Masken selbst nähen: Aus der Not heraus sind zahlreiche Initiativen in der Wetterau entstanden.
+
Masken selbst nähen: Aus der Not heraus sind zahlreiche Initiativen in der Wetterau entstanden.

Schutzmasken-Näher gesucht

Wetterauer helfen mit der Nähmaschine: Schutzmasken gegen Corona selbst nähen

  • Sabrina Dämon
    vonSabrina Dämon
    schließen

Mitarbeiter von Altenpflegeheimen sollen während der Arbeit einen Mundschutz tragen. Doch: Es gibt keine Masken. In Gedern bittet man daher um Hilfe. Und auch Angela Unger aus Florstadt hat die Initiative ergriffen.

Probleme sind zum Lösen da. Das haben sich eine Menge Menschen gedacht - und in der ganzen Wetterau Projekte gestartet. Das Problem, das es zu lösen gilt: Es fehlt überall an Schutzmasken für Mund und Nase. So etwa im Capio-Mathilden-Hospital in Büdingen. Die Lösung: selbst welche nähen. Und so haben sich in Florstadt ehrenamtlich Näherinnen zusammengeschlossen. Auch in Rosbach werden einige Nähmaschinen gerade in Betrieb genommen. Denn der Bedarf ist wegen des Coronavirus groß.

So hat die Mission Leben alle um Hilfe gebeten, die mit der Nähmaschine arbeiten können. Die Organisation betreibt 16 Altenpflegeheime in ganz Hessen - eins davon ist das Haus Vogelsberg in Gedern. Dort, wie auch in den anderen Einrichtungen, werden dringend Masken gebraucht. Konkret: 3000 Stück. Doch die zu bekommen sei zurzeit utopisch, sagt der Leiter der Gederner Einrichtung, Hans-Hermann Rieck. »Wir kommen an unsere Kapazitätsgrenze. Der Markt ist leer.« Wenn es doch Masken im Angebot gebe, würden sie zu Wucherpreisen angeboten. »Normal kostet eine Maske zwischen 20 und 30 Cent, jetzt liegen manche bei 10 oder 20 Euro pro Stück.«

Doch, berichtet Rieck: Laut aktueller behördlicher Anordnung sind die Mitarbeiter von Altenpflegeheimen nun dazu verpflichtet, Schutzmasken zu tragen. Um dieser Verpflichtung nachzukommen, hat Mission Leben einen Aufruf gestartet: Wer mit der Nähmaschine umgehen kann, wird darum gebeten, beim Nähen von Masken zu helfen.

»Laut Robert-Koch-Institut haben auch Mund-Nase-Schutzmasken aus Baumwollstoff einen virusabwehrenden Effekt.« Die selbstgenähten Masken, sagt Rieck, sollen dann für Mitarbeiter sein, die nicht in direktem Kontakt mit den Bewohnern stehen - zum Beispiel Reinigungskräfte oder hauswirtschaftliche Mitarbeiter. »Eine erfahrene Person kann mit der Nähmaschine eine Maske in ca. 15 Minuten nähen, Personen mit weniger Erfahrung können es in ca. 20 Minuten schaffen. Jede Maske zählt!«

Wetterauer nähen Schutzmasken: Guter Effekt - Was zu tun in der Isolation

Das weiß auch Angela Unger aus Florstadt. Immer häufiger habe die Frau des Bürgermeisters Herbert Unger davon gehört, dass es überall an Masken fehle. Also ging sie das Problem an. Zwar sei ihr klar, dass selbstgenähte Masken keinen nennenswerten eigenen Schutz vor Ansteckung bieten würden, aber dafür einen erheblichen Sicherheitsgewinn bei Sozialkontakten darstellten. Zudem - so die Meinung des Gesundheitsamts sowie von Virologen und Fachärzten - sei eine Atemschutzmaske aus Stoff immer noch besser als gar keine Maske.

