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Wunsch nach mehr Nachwuchs

  • VonJürgen W. Niehoff
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Wetteraukreis (jwn). Eine Lehrlingsfreisprechung einmal ganz anders. Nicht mehr ernst und getragen, sondern heiter mit Tanz und Freude für alle - auch für das Publikum. »Ja heute will ich den Abschied vom meinem Lehrlingsdasein so richtig feiern.« Und dabei wirft die 21-jährige Gisa jubelnd die Arme in die Höhe.

Die Note ihres Abschlusses war der nunmehr ausgelernten Friseurin an diesem Samstagabend im Bürgerzentrum von Karben bei der Freisprechung egal und auch die Frage, ob sie denn auch den Meister in ihrem Beruf anstreben wolle, sie sei jetzt einfach nur glücklich. Und so wie ihr ging es an diesem Abend offensichtlich auch 90 anderen Lehrlingen aus den Sparten Dachdecker, Elektroniker, Friseure, Tischler und Zimmerer.

Auch in diesem Jahr konnte die traditionelle Freisprechfeier mit dem anschließenden Essen in einem großen Bad Nauheimer Hotel wegen der Corona-Krise nicht stattfinden. »Das waren immer Feiern mit rund 800 Personen. Aber das ist momentan ja nicht erlaubt. Deshalb feiern wir wie im vergangenen Jahr auch dieses Mal wieder dezentral an mehreren Orten«, erklärt der neue Geschäftsführer der Wetterauer Kreishandwerkerschaft, Matthias Fritzel.

Verantwortlich für die Ausrichtung der Feier im Bürgerzentrum sind die Friseurinnen und Friseure, an ihrer Spitze die Obermeisterin Doris Leidner. Und die haben der lockeren Ankündigung des Moderators Christoph Leidner auch sofort Taten folgen lassen.

Heitere Akzente mit Tanzeinlage

So wird das Interview mit dem Karbener Bürgermeister Guido Rahn nicht nur durch eine Tanzeinlage junger Frauen aus der Tanzsportgruppe des Sportvereins KSV-Klein-Karben unterbrochen, sondern der ganze Saal wird anschließend sogar zum Mitmachen aufgefordert. Zumba-Tanz als Fitness-Training für alle. Und die Gäste im Saal haben ihren Spaß. Sogar der Bürgermeister auf der Bühne tanzt kräftig mit. »So etwas habe ich in diesem Rahmen noch nie erlebt. Und es ist wirklich anstrengend«, kommentiert Rahn seine ungewöhnliche Bühnen-einlage anschließend lachend.

Den Wunsch nach mehr Nachwuchs und auch nach mehr Handwerksbetrieben äußert neben dem Bürgermeister auch der Vizepräsident der Handwerkskammer, Joachim Wagner. Rund 100 000 Betriebe stehen in den nächsten fünf Jahren vor einer Betriebsübergabe aus Altersgründen. Und es fehlt an Nachwuchs. »Es kann einfach nicht sein, dass immer mehr Jugendliche an die Hochschulen und Universitäten drängen und das Handwerk links liegen lassen«, so Wagner. Dabei höre das Lernen mit Abschluss der Lehre nicht einfach auf. Vielmehr folge für viele die Ausbildung zum Meister oder Techniker, in vielen Fällen die Voraussetzung zur Leitung eines Betriebes. Auch der stellvertretende Kreishandwerkermeister Holger Winkler appellierte an den Nachwuchs, nicht mit der Weiterbildung aufzuhören. »Wir sind im Zeitalter der Digitalisierung. Und ohne die kommt auch der kleinste Handwerkerbetrieb nicht mehr aus.« Das Handwerk sei im Wandel und da könne man nur bestehen, wenn man sich fortbilde.

Für den Prüfungsmeister im Friseurhandwerk, Antonio La Palermo, liegt aber genau da das Problem. »Wir bekommen von den Schulen immer mehr Abgänger, die nicht fit für eine Lehrlingsausbildung sind«, sorgt sich der Friseurmeister. Deshalb hätten in diesem Jahr auch sechs der 18 Prüflinge in seiner Innung die Prüfung nicht bestanden.

Um die Zukunft des Nachwuchses macht sich auch die Innungsobermeisterin Doris Leidner Sorgen. »Früher sind wir in die Schulen gegangen und haben für unsere Innung Werbung gemacht. Das ging in letzter Zeit nicht mehr wegen Corona, aber auch weil die Jugend anders angesprochen werden will. Beispielsweise über die neuen Medien.«

Danach wurden den 90 erfolgreichen Auszubildenden - zehn Dachdecker, 20 Elektroniker, 20 Friseure, 33 Tischler sowie sieben Zimmerer ihre Gesellenbriefe überreicht.

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Erfolgreiche Zimmerer mit Innungsobermeister Stefan Herling

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