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Wunsch nach Ausbildungsreform

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Wetteraukreis (pm). Beim »Hinnerbäcker« in Berstadt werden jeden Tag bis zu 70 000 Brötchen produziert. Mittlerweile besitzt die Firma über 70 Filialen in der Region. Die beiden Wetterauer Bundestagskandidaten Armin Häuser (CDU) und Natalie Pawlik (SPD) haben das Unternehmen nun - getrennt voneinander - besucht und mit den Geschäftsführer Kai und Jens Steinhauer sowie Prokuristin Svenja Brandis gesprochen.

»Hinnerbäcker« - der aus der Hintergasse im Bad Nauheimer Stadtteil Steinfurth abgeleitete Name steht für Regionalität. Backwaren werden hier seit 1854 hergestellt; der Betrieb wird bis heute von Familie Steinhauer geführt. Im Berstädter Gewerbegebiet, wo die Bäckerei 1998 die benötigten Erweiterungsmöglichkeiten fand, machten sich die Politiker ein Bild von den Produktionsmethoden und den Wünschen des Großbäckers.

Neben Häuser waren Landrat Jan Weckler, Wölfersheims CDU-Vorsitzender Manfred Stoll und Fraktionsvorsitzender Karl-Heinz Grenzebach vor Ort. Pawlik hatte Bürgermeister Eike See und Rouven Kötter, Vorsitzender der SPD Wölfersheim, im Schlepptau.

Nachmittags ist die große Backstube leer. Keine Backstraße findet sich hier, wie in der Backindustrie üblich, aber Knet- und Portioniermaschinen von beachtlichen Umfängen und mehrere entsprechend dimensionierte Öfen, die teilweise - um die Mitarbeiter von Hitze und Schwerarbeit zu entlasten - maschinell mit Blechen bestückt werden. 70 000 Brötchen werden täglich in Berstadt produziert, nach einem computergesteuerten Bestellsystem für die inzwischen mehr als 70 Filialen konfektioniert und ausgeliefert. Jahrzentelange Erfahrung und elektronische Unterstützung bedingen eine laut Jens Steinhauer vergleichsweise niedrige Überschussquote von 8 Prozent, über die sich dann die Wetterauer Tafeln freuen.

Svenja Brandis bat angesichts des vielfach beklagten Fachkräftemangels um Unterstützung für ihren Richtung Handwerkskammer geäußerten Vorschlag, zusätzlich zur regulären dreijährigen Lehre, deren theoretische Anforderungen manche praktisch außerordentlich anstellige Jugendlichen überfordere, eine Gehilfenprüfung einzuführen, um jungen Leuten nach einjähriger Ausbildung einen Qualifikationsnachweis zu verschaffen. »Wer nach dreijähriger Ausbildung zweimal durch die Gesellenprüfung fällt, hat gar nichts in der Hand. Wir brauchen aber auch Leute, die praktisch Hand anlegen können - und für manche von denen wäre eine Gehilfenprüfung eine gute Lösung«, wandte sie sich an Häuser. Der versprach, das Anliegen an geeigneter Stelle vorzubringen:

»Menschen mit vorwiegend praktischen bzw. handwerklichen Begabungen oder mit vielleicht nicht ganz so perfekten Sprachkenntnissen in unsere moderne Arbeitswelt sinnvoll zu integrieren, ist eine Aufgabe, der wir uns künftig mit noch mehr Nachdruck und vielleicht auch noch mehr Fantasie und Flexibilität stellen müssen«, betonte Häuser.

Chance für junge Menschen

Trotz der Corona-Pandemie konnten alle rund 480 Mitarbeiter gehalten werden, erfuhr Pawlik bei ihrem Besuch. Die Geschäftsführung habe große Anstrengungen unternommen, um die Filialen mit Schutzkonzepten offen zu halten. Auch als die Hefe in den Supermarktregalen knapp wurde, habe man in Wölfersheim weiter Brot, Brötchen und Stückchen backen können. »Es ist vorbildlich wie ernst der Familienbetrieb auch seine Rolle als Ausbilder nimmt und in die Zukunft investiert. Junge Menschen erhalten hier eine Chance, die im System häufig hinten runterfallen«, lobte Pawlik. Neben Bäckern werden in Wölfersheim auch Büro- und Industriekauffrauen und -männer, sowie Bäckereifachverkäuferinnen und -verkäufer ausgebildet. Es komme immer wieder vor, dass der Betrieb Jugendliche mit Lernschwierigkeiten oder Auszubildende aufnimmt, die ihre Ausbildung zuvor nicht beendet haben. Außerdem ermögliche der »Hinnerbäcker« immer wieder Praktika, auch für Menschen mit Beeinträchtigungen.

Rouven Kötter kennt das Unternehmen und hat dort selbst parallel zum Zivildienst an den Wochenenden nachts als Aushilfsfahrer gearbeitet. Familie Steinhauer stehe für solides Handwerk und unternehmerische Innovation. Außerdem übernähmen sie vor Ort Verantwortung. Bürgermeister Eike See lobte die Firma als Premium-Kultursponsor.

Viele lokale Betriebe wie der »Hinerbäcker« würden aktuell enorm viel leisten, um die Folgen der Pandemie abzufedern, sagte Pawlik. »Sie zu unterstützen und für sie die besten politischen Rahmenbedingungen zu schaffen, ist mir ein wichtiges Anliegen.«

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