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Am Telefon muss man aufpassen, dass man nicht auf einen Betrüger hereinfällt. Das gilt natürlich auch an der Haustür. »Keine Fremden in die Wohnung lassen«, rät Kriminalhauptkommissarin Sylvia Jacob. SYMBOLFOTO: DPA

Maschen in der Pandemie

Wetterauer Polizistin warnt: Betrügern nützt die Pandemie – Masche mit angeblichem Impfstoff-Verkauf

  • Christoph Agel
    vonChristoph Agel
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Aus Betrüger-Sicht hat die Pandemie einen Vorteil: Die Täter treffen auf verunsicherte Opfer. Sylvia Jacob, kriminalpolizeiliche Beraterin, warnt die Wetterauer vor Betrügern am Telefon und an der Haustür.

Friedberg – Am Anfang der Corona-Pandemie waren Masken und Desinfektionsmittel knapp. Prompt sprangen Betrüger auf den Zug auf, boten potenziellen Opfern Ware an, wollten mit ihnen in die Wohnung und beim Ausfüllen des Bestell-Formulars helfen. Mittlerweile ziehen eher die Enkeltrick-Corona-Variante oder angebliche Impf-Angebote. Letztendlich geht es den Betrügern immer darum, den Menschen das Geld aus der Tasche und beziehungsweise Schmuck aus der Wohnung zu ziehen.

Sylvia Jacob arbeitet beim Polizeipräsidium Mittelhessen, das auch für die Wetterau zuständig ist. Sie berät Menschen, wie sie ihr Haus oder ihre Wohnung vor Einbrechern schützen können, nimmt sich aber auch dem Themenfeld Betrug an. Bisher seien in der Wetterau zwar keine mit Corona zusammenhängenden Vorfälle, die sich an der Haustür abgespielt hätten, zur Anzeigen gebracht worden, aber erstens habe es sehr wohl Betrugsversuche am Telefon gegeben und zweitens sei es auch so manchem Opfer peinlich, Opfer geworden zu sein. Weshalb sie sich dann nicht bei der Polizei meldeten - Stichwort Dunkelziffer.

Gründe, vor Betrügern zu warnen, die sich die Pandemie zu nutzen machen, gibt es mindestens so viele wie es Betrugsvarianten gibt. Zum Beispiel gebe es Gauner, die behaupten, sie kämen vom Gesundheitsamt und müssten kontrolieren, ob im Haus die Hygienevorschriften eingehalten werden, sagt Jacob. »Das ist eigentlich wie bei den normalen Trickbetrügern auch: Der eine lenkt ab, der andere durchsucht das Haus.« Dafür kommen die Täter entweder ganz offensichtlich zu zweit oder aber es kommt erst nur einer, der dann unbemerkt die Tür einen Spalt offen lässt, so dass sein Komplize ins Haus gelangen und nach Wertsachen Ausschau halten kann.

Wetterauer Polizei warnt vor Betrugsmaschen: Vermeintlicher Enkel ist angeblich krank

Die Wetterauer Kriminalhauptkommissarin kennt weitere Maschen - nächstes Beispiel: Betrüger klingeln und bieten ihre Hilfe beim Ausfüllen der Unterlagen für den Impftermin an. Einer tut so, als würde er helfen, der andere bedient sich an Schmuck und Bargeld. »Die sind da einfallsreich«, sagt Jacob über die Täter. »Fakt ist einfach: Keine Fremden in die Wohnung lassen«, rät die Polizistin.

Zur Kreativität der Täter kommt - gerade in diesen Zeiten - die Verunsicherung bei insbesondere älteren Menschen, zumal auch hier gilt, dass vor allem Senioren als potenzielle Opfer ausgewählt werden. Das Virus an sich macht Angst, es gibt zahlreiche Verordnungen, die sich ständig ändern. Was natürlich für Verwirrung sorgt. »Die Älteren wissen dann nicht: Muss ich den reinlassen?«, verdeutlicht Sylvia Jacob, warum so mancher Betrüger die Wohnung betritt. Aus Tätersicht hat die Pandemie einen weiteren Vorteil: den Mund-Nasenschutz, der eine Beschreibung erschwert.

