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Pfarrer Kai Wornath

Wunsch: Per Handschlag verabschieden

  • vonUdo Dickenberger
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Wetteraukreis (udo). In den vergangenen Monaten waren für die meisten Gottesdienste Anmeldungen erforderlich. Von den Feiertagen abgesehen, waren in Niddatal nur in der Ilbenstädter Basilika Besuche ohne Anmeldungen möglich. Deshalb zogen ihre Gottesdienste Gäste aus dem Umland an. Aber auch in der großen Basilika hatten nur 75 Besucher Platz.

Wenn das Impfen zügig vorangeht, werden wir dann bald wieder normale Gottesdienste feiern können? Wir haben uns in den Kirchengemeinden umgehört. Anita Weiße steht der evangelischen Kirchengemeinde Ilbenstadt vor, die normale Gottesdienste im Kirchgarten feiert. Sobald die Kirchenleitung die Bestimmungen über die verfügbare Quadratmeterzahl pro Person in der Kirche aufhebe, werde wieder drinnen gefeiert werden. »Allerdings erscheinen zu den Garten-Gottesdiensten mehr Besucher«, berichtet Weiße. Sie hofft, dass nicht im Advent eine »fünfte Welle« kommt. Sich die Hand zu geben, wenn man sich nach dem Gottesdienst verabschiedet, fehle ihr. Ebenso der Gesang. Auch in diesem Jahr wird das Konfirmationsjubiläum in Ilbenstadt nicht gefeiert werden können. Das soll 2022 für alle drei Jahrgänge nachgeholt werden. Die Konfirmation 2021 ist vom Mai in den September verschoben worden.

Ilbenstadts katholischer Pfarrer Bernd Richardt betont, es könnten, wenn das Impfen zügig vorangehe, Gottesdienste bald wieder normal gefeiert werden. Auch ein Weihnachtsfest im gewohnten Rahmen sei zu erwarten. Aber was erlaubt sei, werde in Berlin, in Wiesbaden und in Mainz entschieden. Er sei selbst gespannt, »welchen Exit wir angeboten bekommen«. Daneben gelte es die Leute zu überzeugen, dass sie, wenn sie zweimal geimpft sind, wieder sorgenfrei in die Basilika kommen könnten. Hier erlebe er viel Unsicherheit.

Am schmerzlichsten sei der Lockdown vor einem Jahr gewesen. Ohne den Gesang sei der Gottesdienst »zu einer Ein-Mann-Show« geworden, was nicht schön sei. Er freue sich auf Wechselgesänge und auf den Gemeindegesang, sagt der Pfarrer. Schmerzlicher sei gewesen, dass es keine Gruppenstunden mit den Jugendlichen, kein Zeltlager, Seniorennachmittage und Gemeindefeste geben konnte.

Gemeinsames Gemeinde-Grillen

Pfarrer Kai R. Wornath aus Wickstadt befürchtet, dass sich einige Gläubige »dem Präsenzgottesdienst entwöhnt« haben. Wenn Weihnachten wieder wie vor der Pandemie gefeiert werden könne, wäre das sehr schön. Seine Idee sei es, den Neustart mit den Gläubigen so zu begehen, dass sich alle vor dem Beginn der heiligen Messe rund um das Kirchenportal versammelten. Es gebe eine kurze Statio, eine liturgische Ansprache, danach zöge der Priester mit der Gemeinde singend in die Kirche ein. Im Anschluss könne gemeinsam gegrillt werden.

Pfarrer Norbert Braun (Wöllstadt und Rodheim) versteht unter normalen Gottesdiensten Feiern ohne Beschränkung der Teilnehmerzahl und ohne Voranmeldung. Er hoffe sehr, dass dies spätestens an Weihnachten der Fall sei. »Es wäre schön, wenn wir Weihnachten dann als Gemeinde bewusster feiern.« Zu einem Neustart gehöre für ihn der Dank an Gott, der die Menschen in dieser schweren Zeit der Pandemie begleitet habe. »Egoismus und Ellenbogenmentalität sollten wir mit dem Neustart hinter uns lassen. Solidarität und die Überwindung der sozialen Schieflage sollte auf allen gesellschaftlichen Ebenen besondere Priorität haben.«

Er bedauert vor allem, dass sich Trauernde nicht von ihren verstorbenen Angehörigen verabschieden konnten. »Die Feier der Totenliturgie war stark eingeschränkt; das Ausfallen des Beerdigungskaffees wurde schmerzlich vermisst.«

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