agl_wz_map_WindkraftWint_4c
+
agl_wz_map_WindkraftWint_4c

Symbolisches Windrad

Windkraft-Befürworter mit Aktion auf dem Winterstein bei Friedberg und Rosbach

  • VonMatthias Pieren
    schließen

Fürsprecher der Windenergie auf dem Wintersteinkamm nahe Friedberg und Rosbach haben am Sonntag ein Zeichen gesetzt - mit Wanderung und Windrad.

Wer sich zum allerersten Mal auf dem »Mainzer Kopf« befindet, wird diese rund 420 Meter hohe, kahle Kuppe auf dem Wintersteinkamm nahe Friedberg und Rosbach womöglich als idealen Standort für eine Windkraftanlage ausmachen. Hinter ein paar letzten Bäumen, die nicht dem infolge des Fichten-Sterbens erfolgten Kahlschlag zum Opfer gefallen sind, fällt der Blick hinab auf die weite Wetterau. Auch die Hochhäuser der Frankfurter Skyline stehen im Fokus einer neuen Blickachse hinab in die Rhein-Main-Ebene, die bis vor wenigen Jahren wegen des einst dichten Nadelwaldes noch gar nicht möglich gewesen ist.

Wegen der Dürre in den Sommern 2018 bis 2020 fielen die Fichten dem unstillbaren Hunger von Myriaden von Borkenkäfern anheim, die ganzen Beständen den Garaus machten. Wenn hier oben der Wind weht, dann aber richtig - in rund 200 Metern Höhe umso mehr, weil dort - also rund 620 Meter über dem Meeresspiegel - dem Wind nichts mehr im Wege steht.

Etwa 130 bis 150 Menschen folgten am Sonntagnachmittag dem Aufruf des »Bündnisses Windpark Winterstein«, an einer Sternwanderung mit drei Startpunkten und dem Ziel »Mainzer Kopf« teilzunehmen Dort wurde ein symbolisches Windrad - Nabenhöhe drei Meter, Radius des Rotors 1,25 Meter, Material: Holz - aufgestellt (diese Zeitung berichtete vorab). Zum »Bündnis Windpark Winterstein« haben sich 28 Initiativen, Vereine und Parteien aus dem Wetteraukreis und dem Hochtaunuskreis zusammengeschlossen.

Wenn Joseph Beuys das sehen würde

Nach dem Aufstellen des symbolischen Windrades zog der erste Redner Parallelen zur Kunst. »Einer der Gründungsmitglieder der Grünen war Joseph Beuys. Er hätte heute gewiss seine Freude an dem Windrad aus Holz, passt es doch eigentlich wunderbar an sein erweitertes Kunstverständnis«, sagte Hans-Dieter Wagner von der Initiative »Querstellen-Friedberg«. Und Dr. Werner Neumann, Vorsitzender des BUND-Kreisverbandes in der Wetterau, rief den Demonstranten zu: »Wir erleben heute eine in Deutschland wohl einmalige Demo pro Windkraft, und wir setzen ein Zeichen dafür, dass hier bald Windenergie gewonnen wird.« Neumann erinnerte an die Zeit vor zehn Jahren, als nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima alle Parteien das Aus für die Atomkraft besiegelt hätten. Heute sei bekanntlich auch der Kohleausstieg beschlossene Sache. Die Politik in der Wetterau mache sich zum Fürsprecher »der veralteten Stromkonzerne«, kritisierte Neumann.

Cellarius sieht Platz für 15 bis 20 Windkraftanlagen

Der Applaus der 150 Demonstranten pro Windkraft weckte Erinnerungen an die Zeit der Anti-Atomkraft-Bewegung. Brigitta Nell-Düvel und Dr. Martin Düvel (beide Grüne) unterstützen diese bereits jahrzehntelang. »Wir waren bereits früher zusammen bei den Anti-AKW-Demos in Biblis. Heute und hier wollen wir ein Zeichen setzen und uns auch in unserer Region aktiv für die Realisierung der Energiewende einsetzen«, sagte Nell-Düvel als ehrenamtliche Kreisbeigeordnete. Ihr Mann, heute Stadtrat in Bad Nauheim, demonstrierte nach eigenen Worten bereits in den 80er Jahren als Mitglied bei »Ärzte gegen den Atomkrieg« gegen die Wiederaufbereitungsanlage Wackersdorf. Der Vorsitzende der BUND-Ortsgruppe Rosbach, Uwe Steib, sagte gegenüber dieser Zeitung; »Gewiss sind Windkraftanlagen optisch nicht optimal. Doch wie soll der Kohle- und Atomkraftausstieg anders gelingen, wenn man nicht zugleich die Windkraft und die Solarenergie ausbaut.«

Mit vor Ort war auch Carl Cellarius, Mitbegründer der Grünen im Wetteraukreis. Er zeigte dieser Zeitung eine Detailkarte des Wintersteinkamms, auf der - nach ursprünglichem Stand - im Vorranggebiet sechs Windräder eingetragen sind. Cellarius: »Wenn es nach mir geht, wäre hier ausreichend Platz für 15 bis 20 Windkraftanlagen.«

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare