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»Wir arbeiten nicht für Geld, sondern für Gott« - rumänisch-orthodoxe Kirchengemeinde in Friedberg

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Von: Sophie Röder

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In den Kirchenräumen des Friedberger »Wellenhauses« hält Priester Parloaga regelmäßig Gottesdienste für seine rumänisch-orthodoxe Gemeinde. © Nicole Merz

Seit Oktober hat die rumänisch-orthodoxe Gemeinde ihre eigenen Kirchenräume im »Wellenhaus« in der Wintersteinstraße in Friedberg. Doch das Gemeindeleben findet nicht nur dort statt.

»Wir wollen den Platz mit Leben füllen«, sagt Priester Victoras Parloaga. Im Oktober ist die rumänisch-orthodoxe Gemeinde in die Räume des Friedberger »Wellenhauses« eingezogen. Im Zuge des Hausverkaufs war es der Wunsch der evangelischen Gemeinde gewesen, dass die Kirchenräume erhalten bleiben. »Das war für uns sehr gut«, sagt Parloaga. »Wir möchten gerne die Gemeinderäume kaufen und hier bleiben.« Denn nun habe seine Gemeinde eine feste Anlaufstelle. Zuvor habe er die Gottesdienste in anderen Kirchen - zum Beispiel in Rosbach oder in der Friedberger Stadtkirche - abgehalten.

Jeden Sonntag rumänisch-orthodoxer Gottesdienst im Friedberger »Wellenhaus«

Parloaga sagt, er habe 2019 vom Metropoliten Serafim, dem Erzbischof der rumänisch-orthodoxen Gemeinde für Deutschland, die Aufgabe bekommen, eine Gemeinde zu gründen. Denn die Zahl der Gläubigen wachse. Parloaga, der im März 2019 nach Deutschland kam, gründete die rumänisch-orthodoxe Gemeinde Friedberg. Die umfasse derzeit etwa 200 Mitglieder, die über viele Orte verteilt lebten. »Sie kommen aus der Wetterau und dem Hochtaunuskreis.« Doch anders als bei anderen christlichen Gemeinden sei sein Amt ein Ehrenamt, so dass er unter der Woche noch seinem Beruf nachgehe. Als Priester ist Parloaga bereits seit 1997 tätig.

Der Hauptgottesdienst, die göttliche Liturgie, findet sonntags immer ab 9 Uhr statt. »Die göttliche Liturgie läuft nach dem östlichen orthodoxen Ritus, gemäß den Vorgaben der rumänischen-orthodoxen Kirche ab, wobei wir als sakramentale Institution von der katholischen und evangelischen Kirche anerkannt wurden«, sagt Parloaga. Diese Gottesdienste dauern rund eineinhalb Stunden. »Zusätzlich werden auch andere Gottesdienste abgehalten, wie zum Beispiel ab und an samstags um 18 Uhr die Abendmesse, oder vor den Festtagen. Diese dauert ca. eine Stunde.« Hinzu kämen die Gottesdienste für die heiligen Sakramente - Taufe und Eheschließung - die im orthodoxen Ritus eine wichtige Rolle spielten.

Rumänisches Leben in der Wetterau: Unterstützung über Facebook und Whatsapp

»Doch das Gemeindeleben besteht nicht nur aus Gottesdiensten«, sagt der Priester. »Wir machen auch viel Freiwilligenarbeit. Wir arbeiten hier nicht für Geld, sondern für Gott.« So unterstützten sich die Gemeindemitglieder gegenseitig bei der Integration. Viele seien 2017 nach Deutschland gekommen und wollten hier bleiben. Doch die deutsche Sprache zu erlernen und sich im hiesigen Bürokratiesystem zurechtzufinden, sei nicht so einfach. Und gemeinsam sei es leichter.

Da die einzelnen Mitglieder über den Wetterau- und Hochtaunuskreis verteilt lebten, kommuniziere man viel über Facebook und Whatsapp. »Dort frage ich, wer Probleme hat und was es für Wünsche für den Gottesdienst gibt.«

Zudem bietet Parloaga, der bei der Organisation von fünf bis sechs Mitgliedern unterstützt wird, auch viele Aktivitäten für Kinder an. So haben sie für die Räume im »Wellenhaus«, die seit der Übernahme ansonsten unverändert sind, ein Piano erworben, um mit ihnen zu musizieren. Die meisten Mitglieder seien - anders als in Rumänien, wo sie im Schnitt deutlich älter seien - im Alter von 35 bis 45 Jahren und hätten auch Kinder. Die Kinder hätten sich schon gut integriert. Für sie sei die Gemeinde ein guter Ort, um die rumänische Sprache nicht zu verlernen.

Rumänisch-orthodoxe Gemeinde Friedberg plant kulturelle Veranstaltung

Parloaga plant für die Zukunft auch eine Veranstaltung: »Wir wollen unseren deutschen Mitbürgern zeigen, wie Rumänen leben. Wir wollen ihnen die Folklore, die Sprache und die Kultur näher bringen.« Ein Termin steht noch nicht fest, da man auch die Corona-Lage berücksichtigen will. Aktuell stehen die Stühle in der Kapelle weiter auseinander und am Eingang steht Desinfektionsmittel bereit. Zurzeit können sonntags 25 bis 30 Personen an den Gottesdiensten teilnehmen.

»Seit Gründung unserer Gemeinde habe ich einen besonderen Enthusiasmus erlebt. Die Zahl der Gläubigen, die zur Kirche kommen, variiert und steigt gleichzeitig. Die Personen in Friedberg, der Wetterau und aus dem Taunus wünschen sich religiöse Dienste in ihrer Nähe, so dass sie nicht mehr zu anderen Orten fahren müssen.«

INFO: Rumänische-Orthodoxe Kirche-Patriarchat

»Das rumänische-orthodoxe Kirchen-Patriarchat von Rumänien ist mit ungefähr 17 Millionen Mitgliedern die zahlenmäßig zweitgrößte orthodoxe autokephale Kirche in der Welt«, sagt Priester Parloaga. Ihr gehörten etwa 87 Prozent der rumänischen Bevölkerung an. Inzwischen gebe es mehrere Auslandsbistümer. »Eine Metropolie für Frankreich und den Mittelmeerraum und seit 1993 auch eine rumänisch-orthodoxe Metropolie für Deutschland, Zentral- und Nordeuropa mit Sitz in Nürnberg.« Die Metropolie für Deutschland, Zentral- und Nordeuropa ist eine Kirchenprovinz des rumänisch-orthodoxen Kirche-Patriarchats von Rumänien. Sie hat ihren Sitz seit 2001 in Nürnberg und ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts. Unter dieser steht auch die Kirchengemeinde Friedberg seit dem 15. April 2019.

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