Zusätzlich aufgestellte Tische vor den Theken sorgen für genügend Abstand bei der Lebensmittelausgabe.	FOTOS: LONI SCHUCHARDT
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Zusätzlich aufgestellte Tische vor den Theken sorgen für genügend Abstand bei der Lebensmittelausgabe. FOTOS: LONI SCHUCHARDT

Helfen in der Not

Wetteraukreis: Friedberger Tafel – Das sind die Pandemie-Probleme

  • vonHarald Schuchardt
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Bei der Friedberger Tafel wird trotz der coronabedingten Einschränkungen weiter gearbeitet. Vorsitzender Peter Radl nennt Probleme, die aktuell sind - und die noch auf die Tafel zukommen dürften.

Friedberg – Reger Betrieb herrscht am Montagvormittag im und vor dem Laden der Friedberger Tafel in der Kleinen Klostergasse 11. Immer wieder fahren Tafel-Fahrzeuge vor. Die zuvor bei den Lebensmittelmärkten, Bäckereien und Landwirten eingesammelten Lebensmittel werden von den ehrenamtlichen Helfern, einigen Ein-Euro-Jobbern und einem »Bufdi«, einem Teilnehmer am Bundesfreiwilligendienst, ausgeladen, sortiert und für die Ausgabe an die Tafel-Kunden am Nachmittag vorbereitet.

Warum die Tafel trotz »Lockdown light« weiterhin geöffnet hat, begründet Tafel-Vorsitzender Peter Radl so: »Ich zähle uns ja zum Lebensmittelhandel. Für die Bedürftigen ist es besonders wichtig, gerade in dieser Zeit Lebensmittel zu erhalten.«

Wetteraukreis in der Corona-Pandemie: Radl rechnet künftig mit mehr Kunden

»Derzeit haben wir noch einige wenige Kapazitäten frei«, erklärt der Mitbegründer der Tafel, der vor vier Jahren den Vorsitz von Mitgründerin Hannelore Finkernagel übernommen hat. Allerdings rechnet der Vorsitzende mit einem Anstieg der Kundenzahl, nicht zuletzt durch die coronabedingten Maßnahmen und Vorgaben der Politik. »Die Renten werden kaum erhöht, die Zahl der Arbeitslosen wird steigen, aber auch die Anhebung der Steuern und andere steigende Ausgaben werden zur Mehrbelastung der Menschen beitragen«, sagt Radl, der vor allem mit einem Anstieg von »Aufstockern« rechnet. Gemeint sind damit die Menschen, die im Niedriglohnsektor arbeiten, aber deren Lohn nicht zum Leben reicht.

Radl ist sich sicher, dass die Tafel auch in den nächsten Wochen geöffnet bleibt, im Gegensatz zum ersten Lockdown im Frühjahr. »Da mussten wir vier Wochen schließen, weil die Rahmenbedingungen nicht geklärt waren.«

Friedberger Tafel: Acht Helfer haben sich abgemeldet

Zahlreiche der überwiegend älteren ehrenamtlichen Helfer hatten Angst sich anzustecken und kamen nicht mehr in den Laden. »Fast alle gehören wegen ihres Alters zur Risikogruppe, der Vorsitzende übrigens auch«, sagt der 76-Jährige. Aktuell haben sich acht Helfer abgemeldet. »Den Ausfall können wir durch die Buftis und die Ein-Euro-Jobber kompensieren.«

Wegen der Abstandsregeln mussten die Besatzungen in den Tafelwagen von drei auf zwei Helfer reduziert werden. »Fahrer und Beifahrer haben jetzt mehr Arbeit. Die müssen richtig ranklotzen«, sagt Peter Radl.

Die Abstands- und Hygieneregeln werden im Tafelladen konsequent umgesetzt. Maximal drei Kunden dürfen gleichzeitig in den Laden. Maskenpflicht ist selbstverständlich. Für genügend Abstand zwischen Helfer und Kunden sorgen zusätzliche Tische, die vor den Ausgabetheken aufgestellt worden sind.

Friedberg während Corona: Zahl der Spenden ist zurückgegangen

Nach der Wiedereröffnung des Tafelladens im April wurden die Waren durch ein Fenster ausgegeben. »Damals durfte niemand in den Laden. Das war sehr aufwendig und führte zu Verzögerungen sowie langen Schlangen vor dem Laden«, erinnert sich Radl. Diese halten sich jetzt meist in Grenzen.

Die Pandemie hat auch Auswirkungen auf die Spendenbereitschaft. Die Zahl der Spender ist zurückgegangen, doch dank einiger größerer Beträge konnte die Gesamtsumme bis jetzt gehalten werden. Radl: »Wir hoffen, dass wir bei den Spenden das Vorjahresergebnis wieder erreichen.«

Friedberger Tafel unterstützt 1650 bedürftige Menschen

Die Friedberger Tafel versorgt aktuell 680 Bedarfsgemeinschaften aus neun Kommunen. Das heißt, die Einrichtung unterstützt 1650 Personen, darunter knapp 500 Kinder und Jugendliche. »Dazukommen noch das Frauenhaus und Bürgerhilfen«, erklärt Tafel-Vorsitzender Peter Radl. Maxi-mal 120 Bedarfsgemeinschaften können im 14-täglichen Rhythmus an einem der drei Ausgabe-tage Lebensmittel erhalten.

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