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Der Echzeller Recyclinghof.

Entsorgungszentrum

Wohin mit dem Müll? So läuft die Arbeit auf den Wetterauer Recyclinghöfen

  • Sabrina Dämon
    vonSabrina Dämon
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4000 Container Müll sind auf den zehn Wetterauer Recyclinghöfen vergangenes Jahr zusammengekommen. Dass wir dennoch nicht im Müll versinken, ist den Mitarbeitern der Abfallwirtschaft zu verdanken.

Wetteraukreis – Menschen machen Müll. In der heutigen Zeit mehr als je zuvor. Und in der Corona-Pandemie noch ein bisschen mehr: kochen zu Hause, Essen zum Abholen und viele Pakete - seit Pandemie-Beginn ist die Müllmenge von Privathaushalten gestiegen. Hinzu kommt - zumindest gefühlt - die Menge an Sperrmüll. Statt zu reisen haben viele die Zeit zum Entrümpeln genutzt. Dachboden, Keller, Kleiderschrank. Ob sich das auf den Recyclinghöfen in der Wetterau bemerkbar gemacht hat? Zum Teil, sagt Dominik Jehring vom Abfallwirtschaftsbetrieb Wetterau. Mit dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020 mussten auch die Recyclinghöfe schließen. Als sie wieder geöffnet hatten, berichtet Jehring, ist viel Sperrmüll abgegeben worden. Auf das ganze Jahr 2020 gesehen sei die abgegebene Menge jedoch vergleichbar mit der von 2019 gewesen.

Daran, dass nach dem Lockdown mehr los gewesen ist, erinnert sich auch Susanne Pesic. Seit 13 Jahren arbeitet sie im Entsorgungszentrum Wetterau in Echzell, das von einer Tochtergesellschaft des Abfallwirtschaftsbetriebes des Wetteraukreises betrieben wird. »Viele, die nicht in den Urlaub konnten, haben gesagt: Wir machen es uns zu Hause schön.« Und das geht oft mit Ausmisten einher.

Zwei bis drei Mitarbeiter sind während der Öffnungszeiten von Montag bis Samstag auf dem Hof damit beschäftigt, dafür zu sorgen, dass der Müll ordnungsgemäß entsorgt wird. Susanne Pesic ist für den Einlass zuständig. Wer auf den Recyclinghof möchte, muss an ihr vorbei - und über die Waage. Die ist im Boden unter einer Steinplatte und erst einmal nicht zu sehen. Das hereinfahrende Auto bleibt darauf stehen, auf Susanne Pesics Bildschirm wird die Gesamtmasse des geparkten Wagens angezeigt. Nachdem alles entsorgt ist, kommt das Auto wieder auf die Waage - und es wird abgerechnet.

Wetteraukreis: Bis zu 160 Autos am Tag kommen zum Müllabladen in Echzell

Meistens gibt es viel zu tun, sagt sie. Zwischen 60 und 160 Autos und Kleintransporter kommen am Tag, um ihren Müll abzuladen.

Damit alles in den richtigen Containern landet, ist ein Kollege auf dem Hof unterwegs. Im Grunde funktioniert es aber gut, sagt Pesic. Zwar komme es hin und wieder zu Fehleinwürfen, da aber immer ein Kollege auf dem Hof ist und alles im Blick hat, kümmert er sich, dass der Müll letztlich doch im richtigen Container landet. Einziger Konfliktpunkt mit Kunden, der hin und wieder aufkomme: was in den Container für Verpackungen darf. »Viele tun dort alles rein, was aus Plastik ist.« So ist es aber nicht gedacht. In die Gelbe Tonne dürfen nur Verpackungen - ein Joghurtbecher darf hinein, ein Wäschekorb aus Plastik hingegen nicht. »Manche werden dann sauer und sagen: Dann schmeiße ich es halt in den Straßengraben.«

Dass der Müll getrennt wird, hängt mit dem komplexen Entsorgungssystem zusammen - auch wenn es für den Entsorger auf den ersten Blick nicht nachvollziehbar sein mag, warum Elektrogeräte in einen anderen Container kommen als Sperrmüll. Die Elektrogeräte zum Beispiel, erklärt Jehring, kommen vom Recyclinghof nach Glauburg in eine Einrichtung der Behindertenhilfe. Die Mitarbeiter dort zerlegen die Geräte, sortieren die Teile (beispielsweise Kupfer und Kunststoff) und entfernen die Schadstoffe (zum Beispiel Batterien). Die jeweiligen Bestandteile werden danach den entsprechenden Entsorgungswegen zugeführt.

Der Bio-Müll und die Grünabfälle aus der Wetterau kommen ins Humus- und Erdenwerk nach Ilbenstadt, und aus dem Altholz und dem Sperrmüll werden die noch werthaltigen Bestandteile heraussortiert. Ein ausgedienter Schrank zum Beispiel eignet sich noch immer gut als Brennholz.

Entsorgungszentrum Wetterau: Manche wollen nichts bezahlen

Burkhard Nies ist als stellvertretender Betriebsleiter auf dem Hof. »Es gibt sehr achtsame Mitmenschen«, sagt er. »Aber es gibt auch die anderen, die nicht für die Entsorgung bezahlen wollen.« Die seien zwar in der Unterzahl, es komme aber schon mal vor, dass jemand versuche, einen mit kostenpflichtigem Restmüll gefüllten Sack als kostenfreie Verpackung zu entsorgen.

Letztlich ist es den gut geschulten Mitarbeitern zu verdanken, dass der Müll richtig entsorgt wird: 4000 Containerbewegungen hat es vergangenes Jahr auf den zehn Recyclinghöfen im Kreis gegeben, berichtet Jehring: »Darunter waren nur sechs Reklamationen.«

Müll kommt in die Tonne, wird getrennt und je nach Art recycelt oder verbrannt. Was heute selbstverständlich ist, war nicht immer so. Vor rund 130 Jahren gab es die erste Müllabfuhr, wie wir sie heute kennen.

Im Mittelalter war es noch normal, den Müll einfach aus dem Fenster zu werfen. Das mag eklig gewesen sein und auch nicht unbedingt angenehm gerochen haben, war allerdings recht unproblematisch: Der Müll bestand zu dieser Zeit lediglich aus sich selbst verwertenden Abfällen: Essensreste und der ausgekippte Nachttopf. Mit dem Regen wurde er weggespült.

Später, mit der Erkenntnis, dass durch unhygienische Zustände auch die Krankheiten steigen, fing man an, den Müll aus den Städten zu bringen - zuerst mit Pferdewagen, später mit Mülllastern. Die erste Müllverbrennungsanlage gab es in den 1870ern in England, 1896 gab es die erste in Deutschland in Hamburg. sda

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