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Woher hat der Adolfsturm seinen Namen?

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Friedberg (pm). Um es vorweg zu nehmen: Warum das Friedberger Wahrzeichen »Adolfsturm« heißt, ist bis heute nicht ganz klar. Auch der jüngste Vortrag des Historikers Dr. Klaus-Dieter Rack über die Burg im Mittelalter änderte daran nicht grundsätzlich etwas.

Im Gegenteil: Rack hat in Vorbereitung seines Vortrags versucht, Belege für die heute allgemein verbreitete Begründung zu finden. Ursprung war danach ein Scharmützel zwischen Friedberger Burgmannen und einem Grafen Adolf von Nassau im Jahr 1347 am Alzenköppel bei Schwalheim. In dessen Verlauf wurde der Graf gefangen genommen, und vom Lösegeld wurde der Turm errichtet. Dazu Rack: »In einer detailliert dokumentierenden nassauischen Überlieferung gibt es keinen Beleg für das Alzenköppel-Gefecht samt Lösegeldzahlung.« Und: »Das heißt natürlich nicht, dass die Geschichte nicht doch stattgefunden hat, aber es fehlt der dokumentierte Beweis.«

Für etwas anderes gibt es dagegen Beweise, dafür nämlich, dass der 1352 erstmals urkundlich erwähnte Burgturm mindestens seit 1514 eine Wetterfahne hatte, wahrscheinlich aber schon vorher und seither durchgehend. Aus dem Jahr 1514 stammt jedenfalls die älteste bekannte Ansicht des Turms mit Fahne, enthalten in einem Grundbuch des Klosters Naumburg. Auch ein Stich von Matthäus Merian aus dem Jahr 1646 zeigt den Turm mit Wetterfahne.

Breiten Raum nahm in den Ausführungen Racks das Verhältnis zwischen Burg und Stadt Friedberg ein, das durchgängig von der Burg dominiert wurde. Lediglich einmal, zum Ende des sogenannten Interregnums, also der kaiserlosen Zeit 1273, gelang es der Stadt Friedberg, über die Burg zu triumphieren und diese sogar zu zerstören. Dafür musste sie aber teuer bezahlen. Denn kaum war mit Rudolf von Habsburg wieder ein deutscher König installiert, musste die Stadt Entschädigungsleistungen für den Wiederaufbau der Burg erbringen.

Den Höhe- oder auch Tiefpunkt in den Beziehungen zwischen Burg und Stadt bildete ein Erlass König Albrechts I. aus dem Jahr 1306, mit dem die Burg das Recht erhielt, im Rat der Stadt mit einer Sperrminorität von sechs Burgmannen, dem »Adligen Sechser«, vertreten zu sein. Damit konnte die Burg fortan entscheidenden Einfluss auf die Geschicke der Stadt ausüben, und es war zugleich ein bedeutender Schritt zur allmählichen rechtlichen Unterwerfung der Stadt unter die Hoheit der Burg. Rasant wuchs die Bedeutung der Burg, ihr politischer und sozialer Stellenwert, im deutschen Kaiserreich. Zunächst »nur« ein Adelsmittelpunkt unter anderen für den Niederadel der Region, wurde sie bald zu einem der letzten Zentren unmittelbarer königlicher Herrschaftsgewalt.

Bereits 1287 erhielten die Burgmannen das Privileg, nur vor dem Burggericht oder dem königlichen Hofgericht angeklagt und belangt werden zu können. Damit waren sie der Gerichtsbarkeit der Territorialfürsten entzogen. Im 15. Jahrhundert erfolgte dann der Aufstieg bis hin zur eigenen Landesherrschaft, denn Kaiser Friedrich III. gab der Burg das Freigericht Kaichen zum Lehen. Zu dieser Zeit befand sich auf dem Höhepunkt ihrer Stellung im Reichsverband.

Zwar folgte nach dem 30-jährigen Krieg ein gewisser Abschwung, aber auf den hatten sich die Burgmannen längst vorbereitet. Als Reichsritter hatten sie ihr Betätigungsfeld erweitert und an den Höfen der Reichsfürsten Verwaltungsämter besetzt. Auf diese Weise konnte man ein engmaschiges Informations- und Beziehungssystem über das gesamte Reich aufbauen. Zudem verfügte man über vielfältige Verwandtschaftsbeziehungen zu den Domkapiteln, die allesamt dazu beitrugen, den Stellenwert der Reichsritter und insbesondere der Burg Friedberg als das bedeutendste Zentrum des reichsunmittelbaren Niederadels zu bewahren.

Der Vortrag Racks war der vorerst letzte in einer Reihe, mit der die Bürgerinitiative »Adolfsturm« versucht, Spenden für eine neue Wetterfahne auf dem Friedberger Wahrzeichen einzusammeln. Sie wird diese Bemühungen fortsetzen und bittet die Bevölkerung weiter um Mithilfe. Spenden sind auf das Konto Nr. 00500 70 000 bei der Sparkasse Wetterau (BLZ 518 50079) einzuzahlen. Stichwort: »Adolfsturm«. Namen und Anschrift nicht vergessen, damit eine Spendenquittung ausgestellt werden kann.

Bislang 12 000 Euro für die neue Adolfsturm-Wetterfahne WZ spendet 5000 Euro für Adolfsturmspitze

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