jw_geschichten5-B_113207_4c_1
+
Der von der Stadt Friedberg im ISEK-Verfahren erstellte Entwurfsplan für die Kaserne sieht in der nordöstlichen Ecke ein Grundstück für die Kreisverwaltung vor.

Kreispolitik

Neubau der Wetterauer Kreisverwaltung: „Das ist kein sexy Antrag, das kostet Geld“

  • Jürgen Wagner
    VonJürgen Wagner
    schließen

Ein zentrales Gebäude statt 15 Außenstellen: Die CDU/SPD-Koalition im Wetteraukreis spricht sich für einen Verwaltungsneubau in der Kaserne aus. Die Opposition hat noch viele Fragen.

Wetteraukreis – Ein Haus wird nicht an einem einzigen Tag gebaut. Verwaltungsgebäude schon gar nicht. Die CDU/SPD-Koalition im Wetteraukreis hat vorgeschlagen, die 15 Verwaltungsaußenstellen in Friedberg an einem Standort zusammenzulegen. In der Kaserne solle eine Grundstück gekauft und ein Neubau errichtet werden. Am Mittwoch wurde im Kreistag über das Thema diskutiert. Wer dachte hatte, die Sache würde schnell in den Ausschuss verwiesen, sah sich getäuscht.

»Insgesamt 17 Verwaltungsaußenstellen: Diese Zersplitterung kann der Arbeit nicht dienlich sein«, sagte Landrat Jan Weckler (CDU) am Rande der Sitzung gegenüber dieser Zeitung. »Das ist auch für die Kunden nicht gut.« Oder wenn Teamsitzungen anstehen, wenn die Post verteilt wird. Ein Teil der derzeit genutzten Gebäude seien im Eigentum des Kreises, andere seien angemietet. Die eigenen Gebäude müssten saniert werden. »Das kostet Millionen.« Die man auch in ein neues Gebäude stecken könne, das klimatechnisch auf neuestem Stand sei.

Wetterauer Kreisverwaltung: Koalition schlägt Neubau in Kaserne vor

Die CDU/SPD-Koalition hat daher einen Neubau in der Kaserne vorgeschlagen. 450 Arbeitsplätze sollen hier entstehen, statt 15 gäbe es dann nur noch vier Standorte der Kreisverwaltung in Friedberg. Außerdem soll das Landratsamt in Büdingen »saniert, modernisiert und bedarfsgerecht baulich erweitert« werden.

»Das ist kein sexy Antrag, das kostet Geld«, räumte CDU-Fraktionsvorsitzender Sebastian Wysocki ein. Aber es sei ein notwendiger Antrag. Für eine gute Verwaltung benötige man auch die räumlichen Vorraussetzungen. Auf den Kreis kämen immer mehr Aufgaben zu und damit auch zusätzlicher Personalbedarf. Ein Gebäude anstelle von 15: Das sei auch für die Bürger von Vorteil, sagte Wysocki und schlug vor, im Haupt-, Finanz- und Personalausschuss die weiteren Details zu besprechen. Landrat Weckler hatte für den Ausschuss eine Präsentation angekündigt.

Neubau von Wetterauer Kreisverwaltung: „Kaufen Katze im Sack“

Die Opposition freilich hatte eine Reihe von Einwänden und wollte dem Antrag der Koalition nicht so ohne weiteres folgen. FDP und Grüne hatten Änderungsanträge vorgelegt, die letztlich das gleiche zum Ziel haben: Zunächst müsse die Verwaltung ein »Organisatorisches Entwicklungsprogramm« (FDP) bzw. ein »Konzept für die Arbeitsplatzplanung und -gestaltung« (Grüne) vorlegen, und überhaupt müsse eine Reihe von Sachverhalten hinterfragt werden.

»Mit diesem Antrag kaufen wir die Katze im Sack«, sagte Jörg-Uwe Hahn (FDP). »Sie haben keine Daten vorgelegt.« Die Umstellung der Arbeitswelt nach Corona werde nicht bedacht, und die Ausführungen zu Büdingen seien »ein Witz«: »Welcher Dezernent sitzt dann in Büdingen? Welche Ämter sollen dorthin? Davon steht nichts im Antrag.« Michaela Colletti (Grüne) rechnet mit »30 Prozent weniger Büroraumbedarf« nach Corona. Viele Mitarbeiter seien mit Home-Office zufrieden. »Gab’s eine Bedarfsanalyse?« Norbert Schmidt (AfD) sagte, man unterstütze den FDP-Antrag. Er sprach von einem »Schnellschuss« der Koalition; man rede schließlich über ein Projekt, an dem »mindestens ein 30-Millionen-Euro-Preisschild hängt.«

Koa: Das ist erst der Startschuss

Christine Jäger (SPD) konnte, wie sie sagte, »die Aufregung nicht verstehen«: »Wir geben hier den Startschuss für attraktive Arbeitsplätze. Und Startschuss bedeutet: Das ist ein Auftrag an die Verwaltung, ein Konzept zu erarbeiten.« Alle vorgebrachten Bedenken oder Anregungen werde man ohnehin im Ausschuss besprechen. Wysocki ergänzte, die von den Grünen geforderte energetische Bauweise sei bei Neubauten ohnehin vorgesehen. »Wir bauen nichts von Gestern.« Zum Schluss der Debatte warb auch Landrat Weckler für einen Neubau und die weitere Beratung im Ausschuss. Was einstimmig beschlossen wurde. (jw)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare