Bibliotheksleiterin Birgit Bergmann im Friedberger Klosterbau.
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»Das BZK ist Treffpunkt, ein ganz wichtiger Lernort, Begegnungsstätte, ein Ort, an dem man Neues ausprobieren kann«, sagt Birgit Bergmann, die Bibliotheksleiterin. 

30 Jahre Bibliothekszentrum Klosterbau

Wo die Friedberger ihren Lesestoff beziehem

  • VonSophie Mahr
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Bücher entdecken, Lesungen besuchen, mit Freunden Spiele spielen - all das bietet das Bibliothekszentrum Klosterbau in Friedberg. Und zwar nicht erst seit gestern, sondern seit 30 Jahren.

Am 15. Februar 1991 wurde das Bibliothekszentrum (BZK) in der Friedberger Altstadt eröffnet. Bereits 1998 bekam der Klosterbau den Hessischen Bibliothekspreis verliehen. Eine Bibliothek gilt meist als ein Ort der Ruhe. Doch die Stille, die durch Corona herrscht, ist eine völlig andere. »Das BZK ist Treffpunkt, ein ganz wichtiger Lernort, Begegnungsstätte, ein Ort, an dem man Neues ausprobieren kann«, sagt Birgit Bergmann, die Bibliotheksleiterin. »Umso mehr schmerzen uns die leeren Räume während der Pandemie.« Viele Bibliotheken bieten einen Abholservice an, damit die Kunden weiterhin Bücher ausleihen können. So auch die Stadtbibliothek. Neben der Ausleihe gewünschter Medien kann man auch ein Überraschungspaket bestellen. »Dabei können Vorlieben zu bestimmten Genres wie Krimi oder Fantasyliteratur oder auch Themen wie ›Frankreich‹ genannt werden«, erläutert Bergmann. Die Mitarbeiter stellen dann ein individuelles Set zusammen.

Allein in der Bibliothek

Ende 2020 gab es kurzzeitig eine Aktion, bei der sich ein Leser für ungefähr 20 Minuten in der Bibliothek einschließen lassen konnte, um zu stöbern. Eine langjährige Kundin der Stadtbibliothek berichtet von diesem Erlebnis: »Ich lese sehr gerne, habe zu Hause aber nicht genügend Platz für so viele Bücher. Deshalb gehe ich regelmäßig in die Bibliothek. Als ich von der Aktion gehört habe, habe ich direkt mitgemacht«, sagt die Leserin. »Es war schön, sich in aller Ruhe umzugucken. Ich lese gerne Krimis und Psychothriller. Nachdem ich meine Bücher zusammen hatte, bin ich zum Scanner und habe sie verbucht. Das ist echt prima.«

Die automatische Medienverbuchung wurde 2019 eingeführt. Damit können Leser Medien an Verbuchungsterminals selbständig ausleihen und zurückgeben. »Es ist schlimm, dass die Bibliothek geschlossen hat. Da ich keinen Computer habe, kann ich nicht einfach Bücher vorbestellen. Sobald sie wieder öffnet, gehe ich direkt in die Bibliothek«, sagt die Leserin.

Für Kinder und Jugendliche sind Bücher und Spiele eine Möglichkeit, sich zu beschäftigen. Normalerweise ist die Spielecke in der Bibliothek gut besucht. Doch zur Zeit steht sie leer. Spiele können aber ausgeliehen werden, genauso wie Hörbücher für Kinder, die derzeit stark nachgefragt sind.

Im Lockdown wird in der Stadtbücherei umgebaut

Die Schließzeit der Bibliothek wird genutzt, um Projekte voranzutreiben. »Wir haben zum Beispiel den Sachbuchbereich im zweiten Obergeschoss übersichtlicher gestaltet. Unser Lernbereich bietet eine bessere Aufenthaltsqualität. Außerdem haben wir uns viele Gedanken zu neuen Veranstaltungen gemacht«, sagt Bergmann. »Mit sechs neuen Tablets werden wir unsere digitalen Angebote ausbauen. So wollen wir mit unseren Besuchern in das ›Coding‹, die PC-Programmierung, einsteigen.« Erste (Online)-Veranstaltungen soll es zu Ostern geben.

In den 30 Jahren ihres Bestehens hat die Stadtbibliothek viele Veranstaltungen ausgerichtet, um das kulturelle Leben in Friedberg für Kinder und Erwachsene ansprechend zu gestalten. So gab es die Bilderbuchwerkstatt, das Kinderliteraturfestival »Wetterauer Lesewelten«, Vorlesestunden, Führungen und Bastelnachmittage. Für Erwachsene gab es Veranstaltungen im Rahmen der Friedberger Kulturnacht, kulinarische Krimilesungen, den jährlichen Medienflohmarkt, Sprachgruppen für Geflüchtete, Lesungen und Theaterabende. »Gerade die Zusammenstellung unserer Veranstaltungen zeigt, dass das BZK so viel mehr ist als eine Leihbücherei«, sagt Bergmann.

Seit 2016 wird das BZK bei vielen Veranstaltungen vom Freundeskreis der Stadtbibliothek unterstützt. »Wir freuen uns schon sehr darauf, wenn wir unsere Türen wieder öffnen dürfen. Mit etwas Glück können wir vielleicht in der zweiten Jahreshälfte doch noch eine Jubiläumsfeier ausrichten.«

Archivleiter Lutz Schneider im Archiv des Friedberger Klosterbaus.

Modernste Technik im historischen Stadtarchiv

Zusammen mit der Bibliothek zog vor 30 Jahren auch das städtische Archiv in den Klosterbau ein. Die Aufgaben des Archivs sind vielfältig: bewerten, übernehmen und erschließen, erforschen, erhalten und bewahren, sammeln, vermitteln und darstellen sowie der Service für die Besucher, um es mal kurz zusammenzufassen. Neben dem Auskunftsdienst für die Friedberger Stadtverwaltung steht das Stadtarchiv allen Bürgern offen.

Auch im Archiv hat sich der Arbeitsalltag durch Corona verändert. Mit einem von der IT eingerichteten Laptop können Archivleiter Lutz Schneider und Mitarbeiter Patrick Weise auch im Homeoffice ihrer Arbeit nachgehen. Ebenso haben Online-Konferenzen und Webinare Einzug in den Arbeitsalltag des Stadtarchivs gefunden. In Kürze soll sogar die Recherche für Besucher von zu Hause aus ermöglicht werden. Zudem wurde der Lesesaal während der Schließung umgestaltet, berichtet Schneider.

Insgesamt ist das Archiv an vielen Projekten zur Digitalisierung beteiligt. Ende 2020 hat es sich zum Beispiel kurzfristig an dem Projekt »Wissenswandel - Digitalprogramm für Bibliotheken und Archive innerhalb von Neustart Kultur« des deutschen Bibliotheksverbandes beteiligt. »Gegenstand der Förderung sind Maßnahmen zur Schaffung und zum Ausbau nachhaltiger digitaler Angebote in öffentlichen Archiven und Bibliotheken, mit dem Ziel, ein vielfältiges Kultur- und Bildungsangebot zugänglich zu machen, unabhängig von der physischen Öffnung der Einrichtung«, sagt Schneider. Das Stadtarchiv habe einen Antrag auf Anschaffung eines Aufsichts-Scanners im Wert von 10 000 Euro gestellt, um damit als Pilotprojekt für weitere Digitalisierungsmaßnahmen die Urkundenbestände zu digitalisieren und für die Forschung und Nutzung zugänglich zu machen.

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