Die Fortsetzung der Kaiserstraßensanierung ist ein Punkt unter vielen, der im ISEK-Prozess gefordert wurde. Von jetzt auf gleich lassen sich solche Projekte aber nicht umsetzen. Schließlich müssen sie auch finanziert werden. FOTO: NICI MERZ
+
Die Fortsetzung der Kaiserstraßensanierung ist ein Punkt unter vielen, der im ISEK-Prozess gefordert wurde. Von jetzt auf gleich lassen sich solche Projekte aber nicht umsetzen. Schließlich müssen sie auch finanziert werden. FOTO: NICI MERZ

WIR: Stadtentwicklungsprozess war unbefriedigend

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
    schließen

Friedberg(jw/pm). Die Bürger wollen bei der Stadtentwicklung mitreden. Deshalb wurde der ISEK-Prozess (Integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept) initiiert. Das Bürgerbündnis WIR ist damit nicht zufrieden. WIR-Sprecherin Brigitte Mergner: "Der ISEK-Prozess war für viele Bürger von Friedberg unbefriedigend".

Die Bürger hätten den Eindruck, dass die gesammelten Antworten auf die Frage, wie die Stadt sich verändern muss, in den Schubladen verschwunden seien und von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des ISEK-Prozesses nicht mehr diskutiert werden könnten. "Mit der Befragung zur ehemaligen Kaserne steht es nicht anders. Das, was in der Zeitung veröffentlicht wurde, wäre auch ohne Bürgerbefragung so geschrieben worden."

Keine Diskussion mit den Bürgern

Zwei Büros wurden beauftragt, die Befragungen durchzuführen. Für das ehemalige Kasernengelände die BOH und für die Stadt die FIRU. Ihre Zusammenfassungen würden den Bürgern nicht mehr zur Diskussion vorgetragen. "Die Ergebnisse bekommen Parlamentarier zu sehen, und diese werden "Ja", "Nein" oder "Enthaltung" stimmen. Es gebe "keine Diskussion, keine Infragestellung, keine Lösungen für eine soziale Stadt, die in Zukunft Bestand haben kann".

WIR fragt, wo die Ideen geblieben seien, die im Rahmen des ISEK-Prozesses und der Online-Umfrage gesammelt wurden. "Werden sich aus den Umfragen Konzepte ergeben, welche die Stadt befähigt, sich den zukünftigen Anforderungen für Menschen und Klima anzupassen? Wo sind soziale Projekte? Wo ein Campus für Friedberger Jugendliche und Studenten? Wo ein Marktplatz für Direktverkäufe landwirtschaftlicher Produkte? Wo sind Projekte zur Bodenfrage? Wo der Maßnahmenkatalog und der Zeitplan zur Erreichung des notwendigen 1,5-Grad-Zieles des Pariser Abkommens?"

Der jetzige ISEK-Plan sei einer, "an dem Investoren verdienen und die Steuerzahlenden langfristig verlieren", glauben die WIR-Mitglieder. "Wir brauchen keine Investoren, die die Stadt an der Nase herumführen, wie bei der Immobilie Joh, wo der alleinige Zweck die Kapitalvermehrung zu sein scheint." Um dies zu verhindern und das Heft des Handelns in der Hand zu halten, müsse die Stadt das Joh-Gelände kaufen und über ein Erbpachtsystem vermarkten.

Wir fragt, wo die Ideen für die Stadt geblieben seien. "Im ISEK-Prozess gab es Vorschläge gegen die Überhitzung der Stadt, für die Luftzirkulation im neuen Quartier, soziale Räume, Mittelpunkte für Treffpunkte und ökologische Marktplätze, auch eine Zusammenarbeit mit der THM in Gestalt eines gemeinsamen Campus. Darüber hinaus gab es viele konkrete Vorschläge zu klimaverträglichen Mobilitätskonzepten in Friedberg einschließlich der Bahnhofsumgestaltung, der Abkehr von der Dominanz des Autoverkehrs in der Stadt. Breite Fahrrad- und Fußwege sollen die Straßen sicherer machen."

Es habe auch Ideen gegeben, die mit wenig Aufwand kurzfristig umgesetzt werden könnten, schreibt Mergner und nennt einen Anlaufpunkt für Bürgerinformationen auf dem Elvis-Presley-Platz, etwa in einem Bauwagen oder einer Weihnachtsmarkthütte. Auf weitere Sicht hält WIR die Einführung von projektbezogenen Bürger-Räten für sinnvoll.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare