Auf einer riesigen Fläche am Steinkopf, die von Friedberg aus gut zu erkennen ist, mussten alle Kiefern wegen Borkenkäferbefalls gefällt werden. Ein Platz für Windräder? FOTOS: KLAUS KISSEL
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Auf einer riesigen Fläche am Steinkopf, die von Friedberg aus gut zu erkennen ist, mussten alle Kiefern wegen Borkenkäferbefalls gefällt werden. Ein Platz für Windräder? FOTOS: KLAUS KISSEL

"WIR" fordert neun Windräder

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
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Friedberg(jw/pm). Nach den Aktivisten der Gruppe "Querstellen-Friedberg" hat auch das Bürgerbündnis "WIR" den Entwurf des B-Planes zum Winterstein als "Verhinderungsplanung" kritisiert. WIR fordert statt drei den Bau von mindestens neun Windrädern.

In einer Stellungnahme zum B-Plan "Natur- und Erholungsgebiet Winterstein" der Städte Friedberg und Rosbach sowie der Gemeinden Ober-Mörlen und Wehrheim schreibt "WIR", das vom Land Hessen und der Regionalplanung als "Vorranggebiet" für den Bau von Windenergieanlagen (WEA) gekennzeichnete Gebiet auf dem Wintersteinkamm gehöre zu den "windeffizientesten Gebieten in Südhessen". Der Bau weiterer WEA in Hessen sei dringend geboten, um die Energiewende und somit den Klimaschutz ein erhebliches Stück voranzubringen.

Mitglieder von "WIR" überzeugten sich bei einer Begehung vom Zustand des Waldgebietes im Bereich des Wintersteins. Die Schädigung des Waldes durch den fortschreitenden Klimawandel habe hier sichtbar zu "katastrophalen Auswirkungen" geführt. Dürre- und Hitzeschäden an Bäumen und Böden, ein flächenhaftes Absterben der Fichten, ein sichtbares Absinken der Bodenfeuchtigkeit und des Grundwasserspiegels mit dem Trockenfallen zahlreicher Quellen sowie Schäden durch Abgase und Luftschadstoffe.

Die Folgen davon seien das schnellere Umfallen der Bäume bei Starkwinden und Stürmen sowie der Befall der Bäume durch Borkenkäfer und andere Schädlinge. Riesige Flächen mussten und müssen noch abgeholzt werden. Das führt zu weiterem Artensterben, denn der natürliche Lebensraum von Tieren und Pflanzen wird zerstört.

Mehr Flächen für Windkraft geeignet

"WIR"-Sprecher Klaus Kissel: "Die Bodenerosion nimmt zu, was dazu führt, dass bei starken Niederschlägen die Erde weggeschwemmt wird und weniger Wasser im Boden aufgenommen werden kann. Zusätzlich tritt die Gefahr von Erdrutschungen auf." Die Aufnahme von CO2 durch den Wald verringere sich, gleichzeitig vermindere sich die Sauerstoffproduktion. "Und insgesamt reduziert sich die Fläche des Erholungsgebiets."

Nach der Begehung stellten die "WIR"-Mitglieder fest, dass erheblich mehr Flächen als potenzielle Standorte für Windräder zur optimalen Nutzung des Windes geeignet seien. Es seien auch keine zusätzlichen Einschnitte im Wald erforderlich, da weit mehr als die potenziell benötigten Flächen entwaldet seien, was auch für die weitere Flora und für den größten Teil der Fauna gelte.

Kissel beklagt: "Statt die Chance zum Bau eines größeren Windparks zu nutzen, wollen die politischen Mehrheiten in den beteiligten Kommunen mit einer Vielzahl von Einschränkungen den Bau und Betrieb von mehr als drei Windenergieanlagen verhindern." Horst Weitzel ergänzt: "Vor allem die Begrenzung der Betriebsdauer der WEA auf maximal 30 Jahre zeugt davon, dass es den beteiligten Städten und Gemeinden nicht um eine Förderung regenerativer Energieerzeugung als Teil der Energiewende und als wichtige Maßnahme zum Klimaschutz geht. Als ob nach 30 Jahren kein Klimaschutz mehr nötig wäre."

In einer Einwendung zum Vorentwurf des Bebauungsplanes fordert "WIR" die Ausweisung von mindestens neun bis zwölf Sondergebieten für WEA innerhalb des Vorranggebietes für Windenergieanlagen. Außerdem fordert "WIR" die Aufhebung der Einschränkungen hinsichtlich Größe, Leistungsstärke und Nutzungsdauer der Windernergieanlagen.

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