In diesen Zeiten trägt auch Mohammad Tafazolli, Vorsitzender der Bad Nauheimer Taxivereinigung, einen Mund-Nasen-Schutz. Taxifahrer müssen diese Masken nicht zwingend tragen, Fahrgäste schon.
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In diesen Zeiten trägt auch Mohammad Tafazolli, Vorsitzender der Bad Nauheimer Taxivereinigung, einen Mund-Nasen-Schutz. Taxifahrer müssen diese Masken nicht zwingend tragen, Fahrgäste schon.

Harte Zeiten

Wetterauer Taxifahrer in Zeiten von Corona: Eine Branche in der Krise

  • Christoph Agel
    vonChristoph Agel
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Wenn Kneipen geschlossen sind, trinkt dort auch niemand was und lässt sich vom Taxi nach Hause fahren. Nur ein Problem von vielen für eine leidende Branche - auch in Bad Nauheim und Friedberg.

Sie sind da, mehr können sie nicht machen. Der Taxivereinigung Bad Nauheim gehören 28 Unternehmen an. In den allermeisten Fällen handelt es sich um Ein-Mann- oder Ein-Frau-Betriebe. Von Betrieb im Sinne vollgepackter Arbeitstage kann aber derzeit nicht die Rede sein. Keine nächtlichen Fahrgäste, die am Marktplatz aus der Kneipe kommen und ins Taxi steigen. Nur wenige Patienten, die in die Klinik oder von dort zurück nach Hause gefahren werden möchten. Kaum ein gesellschaftlicher Bereich, der nicht von der Corona-Krise betroffen ist. Die Taxen trifft es indirekt - aber nicht weniger heftig.

»Der Umsatz ist in jeder Ecke praktisch zurückgegangen - um 80 Prozent mindestens«, beklagt ein Vorstandsmitglied der Taxivereinigung, das namentlich nicht genannt werden möchte. Ein Beispiel für den Rückgang: 60 Personen wollten eigentlich zu einer Feier nach Kloster Arnsburg gebracht werden. Wie es aussieht, wird dieser Auftrag wegfallen. Keine Feier, keine Gäste. Auch Fahrten zum Flughafen fallen weg - keine Flüge, keine Passagiere. Es gibt noch Menschen, die vom Wochenmarkt nach Hause gefahren werden wollen oder das Taxi als Ersatz für den Zug nutzen.

Wetterauer Taxifahrer in Zeiten von Corona: Rund um die Uhr erreichbar

Die Taxen stehen bereit, auch nachts sind es ein oder zwei. Die Zentrale ist rund um die Uhr erreichbar. In Nicht-Corona-Zeiten fahren am Wochenende 10 bis 14 Taxen in der Kurstadt umher.

Harte Zeiten für die Branche. Kleine Lichtblicke gibt es - etwa wenn ein Passant dem Taxifahrer zehn Euro für ihn und seine beiden Kollegen in die Hand drückt. Oder wenn der Fahrgast freundlich aufrundet.

Bülent Atilan hat sich einen Plexiglas-Schutz in sein Taxi eingebaut.

Nach Ansicht des Vorstandsmitglieds könnte auch die Stadt Bad Nauheim dazu beitragen, die missliche Lage ein wenig abzumildern: Indem sie den Taxi-Unternehmen bei der Einfahrtgenehmigung für die Fußgängerzone entgegen käme. Diese laufe Ende Mai ab, eine Verlängerung koste pro Wagen 50 Euro pro Jahr. »50 Euro sind viel Geld für uns, wenn wir nichts verdienen.«

Wetterauer Taxifahrer in Zeiten von Corona: Einen Spritzschutz eingebaut

Natürlich spielt in Zeiten von Corona auch bei Taxen die Hygiene eine noch größere Rolle als sonst. Einige Bad Nauheimer Taxifahrer haben sich einen Spritzschutz eingebaut, inklusive Durchreiche für das Geld, sagt das Vorstandsmitglied. Vorsitzender Mohammad Tafazolli sagt: »Kunden ohne Nase-Mund-Schutz dürfen wir nicht fahren.« Die Taxifahrer hätten Einwegmasken besorgt, die sie ihren Kunden anbieten könnten. »Bis zum 30 April geben wir den Schutz kostenlos an unsere Kunden ab. Danach müssen wir dann leider eine Gebühr in Höhe des Selbstkostenpreises erheben.«

Die Taxivereinigung habe sich mit dem Gesundheitsamt in Verbindung gesetzt, um notwendige Schritte zum Schutz aller Beteiligten abzustimmen, sagt Tafazolli. Er berichtet dass die Bad Nauheimer Taxifahrer alles täten, um den Betrieb aufrecht zu erhalten. »Fast alle Kollegen sind weiterhin unterwegs. Nur vereinzelt haben Unternehmen den Betrieb komplett eingestellt. Da handelt es sich aber um Kollegen, die entweder Risikogruppen angehören oder aber sich aus familiären Gründen außerstande sehen zu arbeiten.«

Wetterauer Taxifahrer in Zeiten von Corona: Ganze Tage ohne Anruf

Auch in Friedberg schlägt die Krise durch: »Es gibt ganze Tage, an denen ich keinen einzigen Anruf habe«, beklagt Bülent Atilan. Er hat ein Ein-Mann-Unternehmen. Sorgen um Mitarbeiter muss er sich also nicht machen. Das ist aber auch schon fast das einzig Positive. Die Situation ist ernst, die Auftragslage enorm zurückgegangen. »An Laufkundschaft haben wir vielleicht zehn Prozent dessen, was wir ursprünglich hatten«, sagt Atilan.

Er hat in seinem Taxi eine Trennscheibe aus Plexiglas zwischen Fahrerbereich und Rückbank eingebaut. Ein Schutz gegen das Virus. Gegen finanzielle Katastrophen soll die Förderung des Landes helfen. Auch Atilan nimmt sie in Anspruch. Das Geld helfe weiter, sagt er. Aber natürlich sehnt er ein Ende der Krise herbei: »Wenn das längerfristig ist, dann ist es existenzbedrohend.«

Wetterauer Taxifahrer in Zeiten von Corona: Regeln im Taxi

Im Gegensatz zu den Fahrgästen im Taxi müssen die Fahrer keinen Mund-Nasen-Schutz tragen, sollten es aber. Außerdem sollten sie Handschuhe überziehen und möglichst bargeldlos kassieren, sagt Hans-Peter Kratz, Vorsitzender des Taxiverbandes Hessen. Auf dem Beifahrersitz dürfe derzeit niemand Platz nehmen, auf der Rückbank hingegen seien drei Erwachsene erlaubt. Das liege in der Verantwortung der Fahrgäste selbst. Werden Kinder mit dem Taxi gefahren, muss Kratz zufolge immer mindestens ein Sitz zwischen ihnen frei bleiben. Trennscheiben zwischen vorne und hinten seien keine Pflicht, aber zu empfehlen. Eventuell könnte es beim Einbau einer festen Scheibe Probleme mit dem TÜV geben, sagt Kratz. Bei der Taxivereinigung Frankfurt habe man sich für eine »Light-Variante« entschieden - mit fester Plastikfolie.

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