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Wo Friedel Münch Motorräder baute

  • VonRainer Hoffmann
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Friedberg-Ossenheim (bf). Kurzfristig lud der Kultur- und Traditionsverein Ossenheim (KuTV) zu einem Spaziergang mit historischen Informationen, teilweise in Rätselform, über die gesperrte Ortsdurchfahrt von der Wetterbrücke bis zum Jagdhaus ein. KuTV-Vorsitzender Rainer Hoffmann hatte dafür einen Bollerwagen mit Fotoausrüstung, Spendenkanne, Geschenken für richtige Antworten und Getränkekästen beladen.

Hoffmann ging zunächst auf das Hochwasser im Januar und Februar ein, als die Wetter über die Ufer trat und sich Frost einstellte, der Eisskulpturen herbeizauberte. Unter die Haut gehen die Erinnerungen an den 11. September 1944, als US-amerikanische Bomber ihre mörderische Fracht auf die Wetterbrücke und das Dorf fallen ließen und acht Menschen töteten.

Auf dem Weg durchs Dorf musste alle 20 Meter ein Stopp eingelegt werden, um Interessantes zu berichten. In der Nährmittelfabrik etwa wurden einst Haferflocken hergestellt. 1938 übernahm die Baufirma Loth das Gebäude, gab es 1982 wieder auf. Die Galerie Hoffmann, seit 1974 in der Görbelheimer Mühle beheimatet, übernahm auch das Anwesen und stellt an beiden Orten konkrete Kunst aus.

1926 bis 1928 wurde die Durchgangsstraße gepflastert. Noch in den 1950er Jahren war die Rödernstraße eine Erdstraße und wird heute noch »Schlammgass« genannt. Käthe und Laurenz Bader betrieben hier ein Lebensmittelgeschäft. Spontan zeigte Elge Neumann ihr Anwesen »Schmitt« in der Florstädter Straße 9 mit den ehemaligen Räumen von Metzgerei, Gastwirtschaft, Bankfiliale und Saal für 350 Personen. Im Saal befanden sich eine Kegelbahn, ein Ofen mit geschwungenem Ofenrohr und eine Bühne, die heute noch kunstvoll von Girlanden umrahmt ist und oben die Schrift trägt: »Die Kunst ist das Salz der Erde«. Hier übte einst die Sängergemeinschaft, hier wurde Fasching und Kirmes gefeiert, Volker Hoffmann und weitere Fußballfans gründeten hier 1967 bei Wirtin »Lilli« den Sportverein.

Wo sich früher das Karussell drehte

Noch eine Erinnerung an alte Zeiten: In der Nieder-Wöllstädter Straße wurde früher zur Kirmes ein nostalgisches Karussell mit Schweinchen, Pferden und Gondeln aufgestellt. Was viele nicht mehr wissen: An der Ecke Nieder-Wöllstädter/Florstädter Straße befand sich von 1600 bis 1829 ein Torhaus für die Gemeindeverwaltung. Der Durchgangsverkehr wurde über die »Alte Römerstraße« (jetzt »Hinter’m Alten Ort«) abgewickelt. In der Schmiede von Wilhelm Horn in der Florstädter Straße 32 baute Friedel Münch Ende der 1960er Jahre die »Münch Mammut«, das schwerste Motorrad der Welt. Gegenüber verkauften Emmi und Helmut Thiel Lebensmittel und daneben, im Hause Maul, steckt heute noch eine Kanonenkugel aus dem Siebenjährigen Krieg.

Am »Kirchgässi« befand sich einst das Kolonialwarengeschäft Roth. Bei Hochzeiten spannten Kinder im Gässchen ein Seil quer über den Weg, der erst freigegeben wurde, wenn der Bräutigam Pfennige übers Seil geworfen hatte. Das Geld wurde dann bei Roths gegen »Gutzjen« eingetauscht.

Nach drei Stunden war der Schulhof erreicht und die Spaziergänger beschlossen, den Gang durchs Oberdorf als Fortsetzung auf den kommenden Sonntag, 8. August, zu verlegen. Ab 15 Uhr trifft man sich bei Getränken auf dem Schulhof, los geht’s um 16 Uhr.

Die Teilnehmer des Grenzgangs füllten die Spendenkanne mit 877 Euro, die den Flutopfern in Ahrweiler zugutekommen soll. Bei schlechtem Wetter fällt die sonntägliche Fortsetzung des Grenzgangs aus. Wer sich unabhängig davon an der Spendenaktion beteiligen möchte, kann dies über die Bankverbindung des KuTV tun (IBAN: DE53518500790027018661).

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