Helge Lütters, hier mit Personalleiterin Ute Hönisch, freut sich auf die Zeit, wenn das Bad Nauheimer Hotel Dolce seine Gäste wieder begrüßen darf.
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Helge Lütters, hier mit Personalleiterin Ute Hönisch, freut sich auf die Zeit, wenn das Bad Nauheimer Hotel Dolce seine Gäste wieder begrüßen darf.

Leere Betten

Wetterauer Hotels und die Sorgen in der Corona-Krise

  • vonPetra Ihm-Fahle
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Zu den Branchen, die von der Corona-Krise stärker gebeutelt sind als andere, gehören die Hotels. Die WZ hat sich in der Wetterau umgehört. Die Stimmung reicht von verhalten bis verzweifelt.

Edith Siegesmund kommen die Tränen, wenn sie über die vielen Zuschriften von Gästen spricht, die sie momentan erhält. Ein Beispiel: »Liebe Frau Siegesmund, in diesen aufregenden Zeiten ist es uns, Barbara und Manfred Otto, ein Bedürfnis, Ihnen Danke für die Bewirtung in den vergangenen Jahren zu sagen.« Familie Siegesmund leitet in Bad Nauheim die Hotels Spöttel und Arabella, die hinsichtlich ihrer Umsatzzahlen drastisch von der Corona-Krise betroffen sind - so wie viele andere Hotels auch.

Wetterauer Hotels: Betrieb auf niedrigem Niveau aufrechterhalten

»Die Lage ist schlecht, aber nicht hoffnungslos«, versucht Siegesmunds Mann Gerhard gleichwohl, optimistisch zu sein. »Messen sind ausgefallen, und wir haben viele Messegäste.« Die Entwicklung sei dramatisch, tendiere gegen null, weil keine Nachfrage da sei. »Wir versuchen, den Betrieb auf ganz niedrigem Niveau aufrechtzuerhalten, damit der Anfang auch wieder gut gelingen kann«, sagt der Hotelier. Je länger der Ausfall dauere, umso schwieriger werde die finanzielle Lage. »Denn die Kosten bleiben nicht stehen, die laufen weiter.« Das Unternehmen hat sein Personal in Kurzarbeit geschickt und hofft, dass sich das Blatt bald wieder wendet.

Gerhard und Edith Siegesmund hoffen, dass sich das Blatt bald wenden wird.

Die Eigentümer des Hotels Dolce by Wyndham haben sich entschlossen, den Hotelbetrieb bis voraussichtlich Ende April einzustellen. »So wie viele Häuser unserer Branche weltweit, hat auch uns diese Pandemie schwer getroffen«, sagt Generalmanager Helge Lütters. Das Dolce habe sein Möglichstes getan, um Gäste, Kunden und Mitarbeiter vor dem Coronavirus zu schützen. Verantwortung und Besonnenheit hätten dabei über geschäftlichen Interessen gestanden. »In Anbetracht der aktuellen Lage können wir derzeit unseren Betrieb nicht mehr gewährleisten. Restaurant und Spa durften wir bereits zuvor aufgrund gesetzlicher Anordnungen nicht mehr betreiben.«

Wetterauer Hotels: »Es ist eine Dominokette«

Einige Mitarbeiter seien noch vor Ort, um für die Zeit nach der Krise zu planen. Auch die Rezeption sei für spätere Buchungen weiterhin erreichbar. »Wir informieren unsere Gäste online und freuen uns, bald alle wieder persönlich begrüßen zu können«, erklärt Lütters.

Das Hotel-Restaurant Goldnes Fass in Friedberg hat die Pforten ebenfalls vorübergehend geschlossen. »Ich kann den Hotelbetrieb nicht aufrechterhalten, denn es ist keine Nachfrage da. Wir haben Geschäftsleute, Vertreter und Arbeiter, und die schickt kein Mensch mehr umher«, sagt Inhaber Michael Koch. Baustellen würden dichtgemacht. »Es ist eine Dominokette«, stellt Koch fest. Momentan laufe die ganze Kommunikation online, Auch sein Restaurant habe zu, seine Mitarbeiter gingen in Kurzarbeit.

Wetterauer Hotels: Zahlt die Versicherung?

Über Jahrzehnte hätten die Hotels durch hohe Steuern- und Abgabenlast keine größeren Summen beiseitelegen können, fährt der Friedberger fort. »Das fällt uns auf die Füße. Viele Hotels und Gastronomiebetriebe werden die Krise nicht überstehen.« Koch hat den voraussichtlichen Schaden seiner Betriebsschließungsversicherung gemeldet, die er für den Fall einer Infektionsgefahr abgeschlossen hatte. »Aber ob sie einspringen?« Im Internet habe er gelesen, dass viele Versicherungen bei Corona nicht zahlten. »Und die staatlichen Zuschüsse sind auch so eine Sache, bei der Sie offenlegen müssen: ›Haben Sie noch private Mittel?‹« Am wichtigsten sei es aber, gesund zu bleiben.

In Bad Vilbel hat das Hotel Tannenblick noch geöffnet. Es hat generell überwiegend Geschäftsreisende als Klientel. Einige Gäste seien momentan da, die beispielsweise Altaufträge abarbeiteten, wie Inhaber Pawel Resser schildert. »Aber wie 90 Prozent der Hotels haben wir Umsatzeinbußen aufgrund zahlreicher Stornierungen.« Dies seien Vorsichtsmaßnahmen der Firmen und Arbeitgeber, die ihre Mitarbeiter nicht mehr zu Arbeitseinsätzen schickten. »Die Auftraggeber in der Region, zu denen die Geschäftsleute reisen, haben ebenfalls ihre Projekte verschoben.« Auch Resser betont: »Es ist eine Kette.«

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