In Zusammenarbeit mit ihrer 84-jährigen Mutter Leni Klein ging Angela Unger das Projekt Maskennähen an. Schnell seien auch die Corona-Helfer der Florstädter Bürgerhilfe, die aktuell von der Sport-Union und den Niddageistern unterstützt werden, von der Idee begeistert gewesen. Auch die Florstädter SPD habe Unterstützung zugesagt - »ebenso schnell, wie sich das AWO Marie-Juchacz-Pflegezentrum auf die Liste der Empfänger hat setzen lassen.« Zudem habe Angela Unger inzwischen alle Florstädter Arztpraxen durchtelefoniert und selbstgenähte Masken angeboten. »Die Freude war durchs Telefon zu hören«, erzählt sie. In einer Praxis habe man ihr gesagt, es seien gerade einmal noch zehn Schutzmasken vorrätig.

Jeder der mitmachen will, ist dazu aufgerufen. Klar ist aber: Das Projekt ist ehrenamtlich. Wer hofft, sich mit selbstgenähten Masken etwas dazuzuverdienen, ist an der falschen Stelle. »Im Moment halten so viele Menschen - zum Beispiel Ärzte und Pfleger - den Kopf für uns hin, da ist das das Mindeste, was wir tun können.«

Ein weiterer schöner Effekt: »Gerade die Hoch-Risiko-Generation, wie meine 84-jährige Mutter, kann einer sehr sinnvollen Beschäftigung in der selbst auferlegten Isolation nachgehen und einen aktiven Beitrag zur Verminderung des Ansteckungsrisikos leisten - übrigens auch bei der normalen Influenza oder bei einem grippalen Infekt.«

Und, ergänzt Angela Unger: »Meine Mutter jedenfalls war spontan begeistert und hat auch gleich mehrere Muster-Exemplare gemäß Anleitungen aus dem Internet auf ihrer Nähmaschine angefertigt.«

Wetterauer nähen Schutzmasken: Kontakte, an die sich Nähfreudige wenden können

Das Altenpflegeheim Haus Vogelsberg in Gedern bittet um Hilfe. In einer Mitteilung gibt es eine Anleitung für alle, die mitmachen möchten: »Informieren Sie bitte Pflegedienstleiterin Pia Scotti, Tel. 0 60 45/9 62 11 00, wie viele Masken Sie nähen wollen. Wir stellen für Sie das benötigte Material zusammen und informieren Sie, wann und wo Sie es abholen können.

Holen Sie sich den Baumwollstoff und das Gummiband in unserer Einrichtung ab (Ober-Seemer-Straße 10-12, Gedern). Sie können auch eigene Stoffe nehmen: Es muss aber 100 Prozent Baumwolle sein und möglichst weiß. Schauen Sie sich auf unserer Website unsere Anleitung an: www.mission-leben.de/seniorinnen-und-senioren/mund-nasen-schutzmasken.

Bringen Sie die Masken schnellstmöglich zurück in die Einrichtung und geben Sie sie dort ab.

Die Materialien für die Schutzmasken stellt die Aumühle in Darmstadt zur Verfügung, eine Einrichtung für Menschen mit Behinderung der Mission Leben. In der Wäscherei der Aumühle wird u.a. die Wäsche aus allen Altenpflegeeinrichtungen gewaschen. Der Wäschereiwagen bringt auf seinen Fahrten Stoff und Gummibänder in alle Einrichtungen.«

Wer in Florstadt Fragen rund ums Maskennähen hat, kann sich an Angela Unger wenden. Genähte Masken können bei Ungers in Nieder-Florstadt - immer unter Beachtung der Hygienebestimmungen - oder nach Terminabsprache mit Frau Janine Lang (Tel. 0 60 35/96 99 19 oder per E-Mail an Janine.Lang@Florstadt.de) am Rathaus abgegeben werden. Um die Verteilung kümmert sich Angela Unger. Sie sagt auch: Es gibt professionelle Anleitungen und Schnittmuster im Internet, auf meiner Instagram-Seite oder werden von mir auch gerne in Papierform als Kopien oder per E-Mail zugeschickt.«

Ulrike See aus Rosbach näht zurzeit Masken für die Sozialstation in Niddatal, Rosbach und Wöllstadt. Wer helfen möchte und Fragen hat, kann sich an Ulrike See wenden unter Tel. 0 60 03/33 02.

Aber nicht nur Schneider wie Katharina Wolz aus Friedberg oder Omar aus Nidderau nähen Schutzmasken selbst. Auch die Nachbarschaftshilfe Bad Nauheim möchte helfen und sucht Mundschutz-Näher.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare