Die Wolfer Jäger haben am Samstag ein Rehkitz gefunden. Jagdpächter Hans-Dieter Stehr hat das Kitz mit Handschuhen und Gras abgesichert, es geborgen und in Sicherheit gebracht.
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Die Wolfer Jäger haben am Samstag ein Rehkitz gefunden. Jagdpächter Hans-Dieter Stehr hat das Kitz mit Handschuhen und Gras abgesichert, es geborgen und in Sicherheit gebracht.

Jungtiere in Gefahr

Wetterauer Jäger und Bauern retten Rehkitze vor dem Tod - Nicht nur Mäher sind gefährlich

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Ihr fehlender Fluchtreflex wird Rehkitzen oft zum Verhängnis. Eine Gefahr sind Mähwerke aber auch Streicheleinheiten können tödlich enden.

Beim Mähen von Wiesen besteht besonders beim ersten Schnitt die Gefahr, dass Wildtiere »vermäht« werden. Insbesondere Rehkitze sind gefährdet, da sie in den ersten Tagen reglos im Gras sitzen. Sie sind in dieser Zeit auch fast geruchlos. Die Natur hat das so eingerichtet, um die Kitze vor Raubwild wie Fuchs und Waschbär zu schützen.

Der fehlende Fluchtreflex wird den »Bambis« aber zum Verhängnis, wenn die Landwirte mit ihren Mähwerken über die Wiesen fahren.

Um das zu vermeiden, arbeiten Landwirte und Jäger oft zusammen. Denn neben dem grausamen Tod unter dem Kreiselmäher besteht auch die Gefahr, dass Tierkadaver in die Silage gelangen und das Futter verseuchen. So mancher Landwirt sieht sich sogar mit einer Anzeige konfrontiert. Vorsorgemaßnahmen können das Risiko minimieren und sind tierschutzrechtliche Pflicht.

Rehkitze in der Wetterau: Felder von innen nach außen mähen

Effektive Wildtierrettung beginne bereits vor der Mahd, sagt Hans-Dieter Stehr, Jagdpächter des Reviers Büdingen-Wolf. Entscheidend sei dabei, die anstehenden Grünschnitttermine rechtzeitig mit dem Jagdpächter abzustimmen. Außerdem könne der Landwirt bestimmte Mähverfahren und neueste Technik einsetzen: Beim Mähen von innen nach außen habe das Wild eine Chance zu fliehen. Diese Technik ermögliche Feldhasen oder Fasanen während der Mahd die Flucht.

Auch sogenannte Vergrämung könne effektiv mit Knistertüten, Flatterbändern oder Windrädern durchgeführt werden.

Bereits eine Maßnahme zur Vertreibung pro Hektar Anbaufläche wirke, hätten Experten herausgefunden.

Eine weitere Möglichkeit sei das Absuchen der Wiesen mit Jagdhunden oder mit einem Infrarot-Gerät. Mit einem tragbaren Infrarot-Wildretter könne man eine sechs Meter breite Spur zu Fuß absuchen. Das Gerät entdecke die Kitze im hochstehenden Gras aufgrund der höheren Wärmestrahlung der Tiere gegenüber der Wiese. Das müsse allerdings am kühlen Morgen passieren, denn Fehlalarme könnten bei Sonnenschein auftreten.

Rehkitze in der Wetterau: Tiere nicht anfassen

Im Revier Büdingen-Wolf habe sich, so Stehr, sowohl die Suche der Jäger, zuvor das Vergrämen, aber auch sogenannte Schallkanonen, die von den Landwirten auf ihre Schlepper montiert werden, in der Praxis bewährt.

Kein Verständnis habe der Jäger über einen Vorgang, der sich kürzlich am Sandhof-Weiher abgespielt habe. Nach Augenzeugenberichten habe sich in der nahen Wiese ein Jugendlicher befunden und sich ein Kitz an den Körper gehalten. Das verängstigte Tier ging außerdem durch mehrere Hände. Die Jugendlichen setzten es zwar wieder zurück, aber die Rehgeiß habe das Tierchen nicht mehr in ihre Obhut genommen. In der Nacht waren Wildschweine auf der Wiese, die das Kitz gefressen haben.

Deshalb warnt der Jagdpächter davor, Rehkitze anzufassen. Sie werden, im Gras liegend, von der Rehgeiß wieder in Sicherheit gebracht. Im Übrigen hatte dieser Vorfall sogar eine Anzeige nach sich gezogen.

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