Mit ihrem Modern-Folk rocken Tine Lott und Thomas Richter den Friedberger Rathauspark.		FOTOS: LONI SCHUCHARDT
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Mit ihrem Modern-Folk rocken Tine Lott und Thomas Richter den Friedberger Rathauspark. FOTOS: LONI SCHUCHARDT

»Wir leben wieder«

  • vonHarald Schuchardt
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Friedberg (har). »Wir reden heute nicht über Corona«, sagte Sängerin, Gitarristin und Bluesharp-Spielerin Tine Lott vom Duo »TITO« zu Beginn ihres Konzerts am Samstagabend im Rathauspark. Für die Büdingerin und ihren musikalischen Partner, den Bassisten und Sänger Thomas Richter, war der Auftritt in der Reihe »Sommer im Rathauspark - schwere Zeiten - leichte Unterhaltung« das erste Engagement seit Anfang März.

»Für mich hat es sich angefühlt, als hätte ich eine jahrelange Pause gehabt«, sagte Lott und fügte impulsiv hinzu: »Es ist einfach schön, hier zu sein.« Die Vollblutmusikerin dankte Veranstalter Harry Thyssen, mit dem sie eine lange Freundschaft verbindet. Der wiederum hatte zuvor die gut 70 Besucher begrüßt, die auf ihre Plätze eingewiesen worden waren. Die Abstandsregelungen in dem weitläufigen Park einzuhalten, war allerdings kein Problem.

Thyssen dankte den Sponsoren, »denn ohne finanzielle Unterstützung könnten wir die Reihe in so einem kleinen Rahmen nicht durchführen«. Passend zum Sommerwetter und dem fast südländischen Ambiente eröffnete das Duo mit dem spanischen »Gracias a la vida« das Konzert. Schon hier zeigte sich die Spielfreude des Duos. »Wir kommen langsam wieder rein«, witzelte Richter, um dann mit Lott und den Besuchern ins »80er-Jahre-Fieber« zu verfallen. Cindy Laupers »Girls just wonna have fun« wurde begeistert mitgesungen, ebenso wie »Here comes the rain again« von Annie Lennox. »Ich wollte immer mal so eine Kurzfrisur wie Annie haben«, meinte Lott.

Eine spontane Umfrage ergab, dass gerade mal eine Handvoll Besucher das Duo nicht kannte. Denen wurde schnell klar, was »TITO« unter »Modern Folk« versteht. Da werden bekannte Popsongs frisch interpretiert, wobei beide Musiker mit ihrem hervorragendem Gitarren- und Bassspiel ebenso begeistern wie mit ihrem Gesang.

Zum »Heart of Gold« von Neil Young spielt Lott Bluesharp. Was bei den beiden möglich ist, zeigt sich bei Hits von Depeche Mode. »Das geht auch ohne Elektronik«, erklärt Lott, die im zweiten Teil mit Gianna Nanninis »I Maschi« begeistert. »Das Lied passt in diese Zeit, Maschi heißt Maske«, erläutert die Musikerin, die auch Be- sucherwünsche erfüllte, wozu gefühlvolle Songs von Joan Baez und Cat Stevens gehörten.

Gesang und Chor aus einer Kehle

Auch moderne Technik kommt zum Einsatz. Lott demonstriert bei »Stand by me«, wie die Loop-Technik dafür sorgt, dass sie selbst zu ihrem eigenen Begleitchor wird. Die Besucherschar ist begeistert und singt den Klassiker von Ben E. King lautstark mit.

Wie groß die Bandbreite des Duos ist, zeigte sich am Ende des Abends. Mit dem Hit »Kompliment« der Sportfreunde Stiller wagte das Duo den Schritt in die aktuelle Welt des Pop. »Ich wollte dir nur mal eben sagen, dass du das Größte für mich bist«, heißt es in dem Song, und für die beiden Musiker war dieser Auftritt vor einem begeisterten Publikum das Größte, wie sie versicherten. Das nahmen die Besucher den beiden sofort ab. Besinnlich und stimmungsvoll ging der Abend schließlich zu Ende. Der Zugabe »Bright Eyes« von Art Garfunkel folgte Leonard Cohens »Halleluja« - noch eine Spur leiser gesungen, und die hervorragenden Lichttechniker von Floodwave aus Ockstadt schufen eine harmonische Atmosphäre im idyllischen Rathauspark. Das alles fasste Richter so zusammen: »Wir leben wieder. Ihr habt uns das Gefühl gegeben, dass wir wieder Musiker sind.«

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