Für ein friedliches Miteinander: Stadtverordnetenvorsteher Hendrik Hollender, Bürgermeister Dirk Antkowiak, Erste Stadträtin Marion Götz (Mitte, v. l.) und die Mitglieder des Sozialausschusses präsentieren das neue Schild.
+
Für ein friedliches Miteinander: Stadtverordnetenvorsteher Hendrik Hollender, Bürgermeister Dirk Antkowiak, Erste Stadträtin Marion Götz (Mitte, v. l.) und die Mitglieder des Sozialausschusses präsentieren das neue Schild.

ISEK-Bericht

Wie sich Friedberg entwickeln soll: Schlüsselvorhaben vorgestellt

  • Jürgen Wagner
    VonJürgen Wagner
    schließen

Der ISEK-Prozess zur Friedberger Stadtentwicklung soll nicht wie der Agenda-Prozess im Sande verlaufen. Am Dienstagabend wurde den Stadtverordneten der Abschlussbericht vorgestellt.

Friedberg – Der Integrierte Stadtentwicklungsprozess (ISEK) in Friedberg scheint ins Stocken geraten zu sein. Dafür gibt es einen Grund. Als der Prozess 2018 startete, war die Stadthalle proppenvoll. Als die Städteplanerin Sabine Herz vom Raumplanungsbüro FIRU am Dienstag den Abschlussbericht vorstellte, saßen außer den mit Mund-Nasenmaske bestückten Stadtverordneten nur wenige Zuschauer im Saal. Eine Abschlussveranstaltung mit den Bürgern soll es 2022 geben, sagte Ann Kathrin Magic, die neue Abteilungsleiterin für Stadtplanung im Rathaus.

Rund 260 Seiten dick ist der Stapel Papier. »Handlungsfelder«, »Zielvorgaben«, »Leitbilder« werden definiert, Ideen für die Zukunft der Stadt gesammelt. Herz stellte zehn »Schlüsselvorhaben« vor, samt einer Einschätzung, wann diese Projekte starten sollen. Drei Klassen gibt es: kurzfristig (bis drei Jahre), mittelfristig (vier bis zehn Jahren), langfristig.

Bei den Schlüsselvorhaben wurden Priorisierungen vorgenommen. Vorrang haben die Kaiserstraßen-Sanierung, Umbau des Bahnhofs, Fußgänger- und Radwege-Konzept und Kaserne. Verbesserungswürdig seien die Kommunikationsstrukturen in der Stadt, sagte Planerin Herz. Manches, was gefordert wird, ist im Rathaus längst in der Mache. So wurde die Stelle in der Wirtschaftsförderung wieder besetzt.

Stadtentwicklung Friedberg: Touristen-Info soll ins Joh-Gebäude ziehen

In Sachen Tourismus wird eine Touristen-Info gefordert (derzeit in der Stadthalle angesiedelt). Auch hier ist das Rathaus längst aktiv geworden. Wie Bürgermeister Dirk Antkowiak (CDU) zuvor in der Sitzung des Sozialausschusses berichtete, hält der neue Joh-Investor der Stadt im Erdgeschoss des Gebäudes ein Ladenlokal frei. Im Ausschuss war gefordert worden, die Stadt solle bis dahin eine Übergangslösung finden.

Die weiteren Schlüsselvorhaben lauten »Altstadt und historische Ortskerne«, »Klimaschutzkonzept« und »Seewiese«. Zu allen Themen gibt es Ideen, die in den Arbeitsgruppen von Bürgern ausgetüfftelt wurden. Herz stellte auch das Mobilitätskonzept vor, aus dem hervorgeht, dass in Friedberg nach wie vor der Kfz-Verkehr dominierend ist.

Was ist zu tun? Beispiel Verkehr: Das Tempo-Niveau soll gesenkt werden; der Straßenraum soll für alle Verkehrsteilnehmer gerechter aufgeteilt werden; es soll ein Parkleitsystem geben; Car-Sharing-Modelle und Barrierefreiheit für Fußgänger werden gefordert.

Stadtentwicklung: Friedberg lehnt Tunnel nach Fauerbach ab

Ann Kathrin Magic hat den ISEK-Prozess von Anfang an begleitet. Ihr Fazit: »Es haben viele Bürger mitgemacht, die schon bei der Agenda 21 dabei waren.« Obwohl die Erfahrungen damals negativ gewesen seien und weil vieles nicht umgesetzt wurde. Aber wie will die Stadt verhindern, dass der ISEK-Bericht nicht zum Papierflieger wird oder in der Schublade verstaubt? Dr. Andreas Stefansky, der neue Leiter des Amtes für Stadtentwicklung, Liegenschaften und Rechtswesen, überraschte die Stadtverordneten mit einem Vorschlag. Er bot den Fraktionsvorsitzenden »Kamingespräche« an: In einer Art Workshop ohne formale Bindung wolle man ergebnisoffen diskutieren. Stefansky warb für die Testphase auf der Kaiserstraße, bei der unter wissenschaftlicher Begleitung verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten (Einbahnstraße, Fußgängerzone etc.) ausprobiert werden sollen.

In einem anderen Punkt bezog er klar Stellung: Einen Durchstich nach Fauerbach werde es in absehbarer Zeit nicht geben. »Das würde die Stadt einen mittlerern zweistelligen Millionenbetrag kosten.« Stefansky hat klare Vorstellungen, was in welchem Zeitraum erledigt werden kann. Den Plan dazu will er den Stadtverordneten im Bauamt präsentieren; die Tabelle ist so groß, dass zur Präsentation mindestens die Hälfte des dortigen Flurs benötigt wird.

Verschönerung der »Kleinen Freiheit« geplant

Um Stadtentwicklung ging es auch im Ausschuss für Jugend, Soziales, Senioren, Sport und Kultur. Die SPD hatte angeregt, auf der »Kleinen Freiheit« Skulpturen aufzustellen und so die Geschichte der Stadt zu illustrieren. Mark Bansemer sagte, es handele sich um ein langwieriges Projekt. Er kann sich ein Crowdfunding vorstellen, um das Geld dafür zu sammeln. Das Projekt ist in einem Anfangsstadium, noch schwirren die Ideen lose durch den Raum. Stadtverordnetenvorsteher Hendrik Hollender (CDU) regte an, nicht nur auf der »Kleinen«, sondern auch auf der »Großen Freiheit« vor der Burg Figuren aufzustellen: Burg- und Stadtbewohner könnten hier aufeinandertreffen. Um die Sache konkreter zu machen, sollen für die nächste Ausschusssitzung der Kunstprofessor Peter Schubert und Lothar Kreuzer, Vorsitzender des Geschichtsvereins, als Experten eingeladen werden. Kulturamtsleiterin Christine Diegel (vormals Böhmerl) versprach, bis dahin werde man auch klären, ob der Untergrund der »Kleinen Freiheit« geeignet ist, um Skulpturen aufzustellen. Ein weiterer Beschluss: Friedberg und Bad Nauheim setzen ein Zeichen für ein friedliches Miteinander. Die Städtepartnerschaftsschilder an den Ortseingängen erhalten ein Zusatzschild mit der Aufschrift »Gegen Antisemitismus und Rassismus! Für Vielfalt und ein friedliches Miteinander«. Der Sozialausschuss sprach sich einstimmig dafür aus. Lediglich Timo Haizmann (UWG) enthielt sich der Stimme. Die UWG halte dies für »reine Symbolpolitik«, sagte Haizmann.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare