Abstand halten ist das Gebot der Stunde - auch auf dem Wochenmarkt in Friedberg.
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Abstand halten ist das Gebot der Stunde - auch auf dem Wochenmarkt in Friedberg.

Solidarisch

Wochenmarkt in Friedberg gut besucht, trotz Corona

  • vonHarald Schuchardt
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Abstand halten ist das Gebot der Stunde. Das war beim überraschend gut besuchten Friedberger Wochenmarkt am Samstag auf dem Elvis-Presley-Platz nicht anders.

Der Wagen von Caterin Molly fehlte hier ebenso wie der Weinstand von Dolores Rhein. »Das wäre mit dem Mindestabstand wohl sehr schwer geworden«, sagt ein Stammbesucher des Wochenmarkts. Zu denen gehört auch Claudia Krauch. »Ich bekomme hier alles, was ich brauche. Alle halten den Mindestabstand ein. Die Menschen hier sind relativ entspannt«, sagt die Friedbergerin, die in einem Pharma-Großhandel arbeitet. »Ich gehöre zu denen, deren Tätigkeit benötigt wird, und bis heute habe ich keine negativen Erfahrungen gemacht«, erzählt die Kreisstädterin.

»Ja, hier ist es schon entspannt«, sagt auch Dr. Susanne Wagner, die mit Ehemann Lothar Riemann aus Assenheim gekommen war, um auf dem Markt frische Lebensmittel einzukaufen. »Ansonsten bleiben wir zu Hause«, ergänzt Riemann.

Es herrscht schon eine besondere Stimmung an diesem Samstagmorgen. Die Kunden freuen sich über das große Angebot, und die Beschicker sind über ihren Umsatz positiv überrascht. Doch die Frage, wie es in den nächsten Tagen weitergeht, beschäftigt alle auf dem Platz. »Wir entscheiden täglich«, sagt Karin Blum vom Bioland-Betrieb Feldhof in Weckesheim. Wie alle Händler hat sie besondere Vorkehrungen getroffen. Eine Bank vor der Auslage sorgt für mehr Abstand. Die Kunden können ihre Taschen darauf abstellen. Blum: »Selbstbedienung ist jetzt tabu. Die Kunden packen ihre Ware selbst ein.«

Wochenmarkt Friedberg: Nachfrage groß

Entsprechende Hinweisschilder findet man an mehreren Ständen, so auch bei Kuchenbäckerin Heidi Möller, die einige Kuchen weniger gebacken hatte als sonst. Doch von der Nachfrage wurde sie überrascht. Schon gegen 11 Uhr waren ihre 22 Kuchen nahezu ausverkauft.

»Unsere Kunden zeigen sich solidarisch«, freut sich die Friedbergerin, die nicht damit rechnet, dass am nächsten Samstag ein Markt stattfindet. »Ich kann schon so drei Wochen durchhalten, aber dann wird es eng«, sagt Mörler, während sie Jasmin Glöckner den reservierten Kuchen gibt.

Die Friedbergerin legt das Geld in ein Körbchen, das ihr Mörler reicht und mit dem Wechselgeld zurückgibt. »Hier ist es viel entspannter als im Supermarkt«, sagt die Erzieherin, die zurzeit nicht arbeitet. »Ich habe Glück gehabt, ich kennen Kolleginnen, die stehen unter vorsorglicher Quarantäne und dürfen gar nicht raus.«

»Wir sind heute vorläufig das letzte Mal hier«, sagen Bernd und Inge Glaum aus Hüttenberg. Seit mehr als 50 Jahren verkauft das Ehepaar Eier, Handkäse und Brot und ist längst zum »Markturgestein« in der Kreisstadt geworden.

Wochenmarkt Friedberg: Obst-Theis möchte weitermachen

»Wir wissen ja nicht, was wird. Wir müssen immer Anfang der Woche unsere Ware bestellen, und was machen wir dann, wenn der Markt abgesagt wird?«, fragt Inge Glaum und begründet so das vorläufige Aus für das Ehepaar, das zur Risikogruppe gehört. »Ich werde dieses Jahr 80«, sagt Bernd Glaum, der natürlich auf genügend Abstand achtet.

Dagegen will Klaus Schwing mit seinem Team von Obst-Theis auf jeden Fall weitermachen, »solange man uns lässt«. Der Assenheimer ist wöchentlich auf vier Märkten und ist mit dem Verlauf der Woche durchaus zufrieden. Die Frage, was er denn mit dem Obst und Gemüse machen würde, wenn Wochenmärkte verboten würden, beantwortet er lachend mit (Galgen-)Humor: »Dann hat die Großfamilie eine Zeitlang genug zum Essen.«

So mancher Marktbesucher nimmt noch ein paar Blumen mit. »Ich darf auf dem Markt Blumen verkaufen«, sagt Kai Späth. Der Steinfurther, der seit 28 Jahren auf dem Friedberger Wochenmarkt ist, packt gerade zwei Blumensträuße ein, die Wolfgang Braun ausgesucht hat. Der Friedberger erklärt seinen Kauf so: »Damit sage ich meiner Frau und meine Tochter Danke. Die tun immer so viel für mich.«

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