Claudia Zinserling bietet ihrer Schülerin Sarah Mattern Fernunterricht an. Für die 15-Jährige und ihre Lehrerin ist das eine neue und spannende Erfahrung. 
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Claudia Zinserling bietet ihrer Schülerin Sarah Mattern Fernunterricht an. Für die 15-Jährige und ihre Lehrerin ist das eine neue und spannende Erfahrung. 

Absagen wegen Corona

Wetterauer Künstler in der Corona-Krise

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Wenn Veranstaltungen wegen Corona abgesagt werden, ist die ganze Branche betroffen - von Agenturen bis Druckereien. Extrem schwierig ist die Situation für Künstler und kleine Kulturbetriebe.

Vor vier Wochen witzelte der Kabarettist Rolf Bossi noch dezent über das Virus. Jetzt fallen bis Ende Juli zwölf eigene und mehrere fremde Veranstaltungen im Alten Hallenbad in Friedberg aus. "Da stellt sich für den weiteren Betrieb schon die Existenzfrage", sagt Pressesprecher Klaus Nissen. "Sehr hilfreich wäre, wenn Friedberg, wie andere Städte, finanzielle Hilfen für örtliche Kulturschaffende ermöglichen würde. Außerdem versuchen wir, aus Wiesbaden Förderzusagen zu bekommen." Fraglich ist, ob gerade die bekannten Künstler ihre Auftritte im Herbst nachholen können. Dabei kann es zu einem kulturellen Überangebot kommen, das wiederum Agenturen und Künstlern zu schaffen machen würde.

"Zugluft", die Kulturreihe der Eisenbahnfreunde Wetterau in Bad Nauheim, hat großes Glück und konnte alle sechs Veranstaltungen auf Herbst 2020 und Frühjahr 2021 verschieben. "Da ballt sich schon einiges. Aber die Künstler selbst wollten ihre Termine so schnell wie möglich nachholen. Darüber sind wir froh, denn so konnten auch die Karten aus dem Vorverkauf ihre Gültigkeit behalten, und wir mussten nichts zurückzahlen", sagt Vorsitzender Stefan John. Schmerzhaft für die Eisenbahnfreunde sind allerdings die zwölf Stornierungen bei den Sonderfahren für Firmen und Hochzeiten. John: "Das trifft natürlich auch die Caterer, die uns beliefert hätten."

Wetterauer Künstler: Keine Arien, sondern Umzug

Tatsächlich trifft die Ungewissheit auch weltweit gebuchte Interpreten wie den Tenor Christian Elsner. Anstatt in Warschau, Dresden oder Tokyo "Fidelio", "Winterreise" oder "Missa Solemnis" zu singen, ist er nach den vielen Absagen zu Hause - inzwischen in Karlsruhe, nicht mehr in der Wetterau. "Ich wage da überhaupt keine Prognose, wann der Kulturbetrieb wieder einigermaßen anlaufen kann. Mein Management stellt, wie so viele andere Firmen, auf Kurzarbeit um. Ob irgendetwas nachgeholt wird, weiß niemand", sagt Elsner, der gerade mit seiner Frau einen Umzug in eine größere Wohnung plant. "Wir wissen nicht, wie der stattfinden soll. Aber natürlich sind das Mini-Probleme am Rande dieser fürchterlichen Pandemie."

Auch die Musikhochschule Karlsruhe, wo der Tenor Professor für Gesang ist, hat den Studienbeginn weit nach hinten verschoben. "Wir werden vielleicht versuchen, irgendwann unsern Studierenden Online-Unterricht anzubieten, auch wenn das gerade bei Gesang die persönliche Präsenz nur sehr reduziert ausgleichen kann."

Beim Auftritt der Night Nurses am Weltfrauentag in Bad Nauheim konnte Keyboarderin Claudia Zinserling die Bedrohung noch in einen schwungvollen Partyvirus verwandeln. Jetzt ist auf der Bühne und bei Privatveranstaltungen auf unbestimmte Zeit Schweigen. Ihr Glück und das ihrer Bandmitglieder: Sie unterrichten alle nebenbei und werden das online anbieten, sofern Eltern das akzeptieren. Viele sind kooperativ.

Wetterauer Künstler: Sehr große Solidarität

"Existenzängste möchte ich erst gar nicht zulassen. Stattdessen will ich nach vorne blicken und das Beste aus der Situation machen. Es wird bestimmt einen Weg geben", sagt die Bad Nauheimerin. Die Solidarität der Musikerinnen und Musiker untereinander sei sehr groß: "Ich bekomme täglich unzählige Mails, WhatsApp und SMS von Kollegen deutschlandweit, wer wieder wo etwas rausgefunden hat, wo es Unterstützung für freiberufliche Künstler gibt. Wir versuchen uns zu helfen, wo es nur geht." Auch ihre neu gegründete Musikschule "Modern Music Zone" ruht. Alle Anfragen liegen auf Eis. Wie lange? Wer weiß.

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