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Daniel Landskron

Denkmalschutz

Wovon alte Häuser erzählen

  • Sabrina Dämon
    vonSabrina Dämon
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Im Schloss Biebrich in Wiesbaden sitzt das Landesamt für Denkmalpflege. Dort hat Daniel Landskron seinen Schreibtisch bezogen. Doch künftig wird er oft in der Wetterau unterwegs sein.

Die meisten Geschichten stecken in unscheinbaren Details. In den ausgetretenen Stufen einer Holztreppe, an deren abgegriffenem Geländer oder in einer knarrenden Bodendiele. Wenn Daniel Landskron ein altes Haus betritt, sucht er nach solchen Spuren aus vergangenen Zeiten. Stellt sich vor, wie viele Menschen vor Jahrhunderten an genau der selben Stelle gestanden haben. »Und dass ich jetzt auch einer derjenigen bin, der hier steht.« Alte Gebäude haben ihn schon immer fasziniert - zuerst hauptsächlich Kirchenburgen, wie die in seinem Heimatort in Südthüringen, später Gebäude in ganz Deutschland. Und nun die Wetterau mit ihren bäuerlichen Fachwerkhäusern in den Dörfern und den Jugendstilbauten in Bad Nauheim und Friedberg.

Der 31-Jährige ist seit einigen Wochen Bezirksdenkmalpfleger für den Wetteraukreis in der Abteilung Bau und Kunstdenkmalpflege beim Landesamt für Denkmalpflege Hessen. Wenn etwa der Eigentümer eines denkmalgeschützten Hauses sanieren möchte, beginnt für Daniel Landskron die Arbeit. Im Dialog werden die Interessen des Denkmals mit den Vorstellungen der Eigentümer abgeglichen.

2785 Einzeldenkmäler gibt es in der Wetterau, hinzu kommen 166 Gesamtanlagen - zumindest sind so viele aktuell als Denkmäler eingetragen, sagt Landskron. »Doch das ist kein statischer Wert« - nach wie vor werden weitere erfasst und kommen mit den Jahren hinzu. Was ein Denkmal ist, definiert sich durch das Denkmalschutzgesetz und wird anhand von Kriterien festgelegt. Entscheidend ist das öffentliche Interesse am Erhalt, erklärt Landskron.

Zusammenarbeit mit Eigentümern

Nun kann es vorkommen, dass dieses Interesse mit dem der Eigentümer kollidiert. Das fängt bei Kleinigkeiten an. Zum Beispiel bei der Wahl der Fenster oder der Fassadenfarbe. »Der Denkmalschutz wird oft als Hemmschuh gesehen«, sagt Landskron. »Aber ich sehe das nicht so. Die Denkmalpflege versucht immer, gemeinsam mit den Eigentümern zu entwickeln« - und den historischen Charakter des Gebäudes im Kontext der gegenwärtigen Nutzung beizubehalten.

Weil jedes Haus anders ist, möchte Daniel Landskron auch für jedes Objekt eine darauf zugeschnittene Beratung und Betreuung anbieten. »Ich verstehe mich als Ermittler von Spuren, die Menschen hinterlassen haben. Anderen den Wert dieser Zeugnisse zu vermitteln und ihren Sinn für Authentisches zu schärfen, ist meine Aufgabe.«

Die Begeisterung für diese Spurensuche begleitet ihn schon seit seiner Kindheit. In seinem Heimatdorf, in Rohr in Thüringen, gibt es eine befestigte Kirche. »Wir spielten innerhalb der mittelalterlichen Ringmauer und genossen die Kühle in der 1000-jährigen Krypta.« Schon damals, erzählt er, fragte er sich: Was ist hinter dieser verschlossenen Tür. Was hat sich früher im Kellergewölbe ereignet? »Der Forschergeist war schon früh da« - und ist geblieben. In Mainz hat er später Kunstgeschichte, Ägyptologie und Altorientalistik studiert. »Es war aber sehr theorielastig, und reine theoretische Arbeit war nie mein Ansinnen.«

Er entschied sich für den Master-Studiengang Denkmalpflege in Bamberg und kam schließlich über die Bauforschung in die praktische Denkmalpflege. »Ich habe gemerkt, dass ich dort am meisten bewegen kann.«

Sein neues Einsatzgebiet, die Wetterau, will er nun nach und nach erkunden. Einen der ersten Termine hatte er im Alten Hallenbad in Friedberg - »ein wunderschöner bürgerlicher Jugendstilbau«. Aber es sind nicht nur diese großen Projekte, die ihn reizen. Es sind auch die kleinen Bauernhäuser auf dem Land, die zum Teil mehrere Jahrhunderte überlebt haben, über Generationen von Familien bewohnt worden sind und je nach Bedarf Anbauten bekommen haben. Damals, sagt Landskron, hat man nicht einfach nur gebaut, »sondern versucht, das Optimum aus dem Zuhause herauszuholen und schon an die nachfolgenden Generationen zu denken«.

Davon und wie die Menschen damals gelebt haben, erzählen die Häuser. Und, sagt Landskron: »Das Schöne ist, dass die heutigen Eigentümer nicht nur diese Geschichten in den Häusern sehen, sondern ihre eigene darin weitererzählen können.«

Warum man alte Gebäude erhalten sollte? »Weil wir nicht so viel haben, was uns aus der Vergangenheit geblieben ist«, sagt Bezirksdenkmalpfleger Daniel Landskron. Viele Städte, zum Beispiel Frankfurt, sind im Krieg stark zerstört worden. Zwar seien viele Gebäude rekonstruiert worden, »doch rekonstruieren bedeutet ein Stück weit verfälschen. Unser Ansinnen ist es, die Authentizität zu erhalten, die sich auch aus den Materialien definiert, aus den Handwerken, die das Bauwerk über viele Generationen geprägt haben.« Deswegen wird das Verzeichnis mit unter Denkmalschutz stehenden Gebäuden fortgeschrieben. Über das digitale Auskunfts- und Recherchesystem »DenkXweb« ist diese Entwicklung einsehbar. Sowohl die Denkmaltopografien als auch »DenkXweb« bilden eine Grundlage für alle weiteren Forschungen und Planungen in der Region. sda

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