es übrigens beim Versuch – was die Polizei als Zeichen dafür wertet, dass immer mehr Wetterauer Wert auf gesicherte Fenster und Terrassentüren legen. 47 Männer und elf Frauen wurden festgenommen. Ein Drittel der Verdächtigen stammte aus der Kommune, in der der Einbruch verübt wurde.

Beer berichtete weiter von 22 "Straftaten gegen das Leben". In fünf Fällen ermittelte die Polizei wegen des Verdachts auf versuchten Mord, in zwei Fällen wegen des Verdachts auf Totschlag. Dass diese Zahl seit einigen Jahren höher ist als früher habe auch mit der Rechtsprechung zu tun: "Ein Messerstich in Brusthöhe wird mittlerweile als versuchtes Tötungsdelikt behandelt", erklärte Beer. Sieben Mal wurde wegen möglicher fahrlässiger Tötung ermittelt, etwa nach Arbeitsunfällen. Insgesamt gab es im vergangenen Jahr 236 Todesfälle, in denen die Polizei eingeschaltet wurde, beispielsweise, wenn sich der eingetroffene Notarzt nicht ganz sicher war, ob der Tod natürlich eintrat.

Bei 214 Fällen ergaben sich keine Anhaltspunkte für das Vorliegen einer Straftat. Darunter fielen 38 Suizide, neun Unglücksfälle und drei Drogentote.

Opfer werden zermürbt

Während sich die Fallzahlen bei den anderen Straftaten auf dem Niveau der Vorjahre bewegen, wundert sich die Polizei darüber, dass die Schockanrufer und Enkeltrick-Betrüger auch 2013 gleichbleibenden Erfolg hatten – trotz aller Aufklärungskampagnen. 49 Fälle – vornehmlich bei aus Russland stammenden Senioren – wurden der Polizei gemeldet, fünfmal kam es zu Geldübergaben, bei denen rund 50 000 Euro die Besitzer wechselten. Dabei würden die Betrüger immer dreister, berichtete Kapp. So würden sich manche Anrufer, die den Verdacht haben, dass ihr Opfer die Polizei eingeschaltet hat, wenig später erneut bei den Betroffenen melden. Dann gäben sie sich als Polizisten aus, die – natürlich – Geld benötigen, um im Ausland "Ermittlungen" anzustellen. Kapp: "Manchmal werden die Opfer über Monate zermürbt. Es gibt Fälle, in denen die Täter – obwohl die Polizei bereits eingeschaltet ist – weiter anrufen. Dann heißt es nicht selten: ›Wenn Krimi

Enkeltrick zieht: 10 000 Euro erbeutet Schockanruf in Nidda: 16 000 Euro weg Vebronia Tabbo lief Richtung Oberau Fall Vebronia Tabbo: Polizei richtet Soko ein

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare