Die Silhouette des Steinkopfs im Winterstein-Taunuskamm wird sich ändern. Drei Windräder sollen dort gebaut werden, mindestens.		FOTO: NICI MERZ
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Die Silhouette des Steinkopfs im Winterstein-Taunuskamm wird sich ändern. Drei Windräder sollen dort gebaut werden, mindestens. FOTO: NICI MERZ

Offenlage beschlossen

Winterstein-Pläne: Drei oder mehr Windräder

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
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Bürger, Behörden und sonstige »Träger öffentlicher Belange« sollen Stellung nehmen zum Bebauungsplan »Natur- und Erholungsgebiet Winterstein«. Drei Windräder könnten dort gebaut werden.

Wird im Stadtparlament über den geplanten Windpark am Winterstein diskutiert, prallen die Meinungen frontal aufeinander. Aber wer will eigentlich was? Versuchen wir eine Zusammenfassung: Grüne und Linke sind klar für die Windräder, wollen sogar mehr als nur drei Anlagen. Was die SPD will, wüsste so mancher gerne. Die CDU ist offiziell für die Windräder, tatsächlich aber eher nicht. FDP und UWG lehnen die Windräder ab; es steht zu befürchten, dass sich Achim Güssgen-Ackva an eine Eiche kettet, sollten die Betonfundamente gegossen werden. Was aber, wie Güssgen-Ackva einwenden würde, nie der Fall sein wird, weil dort oben nunmal keine Windräder hingehörten.

Der Bebauungsplan »Natur- und Erholungsgebiet Winterstein« sieht Flächen für drei Windkraftanlagen vor, zwei auf Friedberger Gemarkung, eine auf Rosbacher. Außer der Festlegung dieser Standorte verfolgt der B-Plan weitere Ziele: die Einrichtung von Biotopen, einen Naturlehrpfad, einen Flowtrail für Mountainbiker, Wanderwege sowie Freihaltezonen zum Schutz des Weltkulturerbes Limes und der Kapersburg. Diese Ziele sind weitgehend unstrittig, die Windräder indes sorgen stets für hitzige Diskussionen im Stadtparlament.

Die Grünen werfen den anderen Fraktionen eine »verhinderungsplanung« vor. Ihr Fraktionsvorsitzender Florian Uebelacker hatte eine großformatige Karte des Gebiets mitgebracht; die Karte in der Verwaltungsvorlage konnte nur am Mikroskop studiert werden. »Wir stellen uns drei oder vier Windräder auf Gemeindegebiet vor. Damit kann sich die Stadt am Klimawandel beteiligen.« Der Bundesforst habe auch viele mögliche Flächen. Ziel müsse es sein, im Winterstein Windenergie mit Naturschutz und Freizeitnutzung zu verbinden.

Offenlage: Bürger sind gefragt

Der B-Plan, über dessen Offenlage die Stadtverordneten zu entscheiden hatten, habe viele Schwachpunkte, sagte Uebelacker. So sei die Festlegung auf eine Nabenhöhe von 140 Metern rechtlich nicht haltbar. »Wir werden viele Einwendungen haben«, kündigte Uebelacker an. Die momentanen Festlegungen seien »der Versuch der Stadt, den Standort so schlecht zu machen, dass kein Betreiber von Windkraftanlagen Interesse hat, dort welche zu errichten.«

Sven Weiberg (Linke) sagte, die »Befürworter der Klimakatastrophe« wollten »so weit es irgendwie geht Windkraft verhindern«. Drei Anlagen für das flächenmäßig größte Windvorranggebiet im Gebiet des Regionalverbandes Frankfurt/Rhein-Main, das sei einfach zu wenig. Werde Windkraft verhindert und die Klimakatastrophe nicht gestoppt, sei der Wald letzlich der Leidtragende. Und für jene, die der Windkraft die Photovoltaik vorziehen, machte Weiberg eine Rechnung auf: Um den Strom von sechs Windräder zu erzeugen, müsste das anderthalbfache der Gamarkung Ockstadt mit Photovoltaikzellen zugebaut werden.

Gegenwind kam von der FDP. Was Grüne und Linke forderten, sei »der Einstieg in die Zerstörung des Wintersteins«, sagte Achim Güssgen-Ackva und übte sich in martialischen Bildern: »Bevor ich für die Windkraft die Hand hebe, soll sie mir lieber abfallen.«

So war es an Patrick Stoll (CDU), für mehr Besonnenheit zu plädieren. Bei den voherigen Ausführungen fehlten ihm »Maß und Mitte«: »Nicht ganz Australien ist abgebrant, wir sind keine Befürworter der Klimakatastrophe und auch keine Zerstörer des Wintersteins«, und hier und heute gehe es lediglich darum, den B-Plan zur Offenlage zu bringen. Grüne und Linke könnten sich gerne mit Einwendungen daran beteiligen.

Die Offenlage des B-Plans »Winterstein« wurde mit den Stimmen von CDU, SPD und einem UWG-Abgeordneten beschlossen; Grüne und Linke votierten mit Nein, es gab drei Enthaltungen.

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