Wolfgang Gerhardt: "Müssen die FDP wieder aufbauen"

Friedberg (har). Der Neujahrsempfang der Friedberger FDP ist mehr als nur ein Treffen der Liberalen. Im Laufe der Jahre hat sich die Veranstaltung zum gesellschaftlichen Ereignissen mit Gästen aus nahezu allen Parteien entwickelt, viele Gäste haben seit Jahren ihren Stammplatz und statt Sekt zur Begrüßung wird Wein serviert.

Gastredner in diesem Jahr war Dr. Wolfgang Gerhardt, Staatsminister a. D. und Vorsitzender der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung. Der FDP-Vorsitzende Achim Güssgen stellte am Dienstagabend mit einem Schmunzeln fest, seiner Partei gehe es derzeit "nicht ganz so gut". Der Zustand der FDP war auch eines von vielen Themen in Gerhardts Rede.

Neben heimischen Politikern waren auch Vertreter von Bürgerinitiativen und gleich vier evangelische Pfarrer der Einladung gefolgt. Wein und Schmalzbrote schmeckten auch Stadtverordnetenvorsteher Hendrik Hollender, dem Ersten Stadtrat Peter Ziebarth (beide CDU), Stadträtin Ruth Mühlenbeck und Ovag-Vorstand Rolf Gnadl (beide SPD), dem Ersten Kreisbeigeordneten Helmut Betschel-Pflügel (Grüne) und dem CDU-Bundestagsabgeordneten Oswin Veith. "Der sitzt jetzt in Berlin im Zimmer von Rainer Brüderle, das haben wir ihm geliehen", sagte Güssgen-Ackva.

"Wir müssen die FDP erneut langsam aufbauen, dann sind wir 2017 wieder im Bundestag", sagte Gastredner Gerhardt. Er es bedauerte, dass Anhänger anderer politischer Parteien, mit denen die Liberalen viele Jahre zusammengearbeitet haben, am Wahlabend gejubelt hätten, als feststand, dass die FDP nicht in den Bundestag einzieht. Gerhardt ging ausführlich auf die Arbeit der Friedrich-Naumann-Stiftung ein, die in 60 Ländern tätig ist. "Wir haben keine Büros in London oder Paris. Das sind Demokratien, die brauchen unsere Hilfe nicht." Dagegen arbeitet die Stiftung, die sich die Freiheit auf ihre Fahnen geschrieben hat, in Tansania, Pakistan, Zimbabwe und anderen Staaten, die "oft an der Grenze ihrer Existenz stehen", sagte der 70-jährige FDP-Politiker.

Die Deutschen sollten sich die Frage stellen: "Wo leben wir eigentlich, denn wir genießen ein Leben im Wohlstand, wonach sich andere die Finger lecken." Als Beispiel nannte Gerhardt die angespannte Situation in der Ukraine. Eine Mehrheit dürfe nicht alles machen, auch wenn sie eine Wahl gewonnen habe. Freie Wahlen sind für Gerhardt noch keine Garantie für die Freiheit aller Bürger: "Auch die Weimarer Republik hatte eine Verfassung und am Schluss stand Hitler."

"Die Ukraine gehört den Ukrainern und die Menschen dort müssen entscheiden, wo sie hingehören", ergänzte Gerhardt. Für ihn habe eine friedliche Konfliktlösung stets Priorität. "Aber wir müssen auch bereit sein, mit den Vereinten Nationen militärisch einzugreifen, wenn es erforderlich ist." Ein weiteres Thema waren die unterschiedlichen Lebensstandards in den EU-Ländern: "Es kann nicht sein, dass Menschen gezwungen werden, ihre Länder zu verlassen", sagte der Stiftungsvorsitzende. Gegen Ende seiner Rede streifte Gerhard kurz die hessische Schulpolitik sowie die Wirtschaftspolitik – beides Themen, die den Liberalen am Herzen liegen. Gerhard forderte weitere Unterstützung für mittelständische Betriebe. Gerhardt will noch einmal für den Vorsitz der Friedrich-Naumann-Stiftung kandidieren. "Zum Abschluss meiner Karriere" im Jahr 2018 und wenn die FDP im Jahr zuvor "wieder in den Bundestag kommt", werde er noch einmal zum Neujahrsempfang nach Friedberg kommen, versprach Gerhardt. Es gab viel Beifall für die Rede. Güssgen-Ackva und Regina Bechstein-Walther überreichten ein Präsent, passenderweise Rotwein.

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