Karina Schmidt ist Notfallsanitäterin beim Deutschen Roten Kreuz in Friedberg. Zu ihren Aufgaben gehört es auch, in manchen Situationen Medikamente zu geben.
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Karina Schmidt ist Notfallsanitäterin beim Deutschen Roten Kreuz in Friedberg. Zu ihren Aufgaben gehört es auch, in manchen Situationen Medikamente zu geben.

Tag der Erste Hilfe

Wetterauer Notfallsanitäterin gibt Tipps zur Ersten Hilfe: »Nicht wegschauen!«

  • vonMarion Müller
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Der letzte Erste-Hilfe-Kurs ist lange her und die Hemmungen, etwas falsch zu machen, entsprechend groß. Am Tag der Ersten Hilfe gibt Notfallsanitäterin Karina Schmidt Tipps und will die Angst nehmen.

Sie sind im Deutschen Roten Kreuz in Friedberg im Rettungsdienst sowie als Erste-Hilfe-Ausbilderin beschäftigt. Was genau sind Ihre Aufgaben bei einem Einsatz?

Ich arbeite als Notfallsanitäterin, d.h. ich betreue den Patienten, darf in bestimmten Situationen Medikamente verabreichen und sorge dafür, dass sich der Patientenzustand verbessert bzw. stabilisiert, bis wir im Krankenhaus sind.

Haben Sie das Gefühl, dass Sie seit der Corona-Pandemie mehr Einsätze haben?

Das ist tatsächlich sehr unterschiedlich. Ganz am Anfang, als es mit Corona losging, hatten wir definitiv weniger Bagatell-Einsätze.

Das heißt?

So Dinge wie: Jemanden hat sich in den Finger geschnitten oder seit einigen Wochen Schmerzen, die man dann stationär abklären will. Das kam weniger vor, weil die Menschen Angst hatten, ins Krankenhaus zu gehen. Natürlich hatten wir auch Patienten, die Angst hatten, sie haben Corona. Gerade bei Erkältungs- und Grippesymptome wurden wir vermehrt gerufen. Wobei es sich dabei nicht immer um Corona gehandelt hat. Die Anzahl ist aber, glaube ich, von Tag zu Tag relativ stagnierend.

Wie sind Ihre Erfahrungen in Ihrer alltäglichen Arbeit? Wird Erste Hilfe geleistet?

Prinzipiell ja. Es kommt darauf an, was es für ein Fall ist. Bei Patienten mit Herz-Kreislauf-Stillstand zum Beispiel haben viele Ersthelfer Angst, etwas falsch zu machen. Diese Angst ist aber völlig unbegründet, denn hier lautet die Devise: Machen und keine Zeit verlieren. Aber in der Regel erlebe ich es, dass meistens Erste Hilfe geleistet wird.

Was denken Sie, wovor haben die meisten Angst?

Dass sie dem Betroffenen mehr schaden als helfen. Doch bereits das Absetzen eines Notrufs ist Erste Hilfe. Eine Person überhaupt erstmal anzusprechen und nachzufragen, ob Hilfe benötigt wird, ist auch schon Erste Hilfe. Ob es ein Pflaster ist, das man klebt, oder einen Menschen einfach betreut, bis der Rettungsdienst kommt - all das ist schon Erste Hilfe. Da gibt es nichts falsch zu machen. Alles, was man falsch machen kann, ist nichts zu tun.

Haben Sie das Gefühl, dass seit der Corona-Pandemie die Hemmungen größer geworden sind, Erste Hilfe zu leisten?

Was Fremde betrifft, ja. Bei den eigenen Angehörigen würde ich sagen, ist es gleich geblieben. Ich hatte schon Fälle, da wurde gesehen, ein Fremder braucht Hilfe, aber man hat sich nicht getraut, hinzugehen. Prinzipiell sind die Menschen schon vorsichtiger geworden, auf Fremde zuzugehen. In unseren Erste-Hilfe-Kursen kommt mittlerweile auch sehr oft die Frage, auf was man in der jetzigen Situation alles achten muss.

Haben Sie Tipps, um Menschen die Angst zu nehmen? Gibt es Dinge, die Ersthelfer auf jeden Fall tun können?

Nicht wegschauen! Und sich trauen. Ob es jetzt darum geht einen Notruf abzusetzen oder bei dem Betroffenen zu sein und mit ihm zu sprechen. Aber nicht wegschauen und Angst haben, etwas falsch zu machen. Man kann nichts falsch machen. Man sollte manchmal auch genauer hinschauen und nachfragen, wenn man sich unsicher ist. Wenn einem jemand ins Auge fällt, der krank wirkt, oder so als bräuchte er Hilfe, im Zweifel einfach ansprechen und seine Hilfe anbieten. Alleine durch Hinschauen kann man schon ganz viel erkennen. Man sieht zum Beispiel, ob jemand sehr blass ist, stark schwitzt, starke Schmerzen oder äußere Verletzungen hat. Wenn man unterwegs ist, hilft es immer, ein paar Einmalhandschuhe dabei zu haben. Zum Beispiel aufbewahrt in einem gelben Ü-Ei. Den Mund-Nasen-Schutz sollte man ohnehin tragen. Es macht auch Sinn, einen zweiten in der Tasche zu haben, den man dem Betroffenen anbieten kann. In der Regel gelten alle Hygienemaßnahmen auch in der Ersten Hilfe.

Gibt es noch spezielle Tipps in Zeiten von Corona?

Der Mund-Nasen-Schutz für sich selbst und den Betroffenen ist schon mal eine gute Maßnahme. Bei einem Bewusstlosen sollte man zunächst ganz normal vorgehen und den Kopf überstrecken, um die Atmung zu kontrollieren. Anstatt bei der Atemkontrolle mit dem Ohr über das Gesicht des Betroffenen zu gehen, um die Atmung zu hören, sollte man dies mit Abstand tun und sich auf die Bewegung des Brustkorbs und Bauches beschränken. Bei einer Herz-Lungen-Wiederbelebung ist es natürlich das Mittel der Wahl, 30-mal Herzdruckmassage und zweimal beatmen. Gerade bei Fremden liegt es aber im Ermessen des Ersthelfenden, ob in Zeiten von Corona eine Atemspende durchgeführt wird. Im Zweifel sollte man die Herzdruckmassage ohne Beatmung durchführen. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) hat zudem eine Handlungshilfe für Ersthelfende veröffentlicht, die Erste-Hilfe-Maßnahmens in Zeiten von Corona erklärt.

Tag der Ersten Hilfe: Erste Hilfe auffrischen

Wollen Sie mal wieder einen Erste-Hilfe-Kurs besuchen und Ihre Kenntnisse auffrischen? Das Deutsche Rote Kreuz in Friedberg bietet regelmäßig Erste-Hilfe-Kurse an. Termine gibt es online unter www.drk-friedberg.de unter Kurse. Anmeldung per E-Mail an ausbildung@drk-friedberg.de oder telefonisch unter 0 60 31/60 00 214. Die Kosten liegen bei 40 Euro.

Karina Schmidt informiert zudem regelmäßig auf ihrer Instagram-Seite »rettungskeks« über den Alltag im Rettungsdienst. Einfach mal vorbeischauen.

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