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Robuste Rinder wie das von Aussterben bedrohte Rote Vogelsberger Höhenvieh sind ideal zur Beweidung von Auenlandschaften geeignet.

Fluss- und Bachauen

Wetteraukreis: Dramatischer Zustand – Auenweiden trocknen aus

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Die Auenlandschaften sind in Gefahr. Dabei sind sie wichtig, um Hochwasser zu verhindern – in diesem Jahr war die Wetterau davon besonders betroffen.

Wetteraukreis – Die Wetterau ist geprägt von den Fluss- und Bachauen von Nidda, Nidder, Seemenbach, Horloff und Wetter. Doch die Lage der Auen in Deutschlands Flusslandschaften ist dramatisch, wie aus dem Auenzustandsbericht hervorgeht, den Bundesumweltministerin Schulze kürzlich vorgestellt hat. Darauf verweist die Auenweiden-Allianz, ein Zusammenschluss verschiedener Verbände, zu dem auch die Deutsche Umwelthilfe gehört.

Hintergrund: Nur etwa neun Prozent der Auen sind laut Auenzustandsbericht noch mehr oder weniger intakt, nur 7,4 Prozent der Flüsse erreichen nach Wasserrahmenrichtlinienkriterien den guten Zustand. Dabei gehe es um den Lebensraum für zwei Drittel der mitteleuropäischen Arten, stellt die Allianz klar. Auch bei den europäischen Wildfischbeständen seien dramatische Einbrüche festgestellt worden. »Überflutete Auwiesen sind wichtige Laichhabitate, heute liegen die einstigen Hecht- oder Störwiesen weitgehend im Trockenen.«

Wetterau: Auenlandschaft in Gefahr: Weidetiere sollen helfen

Hinter der Idee der Auenweiden stehen halbwilde, extensive Weidelandschaften, die in Flussauen auch dann eingerichtet werden können, wenn diese häufiger überflutet werden. Sie werden mit Wasserbüffeln, Robustrindern und Pferden besetzt, die mit feuchten Standorten sehr gut zurechtkommen. Diese Tiere können den auentypischen Bewuchs gut verwerten, halten Neophyten (absichtlich oder versehentlich eingeführte Pflanzenarten) klein und stören sich nicht an den wertvollen Strukturen wie Wasserflächen, Schwemmgut, Schilfgürteln, Sturzbäumen oder erodierenden Uferkanten.

»Ob mit dem Nationalen Hochwasserschutzprogramm und dem Bundesprogramm Blaues Band künftig der nötige Raum für die Flüsse und ein Verbund vitaler Auen geschaffen werden kann, hängt nicht nur davon ab, wie engagiert diese Programme vorangetrieben werden. Ausschlaggebend ist auch, ob wichtige Weichen in der Agrarpolitik gestellt werden«, heißt es in einer Pressemitteilung der Allianz. So habe Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner zwar eine Weidetierprämie angekündigt, doch die stehe bisher noch nicht im Gesetzentwurf.

Wetteraukreis: Deutsche Umwelthilfe setzt sich für Flüsse ein

Als Reaktion auf diese Entwicklungen hat sich die Deutsche Umwelthilfe (DUH), die seit rund 30 Jahren für lebendige Flüsse streitet, mit Verbänden zusammengetan, die für die Förderung naturschutzkonformer Beweidung und halbwilder Weidelandschaften eintreten. Als Auenweiden-Allianz richten sie ihre Forderungen an die zuständigen Agrarministerien in Bund und Ländern. »Bürokratischer Aufwand, Auflagen, die die Besonderheiten der Haltungsform nicht ausreichend berücksichtigen, mangelnde Kenntnisse bei Betrieben und zuständigen Behörden - Auenweiden müssen endlich raus aus dem Nischendasein, dann verschwinden auch viele Hürden«, fordert Gerd Bauschmann, Vorsitzender des Weidewelt (Friedberg und Wetzlar).

Dieser Verein will nach eigenen Angaben den Kontakt zwischen den zahlreichen Beweidungsprojekten Europas erleichtern und eine Kommunikations- und Diskussionsplattform für Förderer, Befürworter und auch Kritiker dieser Projekte bilden. Sabrina Schulz (DUH), Leiterin des Lebendige-Flüsse-Teams: »Flüsse und ihre Auen sind dynamische Ökosysteme, die für die Artenvielfalt in Mitteleuropa von enormer Bedeutung sind und auch für den Menschen Unverzichtbares leisten, etwa bei der Wasserreinigung, Kühlung und CO2-Speicherung oder als attraktive Naturerlebnisräume vor der Haustür. Ihr Schutz muss endlich Priorität haben. Das heißt: Wiederanbindung an den Fluss, Stopp der Entwässerung und Acker raus aus den Überschwemmungsgebieten.«

Auenweiden schützen vor Hochwasser

Außerdem, so die Allianz, böten Auenweiden auch Schutz vor Hochwasser, ein gravierendes Problem, dass sich zuletzt im Februar im Wetteraukreis und besonders in Büdingen zeigte. Man müsse den Flüssen mehr Raum geben und die Deiche zurückverlegen. »Wilde Auenweiden seien mit den natürlichen Prozessen der Flusslandschaft nicht nur vereinbar, sie unterstützten und beschleunigen die Renaturierung der Aue«, meint die Auenweiden-Allianz.

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