Es herrscht ein Gefühlschaos zwischen Angst vor dem Virus und der Hoffnung, die der Betrüger macht. »Dann vergisst man vielleicht die Vorsicht«, sagt Jacob.

Das kann einem auch am Telefon passieren. Schon in Vor-Corona-Zeiten war der Enkeltrick ein alter Hut, aber anscheinend immer noch eine erfolgreich-böse Masche. Im Zuge der Pandemie gab es quasi ein Update: Nun braucht der vermeintliche Enkel Geld, um seine angebliche Covid-19-Erkrankung behandeln zu lassen. Der »Enkel« sagt, er schicke jemanden vorbei, der das Geld abhole.

Betrüger klingeln Wetterauer Telefone an: Verkauf-Angebot für Impfstoff

Weitere Betrugsvarianten, die am Telefon ihren Anfang nehmen können: Jemand bietet Impfstoff zum Verkauf an - oder ein angeblicher Arzt vom Gesundheitsamt behauptet, der Angerufene sei womöglich infiziert, müsse getestet werden. Weitere Variante: Man habe bei einem Gewinnspiel gewonnen, wegen der Pandemie könne das Geld nicht persönlich übergeben werden, deshalb müsse man Geld für den Geldtransport anzahlen.

Welche Masche auch immer die Betrüger wählen, sie geben sich selbstbewust, »freundlich konsequent«, wie Sylvia Jacob sagt. Besonders dann, wenn sie sich als Amtspersonen ausgeben. Und sie machen Angst - nach dem Motto: »Wenn Sie sich infizieren, stellen Sie sich mal vor.« Oder Hoffnung: »Das Desinfektionsmitel ist bessser als alle anderen, die sie kaufen können.«

Das Risiko des Täters sei gering, sagt die Kriminalhauptkommissarin, denn der Schaden werde erst viel später festgestellt. »Das Opfer merkt nicht gleich, dass es Opfer geworden ist.«

Wetterauer Polizei berät: So kann man sich gegen Betrüger schützen

Da sich Betrüger bevorzugt ältere Menschen als potenzielle Opfer aussuchen, rät Kriminalhauptkommissarin Sylvia Jacob dazu, sich nicht mit dem kompletten Namen im Telefonbuch eintragen zu lassen. Dann kann der Täter vom Vornamen auch nicht auf das Alter schließen. Wenn doch jemand anruft, dessen Nummer man nicht kennt, sollte man grundsätzlich vorsichtig sein. Ganz wichtig: Die Polizei ruft niemals mit der »110« an. Sowieso könne man auch nicht allzu viel auf die im Display angezeigten Nummern geben, da diese sich leicht manipulieren ließen, sagt Jacob. Am Telefon sollte man keine persönlichen Daten rausgeben, stattdessen schnell auflegen und eine Vertrauensperson anrufen. Jacob rät dazu, die Polizei auch dann zu informieren, wenn man nicht auf den Betrugsversuch reingefallen ist.

Vorsicht ist auch an der Haustür geboten. Man sollte sie nicht gleich aufmachen, sondern die Sicherungskette eingehakt lassen, erstmal aus dem Fenster schauen oder die Gegensprechanlage benutzen. Wertgegenstände an der Haustür rauszugeben, ist sowieso tabu. Da sich Betrüger gerne mal als Amtspersonen ausgeben, kann man sich zwar den Dienstausweis zeigen lassen, aber wer weiß denn schon, wie ein Originalausweis auszusehen hat? Kommt es tatsächlich zu einem Gespräch, kann man der Person sagen, dass man erstmal beim Gesundheitsamt oder bei der Polizei anrufen werde, um sich zu vergewissern. »Ich kann Ihnen jetzt schon versichern, sobald die Tür zugeht, ist der Täter weg«, sagt Jacob, Übrigens dürfe man in solchen Betrugsfällen die »110« wählen, schließlich handele es sich um einen Notfall.

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