Bei der Tafel ist noch kein Rückgang der Lebensmittelmenge festgestellt worden. Christel Klein reicht Körbe durch den abgesperrten Eingang.
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Bei der Tafel ist noch kein Rückgang der Lebensmittelmenge festgestellt worden. Christel Klein reicht Körbe durch den abgesperrten Eingang.

»Wir sind auch ein Lebensmittelversorger«

  • vonHarald Schuchardt
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Friedberg (har). Die Friedberger Tafel ist seit ihrer Gründung vor 14 Jahren bekannt für ihre sehr gute Organisation - und für ihren hohen Hygienestandard. Das hilft den gut 70 Tafel-Helfern gerade jetzt in der Corona-Krise. Und einen freudigen Anlass gab es dieser Tage auch noch.

»Natürlich machen wir weiter, solange man uns lässt. Schließlich sind wir ja auch ein Lebensmittelversorger. Das habe ich heute Vormittag auch schon einem Mitarbeiter des HR-Hörfunks in einem Telefoninterview gesagt«, teilt Tafel-Vorsitzender Peter Radl mit. Er hält sich gerade im Büro des Tafel-Ladens in der Kleinen Klostergasse 11 auf, während die Tafel-Helfer Mittagspause machen.

Der Hygienestandard bei der Friedberger Tafel ist schon immer sehr hoch. Alljährlich stehen Hygieneschulungen auf dem Programm. Jeder Helfer hat einen Gesundheitspass, Einweghandschuhe sind beim Sortieren der angelieferten Ware und bei der Ausgabe Pflicht - und Desinfektion ist selbstverständlich. »Wir beziehen Desinfektionsmittel und Einweghandschuhe über einen Großhändler. Selbst wenn dieser nicht liefern könnte, dann könnten wir noch einige Wochen weitermachen«, erläutert Radl.

Geändert wurde ab Montag die Ausgabe der Lebensmittel. Die Kunden müssen jetzt vor dem Tafel-Laden warten, und immer nur ein Kunde darf in den Vorraum eintreten. Die beiden Zugänge in den Laden wurden mit Tischen verstellt, sodass der Mindestabstand zwischen Tafelhelfer und Kunden gewährt ist. An einem Tisch befindet sich die Kasse, auf dem zweiten Tisch werden die vorher für jeden Kunden individuell gepackten Körbe abgestellt. Der Kunde packt dann um und kann noch Wünsche äußern. Der Blick auf den »Bauchladen«, das Zusatzangebot für die Kunden, ist frei. »Ich brauche Brot«, sagt Gerhard Schulz (Name geändert). Der Rentner ist seit vier Jahren Tafel-Kunde und findet die Vorsichtsmaßnahmen durchaus gerechtfertigt. Der Ansicht ist auch Tafel-Helferin Christel Klein: »Ich habe keine Angst. Wir schützen uns gut.« Auch dass die Kunden nun etwas länger warten mussten, findet Schulz völlig in Ordnung. Jeder Kunde der Friedberger Tafel hat ein festes Zeitfenster, in dem er im 14-tägigen Rhythmus seine Lebensmittel erhält und dafür einen kleinen Obolus zahlt.

»Wir haben bisher erst drei Kunden, die wegen Corona abgesagt haben, darunter ein älteres Ehepaar, das seine Wohnung nicht mehr verlassen will«, erzählt Radl. Auch bei den Helfern gibt es kaum Ausfälle. »Am Freitag hat eine Helferin abgesagt, sie fühlte sich unsicher. Das akzeptieren wir natürlich.« Einen Rückgang an gespendeten Lebensmitteln hat Radl nicht festgestellt. Nur beim Brot ist es etwas weniger geworden. Vor allem für haltbare Waren wäre die Tafel dankbar.

Daher sieht Radl die »Hamsterkäufe« kritisch - und er hat eine Bitte: »Wer merkt, dass er zu viel gehamstert hat, der kann die Hamsterware gerne zu uns bringen.«

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