Mit wunderbarer Leichtigkeit

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Ein denkwürdiger Auftritt im Alten Hallenbad endet triumphal. Soeben ist Johannes Brahms’ 40-minütiges Klavierquintett f-Moll, op. 34 aus dem Jahr 1865 verklungen. Der bekannte Wagner-Dirigent Hermann Levi pries es nach der Uraufführung als "ein Meisterwerk von Kammermusik, wie wir seit Schuberts Tod im Jahre 1828 kein zweites aufzuweisen haben". Aber greifen wir nicht vor. Die aufspielenden "Schlesischen Kammersolisten" aus Kattowitz zählen zu den bedeutendsten polnischen Ensembles ihrer Gattung, gastierten auf allen bedeutenden europäischen Musikfestivals und konzertierten mit berühmten Solisten und Komponisten wie Rostropowitsch, Penderecki, Christoph Eschenbach und vielen anderen. In Friedberg erklangen vor der Pause zwei populäre, vielgespielte Werke: Mozarts Serenade G-Dur ("Eine kleine Nachtmusik") und Edvard Griegs zum 200. Geburtstag des norwegischen Dichters Ludvig Holberg im Jahr 1884 uraufgeführte Suite "im alten Stil", op. 40 mit dem Titel "Aus Holbergs Zeit".

Ein denkwürdiger Auftritt im Alten Hallenbad endet triumphal. Soeben ist Johannes Brahms’ 40-minütiges Klavierquintett f-Moll, op. 34 aus dem Jahr 1865 verklungen. Der bekannte Wagner-Dirigent Hermann Levi pries es nach der Uraufführung als "ein Meisterwerk von Kammermusik, wie wir seit Schuberts Tod im Jahre 1828 kein zweites aufzuweisen haben". Aber greifen wir nicht vor. Die aufspielenden "Schlesischen Kammersolisten" aus Kattowitz zählen zu den bedeutendsten polnischen Ensembles ihrer Gattung, gastierten auf allen bedeutenden europäischen Musikfestivals und konzertierten mit berühmten Solisten und Komponisten wie Rostropowitsch, Penderecki, Christoph Eschenbach und vielen anderen. In Friedberg erklangen vor der Pause zwei populäre, vielgespielte Werke: Mozarts Serenade G-Dur ("Eine kleine Nachtmusik") und Edvard Griegs zum 200. Geburtstag des norwegischen Dichters Ludvig Holberg im Jahr 1884 uraufgeführte Suite "im alten Stil", op. 40 mit dem Titel "Aus Holbergs Zeit".

Mozart beendete die zu seinen Lebzeiten nie aufgeführte Serenade für Streichquartett und Kontrabass im August 1787. Dass es sich hier – entgegen der untertreibenden Bezeichnung "Serenade" – um anspruchsvolle Kammermusik handelt, ist bereits im 1. Satz (Allegro) unüberhörbar. Primarius Darius Zboch an der ersten Violine spielte kräftig auf, ohne seine Partnerinnen und Partner (Jakub Lysik, 2. Violine; Katarzyna Marzec, Viola; Katarzyna Biedrowska, Cello und Kontrabassist Krzysztof Korzen) "an die Wand zu spielen". Die hohe Kunst des Zusammenspiels auf Augenhöhe beherrschen die "Kammersolisten" nahezu perfekt. Die hervorragende Akustik in der ehemaligen Schwimmhalle tat ein Übriges, um den individuellen Part eines jeden Instruments optimal heraushören zu können.

Nach lebhaftem Applaus erklang Griegs "Suite im alten Stil" zu Ehren Ludvik Holbergs. Das ursprünglich für Klavier geschriebene Werk besticht durch seine wunderbare Leichtigkeit. Vier der beliebtesten barocken Tanz- und Liedformen (Sarabande, Gavotte, Air und Rigaudon) werden von Grieg aufgegriffen und mit spätromantischen Klängen verschmolzen. Wieder war es eine Lust zuzuhören: Auf die träumerisch-langsame Sarabande folgt eine heitere Gavotte.

Die "Air" des 3. Satzes ist zweifellos eine Hommage an J. S. Bachs berühmte Weise gleichen Namens. Das Violoncello beglückt hier mit wunderbaren Kantilenen, während die Viola bereits im 1. Satz ihren ganz eigenen Wohlklang verbreiten kann.

Nahezu symphonische Dimensionen

Nach wohlverdienter Pause folgt der schwindelerregende Höhepunkt des Abends: Die "Kammersolisten" und der renommierte, auf allen großen Bühnen weltweit gastierende Pianist Christoph Soldan bringen ein singuläres Werk des 32-jährigen Johannes Brahms zu Gehör: das im Dezember 1865 vollendete viersätzige Klavierquintett f-Moll, op. 34. Zwei frühere Versionen waren der Endfassung vorausgegangen. Der 1. Satz "Allegro non troppo" hat nahezu symphonische Dimensionen.

Ein Thema jagt das andere. Entfesselt agiert Soldan am Piano, beginnt einen leidenschaftlichen Dialog mit den Streichern. Ein fast gespenstisch klingendes Zwischenthema leitet zum 2. Satz "Andante, un poco Adagio" über. Er ist in seiner schlichten Liedform unverkennbar eine Hommage an Schubert. Noch einmal darf durchgeatmet werden, bevor sich das Geschehen im 3. Satz "Scherzo" fast bis zur Ekstase, zur Raserei steigert. Gnadenlos traktiert der Pianist sein Instrument wie mit Hammerschlägen.

Im abschließenden Finale türmt sich die erzeugte Klangfülle zu einem gewaltigen Gebirge auf. Wird hier Beethovens 5. Symphonie oder "nur" ein Klavierquintett gespielt? Alle Musiker geben ihr Äußerstes – bestaunt von atemlos lauschenden Hörern, deren enthusiastischer Schlussapplaus nicht enden will.

Glücklich, wer dieses von Meistern ihrer Instrumente zelebrierte Klangwunder miterleben durfte.

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