Kleine Verschnaufpause an der Usa: Hans Helmut Hoos geht gerne mit seinem Leihhund Anuk, einem ruhigen, zutraulichen Eurasier, an der Usa spazieren.
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Kleine Verschnaufpause an der Usa: Hans Helmut Hoos geht gerne mit seinem Leihhund Anuk, einem ruhigen, zutraulichen Eurasier, an der Usa spazieren.

Flusslauf mit Geschichte

Wetterauer Lieblingsplatz: Wo die Usa Geschichte schreibt

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
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Der Lieblingsplatz von Hans Helmut Hoos ist eigentlich ein Lieblingshohlweg und nur 250 Meter lang. Aber er steckt voller Geschichte(n). Es ist die Usa an den 24 Hallen.

Die Usa ist immer in Bewegung. Das trifft nicht nur auf den Flusslauf zu, in dem das Wasser munter plätschert, sondern auch auf die unmittelbare Umgebung. So könnte man behaupten, dass es im Friedberger Stadtteil Fauerbach einen wandernden Berg gibt. Wobei »Berg« übertrieben ist. Gemeint ist der Prallhang an der Usa, der in Höhe des Spielplatzes Mathildenruhe beginnt und in sanftem Bogen nach Nordwesten verläuft.

»Das ist der einzige Prallhang an der Usa im Stadtgebiet«, sagt Hans Helmut Hoos. Ein Prallhang entsteht, wenn durch starke Strömung am Ufer Erde abgelagert wird. Der Fluss mäandert, Erosionsprozesse sorgen dafür, dass sich die Gestalt des Prallhangs (und des gegenüberliegenden Gleithangs) im Laufe der Zeit verändert und sich seine Lage ganz allmählich verschiebt. Von der Fußgängerbrücke an der Mathildenruhe bis zu einer Ruhebank, die den Blick auf Adolfsturm, 24 Hallen und die umliegenden Felder freigibt, sind es nur 250 Meter. Trotzdem kann man hier einiges erleben.

Kinder haben den Fluss an mehreren Stellen mit Steinen aufgestaut. An einer flachen Stelle am gegenüberliegenden Ufer sitzen zwei junge Leute mit einer Promenadenmischung. Ein Tennisball fliegt in die Usa, der Hund springt hinterher, fühlt sich pudelwohl. Ein paar Meter weiter tummeln sich gut zehn Zentimeter lange Forellen. Hoos liebt die beruhigende Wirkung von fließendem Wasser. Und dass trotzdem stets etwas Unerwartetes passiert. Wie der Fischreiher, der die ganze Zeit, während wir auf der Bank saßen, direkt hinter uns durchs Wasser stolziert sein muss. Als zwei Krähen einen Bussard attackieren und dieser in einem Bogen über der Usa fliegt, um zu flüchten, schreckt der Reiher auf und hebt sich schwerfällig in die Luft.

Wetterauer Lieblingsplatz: Landschaft, Kultur und Geschichte

Hoos liebt seine kleine Schlucht. Die Lindenallee, die von den städtischen Gärtnern gehegt, gepflegt und nachgepflanzt werde, die herrlichen Eichen. Selbst die kahlen, erdigen Stellen im Hang liebt Hoos, weiß er doch, dass hier Kinder und Jugendliche ihren Spaß haben, wenn sie mit Fahrrädern über die Wurzeln springen. Hoos liebt die Symbiose, das Ineinandergreifen von Landschaft, Kultur und Geschichte.

Geschichte ist hier überall greifbar, sagt der 76-jährige ehemalige Schulleiter und Lokalhistoriker. Schon der Prallhang ist Geschichte, Zeugnis einer in Jahrhunderten modellierten Landschaft, die früher einmal ganz anders ausgesehen haben muss. Aus den Friedberg-Chroniken von Christian Waas weiß Hoos, dass in früheren Jahrhunderten immer wieder Menschen in den reißenden Fluten der Usa ertranken. »Wie hoch muss da der Wasserpegel gewesen sein?« Heute sind es ein paar Zentimeter.

Wetterauer Lieblingsplatz: Dschungelwildnis und Fernblick

Auch Mückenplagen soll es hier gegeben haben. Die »kleine Usa«, erzählt Hoos, floss von ihrer Quelle bei Neu-Ansbach bis zur Mündung in die Wetter bei Fauerbach einst durch fünf verschiedene Herrschaftsgebiete. Östlich der 24 Hallen dürfte sie eine Art Delta gebildet haben, mit Biegungen und überfluteten Wiesen.

Die Dschungelwildnis ist zumindest auf einem kleinen Abschnitt erhalten geblieben. Von der Ruhebank streift der Blick ins Mittelalter (Adolfsturm) und ins 19. Jahrhundert, die Zeit der Industrialisierung, als das Rosentalviadukt gebaut wurden. Gerade rollt ein Regionalexpress vorbei. In Gedanken könnte man einsteigen und mitfahren, weit weg. Aber in Zeiten von Corona kann man auch mal daheim bleiben. Da ist es genauso schön wie in der Fremde.

Hoos und seine Frau verreisen gerne mit dem Wohnmobil und fahren E-Bike. Neulich hat er sich das Buch »111 Sehenswürdigkeiten in Wetterau und Vogelsberg« gekauft. Als Hoos an der ersten Station ankam, dem Naturerlebnispark im Wald zwischen Laubach und Schotten, erfuhr er, das »Grüne Meer« sei schon seit drei Jahren geschlossen.

»Man muss nur stillsitzen und gucken, dann kann man hier viel erleben«, sagt Hoos. Der Blick schweift über die Streuobstwiese, wo wilde Gräser und Kräuter Schmetterlinge anlocken. Dahinter blüht der Raps auf den Feldern. Der Radweg wurde vor ein paar Jahren verlegt, seither haben die Fußgänger den Hohlweg an der Usa fast für sich alleine. Hoos deutet über die Felder hinweg, zur Kinderfarm Jimbala und zum Begegnungsgarten. Hier entsteht Neues, lernen Kinder die Natur kennen. Er kann sich nur wiederholen: »Das ist hier einfach ein wunderbarer Flecken Erde.«

Wetterauer Lieblingsplatz: Die Usa

Englischsprachige Gäste verwechseln die Usa gerne mit den USA, selbst Moderatoren von Radiosendern sprechen mitunter vom »USA-Wellenbad«. Dabei ist die Usa gerade einmal 34 Kilometer lang. Ihre Quelle liegt im Hochtaunuskreis zwischen Rod am Berg und Ansbach. Danach durchquert die Usa Neu-Anspach, Usingen, Ober- und Nieder-Mörlen sowie das Bad Nauheimer Stadtgebiet, wo sie an den Gradierwerken heute noch ein Wasserrad antreibt, das einst für die Sole-Pumpen verwendet wurde. Zahlreiche Nebenflüsse und -flüsschen münden in die Usa, als letzter Zufluss kommt nördlich von Friedberg der Seebach hinzu. Bei Friedberg befindet sich eine Pegel-Messstelle. Südöstlich von Fauerbach mündet die Usa in die Wetter.

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